Rekordpreise überall - was hat Kunst mit Automobilen zu tun?

Bruno von Rotz
17.05.2015

Picasso und Ferrari 250 GTO (adaptiert von Christie's und Bonhams)

Eine Kunst-Versteigerung von Christies’ hat dieser Tage für Aufmersamkeit gesorgt. Alleine die 10 teuersten Kunstwerke wurden für fast USD 800 Millionen verkauft. Das teuerste Gemälde namens “Les Femmes d’Alger (Version ‘O0” stammte von Pablo Picasso und war USD 179,4 Millionen wert. Damit wurde der frühere Versteigerungs-Weltrekord (Francis Bacon “Three Studies of Lucian Freud” wurde im November 2013 für USD 142,4 Millionen zugeschlagen) pulverisiert. Insgesamt wurden in acht Tagen in New York mit Kunst bei Auktionen rund zwei Milliarden umgesetzt, eindrückliche Zahlen!

Pablo Picassos Werk Les Femmes d'Alger (© Courtesy of Christie's Images Ltd. 2015)

Kunstexperten schütteln den Kopf. Bei den Käufern an der Christie’s-Versteigerung in New York soll es sich in vielen Fällen um relativ junge Sammler und Neueinsteiger gehandelt haben. Nur so sei es zu erklären, dass für ein vergleichsweise mediokeres Gemälde wie den Picasso, den es zudem noch in mehreren Versionen gäbe, soviel bezahlt wurde.

Erinnert uns das nicht ein wenig an die Situation im Hochpreissegment an Fahrzeug-Klassikerversteigerungen? Wir erinnern uns sicher auch noch an den Weltrekord des Ferrari 250 GTO, der bei Bonhams in Quail Lodge 2014 für USD 38 Millionen einen neuen Besitzer fand ...

Ferrari 250 GTO 1962 (© Bonhams)

Die Parallelen sind jedenfalls eindeutig. Es gibt viel Geld, das angelegt werden will in der Hoffnung auf eine überdurchschnittliche Rendite. Die Käufer bieten vor allem auf vermeintlich sichere Werte, bevorzugen sozusagen “Blue Chips”, ignorieren weniger populäre Namen und Produkte. Die Medien mischen eifrig mit und helfen bei der Preistreiberei. Es sind nicht die Enthusiasten, die aus Hingabe und Freude an den Objekten zugreifen, sondern Investoren, die ein ersteigertes Auto dann “moveable asset” nennen.

Es gibt aber auch Unterschiede zwischen dem Kunstmarkt und dem Autoklassikermarkt. Hinter einem Gemälde oder einer Skulptur steht fast immer ein einziger Künstler, während das Automobil von Gruppen oder gar ganzen Firmenkonstrukten gebaut wurde. (Fast) jedes Kunstwerk ist ein Unikat, während das Auto oftmals zumindest in kleinen oder grösseren Serien gebaut wurde. Beim Gemälde ist die individuelle Geschichte weniger relevant als beim Automobil, wo Vorbesitzer, Renn- oder Concours-Teilnahmen nachhaltig den Wert beeinflussen können.

Was aber bei der Kunst und beim alten Automobil übereinstimmen dürfte, ist das Faktum, dass neben den Hochpreisobjekten viele weniger bekannte und weniger gefeierte bezahlbare Bilder und Autos existieren, die von Liebhabern gekauft und gehätschelt werden und alleine der persönlichen Freude dienen. Gut so!

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