BMW M3 gegen Über-Baby-Benz oder, der Fluch der vier Türen?

Bruno von Rotz
08.05.2015

Mercedes-Benz 190E 2.5-16 versus BMW M3 E30

1983 lancierte Mercedes-Benz mit dem 190 E 2.3-16 eine Sportvariante des Baby-Benz , die nicht nur bei den potentiellen Käufern, sondern auch beim Konkurrenten BMW die Köpfe rauchen liess. Vielleicht wählte Mercedes auch deshalb Rauchsilber als eine der zwei Standardfarben.

Mercedes-Benz 190E 2.3-16 von 1984 (© Daimler AG)

Es sollte fast drei Jahre dauern, bis die Münchner mit dem BMW M3 auf Basis der Baureihe E30 nachziehen konnte.

BMW M3 E30 von 1987 (© BMW AG)

Damals waren die beiden Autos mit rund 60’000 DM oder 55’000 Franken ähnlich teuer, heute aber gelten gut erhaltene M3 rund viermal soviel wie die Alternative von Mercedes. Warum wohl?

Ein Konzept, zwei Ausführungen

Auf den ersten Blick verfolgten beide Hersteller ähnliche Konzepte, beim Motor herrschte annähernd Gleichstand.

Motor des Mercedes-Benz 190E 2.3-16 von 1984 (© Daimler AG)

Hier wie dort werkelte nämlich ein 16-Ventil-Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und 2,3 Liter Hubraum. Während Mercedes (mit Hilfe des englischen Motorenbauers Cosworth) 185 PS herauskitzelte, waren es bei BMW 200.

Motor des BMW M3 E30 von 1987 (© BMW AG)

Hohe Drehzahlen waren bei beiden nötig, doch das Drehmoment blieb dabei nicht auf der Strecke, weshalb die Sportmotoren auch im Alltag eine gute Falle machten.

Vier Türen als Nachteil?

Auch sonst gab es keine grundsätzlichen Unterschiede. Bei BMW und Mercedes sass der Motor vorne und trieb die Hinterräder an. Während bei BMW die fünf Gänge grundsätzlich von Hand gewechselt wurden, bot Mercedes traditionsbedingt auch eine Automatik als Alternative an.

Cockpit des Mercedes-Benz 190E 2.3-16 von 1984 (© Daimler AG)

Im Innern glichen die teuren Evolutionsmodelle ihren günstigeren Serienvarianten, etwas mehr Ausstattung gestanden die Hersteller ihren Kunden aber immerhin zu.

Cockpit des BMW M3 E30 von 1987 (© BMW AG)

Aussen zeigten die beiden Sportlimousinen mit aufdringlichem Flügelwerk, Schürzen und Kotflügelverbreiterungen, dass mehr in ihnen steckte. BMW baute zudem die Heckscheibe flacher ein, um die Aerodynamik zu verbessern, womit dann M3 und 2.3-16 auf denselben cw-Wert von 0.33 kamen.

Senna-Variante des Mercedes-Benz 190E 2.3-16 von 1984 (© Daimler AG)

Sowohl BMW als auch Mercedes waren als Viersitzer konzipiert, Mercedes bot aber W201-baureihenbedingt vier Türen als Einstieg an, während es bei BMW grundsätzlich deren zwei waren.

BMW M3 E30 von 1987 (© BMW AG)

Ähnlich erfolgreich?

Im Markt erwiesen sich der 190 E 2.3-16 (und sein direkter Nachfolger der 2.5-16), gebaut von 1983 bis 1993, und der M3 E30, der zwischen 1986 und 1991 gefertigt wurde, als ähnlich erfolgreich. Rund 18’000 bayrischen Sechzehnventilern standen schliesslich etwa 25’000 schwäbischen Baby-Benzen gegenüber.

Mercedes-Benz gegen BMW in der DTM im Jahr 1990 (© Daimler AG)

Im Motorsport aber hängten die M3 den Baby-Benz ab, obschon es Mercedes immerhin im Jahr 1992 gelang, BMW den Meistertitel in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft abzujagen. An Anzahl Siegen auf internationalem Parkett aber war der BMW nicht zu schlagen.

Was gibt den Ausschlag?

Heute kostet ein guter original erhaltener BMW M3 rund 50’000 Euro/CHF, während es den normalen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 nachwievor für unter 20’000 Euro/CHF zu kaufen gibt. Zwei ähnliche Fahrzeuge, beide mit Motorsport-Ehren ausgestattet, haben sich wertmässig völlig unterschiedlich entwickelt.

Ob es die vier Türen des Mercedes sind, die leicht schlechteren Fahrleistungen oder vielleicht etwas weniger brachiale Optik des Baby-Benz? Wir wissen es nicht, aber man kann es auch von der anderen Seite her sehen. Während der M3 bereits heute wieder den damaligen Neupreis (oder mehr) wert ist, hat der Mercedes noch viel Potential nach oben. Zum Fahren machen sie beide Spass, auf der Rennstrecke liegt der M3 auch heute noch vorne, im Alltag kann der Mercedes Pluspunkte verbuchen. Jedem das Seine, könnte man sagen.

BMW M3 E30 und Mercedes-Benz 190E 2.3.16 im Vergleich

  BMW M3 E30
ECE Kat
BMW M3 E30
CH Kat
Mercedes 190E
2.3-16 ECE o. Kat
Mercedes 190E
2.3-16 ECE Kat
Preis DM 59800   58140  
Preis CH   54000   56280
Leistung PS 185 185 185 170
bei U/min 6750 6750 6200 5800
cw-Wert 0.33 0.33 0.33 0.33
Länge cm 436 436 443 443
Breite cm 167.5 167.5 170.5 170.5
Höhe cm 136.5 136.5 137 137
Gewicht kg 1280 1285 1260 1310
0-80 km/h 5 5.4   5.4
0-100 km/h 6.8 7.4 7.5 7.8
0-160 km/h 16.9 18.5   19
40-120 km/h 5. Gang 22 23.4   23.3
Vmax km/h 233 235 231 221
Testverbrauch l/100 km 11 10.7   11.7
Stückzahl (alle Typen) 18283   25230  

Ausführliche Einzelberichte zum Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 und zum BMW M3 E30 wurden bereits früher publiziert.

Archivierte Einträge:

von 19******
09.05.2017 (23:32)
Antworten
Sie zeigen den Motor in der einen Abbildung vom 2.5 16V, sie reden aber immer im Vergleich vom 2.3 16V! Der 2.5 16V hatte 195 PS resp. 204 PS. Die Produktionszahlen des 2.5 16V wurden von 1988- 1993 mit lediglich 5743 Stk. sehr viel weniger produziert. Der Senna Benz war ganz sicher ein 2.5 16V.
Haben Sie auch Verkaufspreise des 2.5 16V wie er heute gehandelt wird? Die Kaufpreise des 2.5. 16V war von 1989 mit 59'600 DM bis1993 70'150 DM auch sehr unterschiedlich. Bitte differenzieren Sie in ihrem Bericht den 2.3 16V und den 2.5 16V! Dies sind unterschiedliche Fahrzeuge. MfG Roland Henzi
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