Schaltkomfort der Dreissigerjahre
Vorkriegssportwagen verbindet mancher mit rustikaler Ausstattung und grobschlächtigem Benehmen. Doch es ging auch anders. Einige, meist teurere Autos der Dreissigerjahre nutzten das Wilson Preselector Getriebe.
Bei diesem konnte der gewünschte Gang mit einem Hebel vorgewählt werden, während der eigentlich Gangwechsel dann durch ein Fusspedal verlangt wurde. Dieses Fusspedal war aber kein Kupplungspedal, obschon es sich ähnlich anfühlte. Tatsächlich war die “Kupplung” Teil des Getriebes, welches als Planetengetriebe konstruiert war.
Das Fahren mit einem Wilson Vorwählgetriebe gestaltet sich sehr einfach. Will man beispielsweise vom ersten in den zweiten Gang schalten, so bewegt man den Vorwählhebel in die entsprechende Position. Noch passiert gar nichts, erst wenn man dann das Fusspedal herunterpresst und wieder loslässt, ist der Gang tatsächlich “drin”.
Das Bild zeigt den Wilson-Vorwählhebel bei einem Talbot-Lago aus Frankreich, weshalb die Neutralstellung mit “Point Mort” beschriftet ist ....
Ein Wilson-Getriebe war aufwändig konstruiert und teuer, warum also der ganze Aufwand, wenn eigentlich genauso viel Arbeit nötig ist, den Gang zu wechseln, wie bei jedem anderen Auto? Nun, damals hatte man in den Kurven und teilweise auch bei unebenen Strassen alle Hände voll zu tun und war wohl froh, den händischen Gangwechsel dann vorwählen zu können, wenn dafür gerade Gelegenheit war, also z.B. vor statt in der Kurve. Und natürlich wurde man mit dem Vorwählgetriebe vom Zwischengas/Zwischenkuppeln entlastet, das damals noch bei praktisch allen Herstellern für geräuschfreie Gangwechsel nötig war.
P.S. Hätte sich übrigens das Vorwählgetriebe auf der ganzen Breite durchgesetzt, dann würde unsere Publikation heute wohl kaum Zwischengas heissen, weil kaum jemand sich daran erinnern würde ...
Und für Leute, die mehr über vergangene Innovationen und Entwicklungen lesen möchten, haben wir eigens einen entsprechenden Themenkanal implementiert.

































