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Mercedes Benz 190 E 2.3-16 - für die sportlichen Sternanhänger

Erstellt am 6. September 2013
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv Daimler AG 
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Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Daimler AG 
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Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - als Basis für den Rennsport aufgelegt
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - fühlt sich auch auf Landstrassen wohl
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - auch heute noch ein schnelles Auto
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - im Gegensatz zur Konkurrenz von BMW viertürig ausgelegt
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - trotz hoher Leistung relativ sparsam
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Am 8. März 1982 präsentierte Mercedes Benz die Modellreihe W 201, von der Presse sofort als “Baby Benz” kolportiert. Mit dem Mercedes 190/190E etablierte man eine Konkurrenz zur beliebten BMW-Dreierreihe. Wer sich keinen kaufen konnte oder wollte, machte früher oder später trotzdem mit einem Vertreter dieser Baureihe Kontakt, meist als Taxi, in beiger Lackierung, vermutlich von einem Dieselmotor und knapp 70 PS angetrieben. Doch Mercedes konnte auch anders.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - kompakte Ausmasse und im Vergleich zu heute tiefes Gewicht
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - kompakte Ausmasse und im Vergleich zu heute tiefes Gewicht
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Hightech-Sportlimousine

In Zusammenarbeit mit dem aus der Formel 1 bekannten Motorenhersteller Cosworth entwickelte man für den braven Limousinenmotor M 102 einen Vierventilkopf und trimmte den 2,3 Liter grossen Vierzylinder auf 185 PS bei 6’200 Umdrehungen. Erst bei 7’000 Umdrehungen setzte der Drehzahlbegrenzer ein, welch eine Abkehr von der sonst recht brav ausgerichteten Limousinentechnik.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1984) - der Vierzylinder-Motor M 102 E 2.3-16 - mit vier Ventilen pro Zylinder
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1984) - der Vierzylinder-Motor M 102 E 2.3-16 - mit vier Ventilen pro Zylinder
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Gerade einmal zwei Farben standen bei der Lancierung im Jahr 1983 zur Verfügung, nämlich Rauchsilber- und Blauschwarz-Metallic. Von aussen konnte die auf den Namen “190 E 2.3-16” getaufte Sportvariante durch Front- und Heckspoiler, die schon bald auf in ähnlicher Ausführung bei Taxis und Familienkutschen montiert wurden, von den braveren Modellen unterschieden werden.

Fahrwerkstechnisch verfügte der von Bruno Sacco gestaltete 190-er mit seiner modernen Vorderradaufhängung und der Raumlenkerhinterachse bereits über gute Anlagen, etwas Feintuning und ein automatisches Sperrdifferential (ASR) sorgten für optimale Voraussetzungen auf dem Handlingkurs.

Umfangreich ausgerüstet

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1984) - Teilleder war serienmässig, Sportsitze auch
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1984) - Teilleder war serienmässig, Sportsitze auch
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Bereits ab Werk war der in Deutschland DM 52’212 teure Vierventiler, der mit diesem Preis sogar teurer als die Sechszylinder-S-Klasse war, vollständig ausgerüstet. Eine umfangreiche Instrumentierung mit Öldruck-/Öltemperaturmessgeräten und Stoppuhr gehörte genauso zur Normalausstattung wie Sportsitze, Lederlenkrad, Servolenkung und Aluminiumfelgen. ABS und Airbag allerdings mussten genauso extra bezahlt werden, wie Schiebedach, Zentralverriegelung oder elektrische Fensterheber.

Und auch das Viergang-Automatik-Getriebe, das so gar nicht zum hochdrehenden Vierzylinder passen wollte, kostete Aufpreis, wurde von komfortbedürftigen Mercedes-Kunden aber trotzdem häufig und gerne bestellt.

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Komfortabel geblieben

Wer nun bei all den sportlichen Genen einen primär für den Einsatz auf Rennstrecken optimierten Sportwagen erwartete, sah sich schnell eines anderen belehrt. Im Test der Zeitschrift “Auto Motor und Sport” überraschte der gute Federungskomfort, der den Wagen insbesondere über kurze Unebenheiten ähnlich fein abrollen liessen wie die S-Klasse. Und auch lange Bodenwellen wurden mit ausgewogenem Komfort überrollt.

Auch die Lautäusserungen des Sportmotors verlangte nicht nach Ohrenpfropfen: “Bis etwa 5’000 U/min hält sich sein Geräusch ohnehin dezent im Hintergrund; darüber setzt zwar merkliches Brummen ein, das Daimler-Techniker gern mit dem Begriff ‘kernig’ umschreiben, das aber in der Tat selbst bei schneller Fahrt auf der Autobahn nicht zu einer Ohrenplage wird - der Ton des Motors ist dann zwar beherrschend, hauptsächlich aber eben auch deshalb, weil die aerodynamisch ausgefeilte Karosserie (cw 0,33) keine nennenswerte Windgeräusche produziert.”

Sportliche Fahrleistungen

Gerade einmal 7,9 Sekunden nahm sich die 2,3-Liter-Version des Mercedes-Vierventilers zeit für den Spurt von 0 bis 100 km/h, als Höchstgeschwindigkeit wurden von AMS 231 km/h gemessen, der Testverbrauch betrug 12,3 Liter Superbenzin pro 100 km.

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Einstand mit Weltrekorden

Noch bevor der 2,3-16 an der IAA im September 1983 vorgestellt wurde, erzielte er auf dem Hochgeschwindigkeitsrundkurs von Nardo bereits drei Weltrekorde. Sagenhafte 247,939 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit wurden über 50’000 km gefahren und dies mit drei Fahrzeugen, die sich nur geringfügig vom Serienmodell unterschieden. So waren profillose Reifen montiert, der Frontspoiler vergrössert worden und der Wagen um 15 mm abgesenkt worden, so dass die Automobil Revue eine Spitzengeschwindigkeit von 254 km/h als Mittel aus beiden Richtungen stoppen konnte. Mit Rückenwind schaffte die optimierte Rekordlimousine sogar 265 km/h.

Einsatz im Motorsport

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1984) - Ayrton Senna siegt beim Eröffnungsrennen auf dem neuen Nürburgring
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1984) - Ayrton Senna siegt beim Eröffnungsrennen auf dem neuen Nürburgring
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Zur Einweihung des Nürburgring-Grandprix-Kurses am 12. Mai 1984 stellte Mercedes 20 identische, seriennahe und mit Überrollkäfig ausgerüstete Sechzehnventiler bereit und liess Rennsportlegenden wie Jack Brabham, Hans Hermann, Phil Hill, Niki Lauda, Klaus Ludwig, Hans Herrmann, Alan Jones, Keke Rosberg, Jody Schecker oder Stirling Moss, die allesamt Erfolge auf dem Nürburgring in ihrem Palmares aufführen konnten, in einem Rennen gegeneinander antreten. Als Sieger ging dabei der damals 24-jährige Ayrton Senna hervor.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.5-16 Evolution (1990) - der spätere Sieger Kurt Thiim im AMG-Benz in Zolder am 1. April 1990
Mercedes Benz 190 E 2.5-16 Evolution (1990) - der spätere Sieger Kurt Thiim im AMG-Benz in Zolder am 1. April 1990
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Ab 1988 fuhr der W 201 dann in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) mit und trat dort gegen den 1986 vorgestellten den grossen Gegner BMW M3 (E30) an. Es sollte aber noch bis 1992 dauern, bis dank stetiger Evolution der Titelgewinn möglich wurde.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.5-16 (1993) - Grosser Preis der Tourenwagen auf dem Nürburgring (Nordschleife) am 10. Juni 1993
Mercedes Benz 190 E 2.5-16 (1993) - Grosser Preis der Tourenwagen auf dem Nürburgring (Nordschleife) am 10. Juni 1993
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Geflügelte Evolutionsmodelle

Um den Anforderungen des Rennsports zu genügen, wurde der Sechzehnventiler stetig weiterentwickelt.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.5-16 Evolution (1989) - die erste Evolutions-Serie von knapp 500 Stück
Mercedes Benz 190 E 2.5-16 Evolution (1989) - die erste Evolutions-Serie von knapp 500 Stück
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

1988 brachte eine erste Evolutionsstufe einen auf 2,5 Liter vergrösserten und 195 PS starken Motor, 1990 folgte (am Genfer Automobilsalon) der rund 120’000 DM teure Evolution II mit riesigem Flügelwerk hinten, das in der Schweiz zum Beispiel offiziell nicht für den Strassenverkehr zugelassen war, auffälligen Kotflügelverbreiterungen und einer Leistungssteigerung auf 235 PS.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.5-16 Evolution II (1990) - der Heckspoiler wurde in der Schweiz separat ausgeliefert, da nicht zulassungsfähig - viele bauten ihn trotzdem an
Mercedes Benz 190 E 2.5-16 Evolution II (1990) - der Heckspoiler wurde in der Schweiz separat ausgeliefert, da nicht zulassungsfähig - viele bauten ihn trotzdem an
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Auch die Serie profitierte, denn ab Ende der Achtzigerjahren verliessen alle Sportmodelle die Fabrik mit 2,5 Litern Hubraum.

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Im Schatten des Widersachers

19’487 Exemplare des 2.3-16 wurden gebaut, dazu kamen weitere 5’743 2.5-16 und die Evolutionsserien mit Fünfhunderterauflagen, damit war der Baby-Benz im Sportsegment kommerziell etwas erfolgreicher als der Gegner aus München, der BMW M3 E30, von dem rund 18’000 Stück (inkl. Cabriolet-Versionen und Sonderserien) an den Mann oder die Frau gebracht werden konnten.

Heute allerdings hat sich das Blatt gewendet, gute M3 sind mindestens das Doppelte des aktuellen Marktpreises eines 2.3-16 wert. Die selteneren 2,5-Liter sind gesuchter, die Evolutionsmodelle sind für saftige Aufpreise gut. Technisch sind die Sportversionen vergleichsweise anspruchslos und auch Rost ist kein unüberwindbares Problem. Auch die Ersatzteilversorgung ist vorbildlich organisiert.

Modern geblieben

Auch heute, 30 Jahren nach seiner Vorstellung, wirkt der 190 E modern. Kein Wunder, denn mit ihm leitete Bruno Sacco eine neue Formensprache beim Mercedes ein. Mit seinem Spoilerwerk und den stattlichen Aluminiumfelgen zeigt der 2.3-16 sogar einen sportlichen Touch.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - wirkt wegen Spoilern und Schwellern geduckter als das Serienpendant
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - wirkt wegen Spoilern und Schwellern geduckter als das Serienpendant
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Innen geht es in der umfangreich mit Leder ausgestatteten Limousine etwas nüchterner zu, nur die Zusatzinstrumente und die guten Seitenhalt vermittelnden Sportsitze verraten das teure Modell.

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - man muss schon genau hinsehen, um die teuerste Modellvariante zu erkennen
Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - man muss schon genau hinsehen, um die teuerste Modellvariante zu erkennen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nach dem Start ertönt ein leises Summen und auch nach Aufnahme der Fahrt bleibt der Motor dezent im Hintergrund. Man ist fast ein wenig enttäuscht, erwartet man nun doch einen dem Äusseren entsprechenden sportlichen Auftritt. Aber erst bei hohen Drehzahlen wird der Sechzehnventiler lauter und die Automatik verhindert solche Exzesse meist durch frühzeitiges Hochschalten.

Aus heutiger Sicht ist der 2.3-16 natürlich mit seinen rund 1’300 kg nicht mehr ein üppig motorisiertes Fahrzeug, aber mit Kickdown und beherztem Gaspedaleinsatz lassen sich dem Wagen auch heute noch zeitgemässe Fahrleistungen entlocken.

Auch im Kurvenbereich fühlt sich der wohltuend kompakte Wagen (Länge 4,45 Meter, Breite 1,706 Meter) handlich und durchaus zeitgemäss an. Nur hinten sollte man dann auf längeren Etappen als Durchschnittseuropäer nicht sitzen müssen.

Man kann mit diesem Fahrzeug auch lange Strecken weitgehend ermüdungsfrei und sicher zurücklegen, nur für das Bergrennen oder die Hatz über Serpentinen wäre eine handgeschaltete Version sicher vorzuziehen.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den Mercedes Benz 190 E 2.3-16 mit Jahrgang 1987 probefahren zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - kompakte Ausmasse und im Vergleich zu heute tiefes Gewicht
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - roter Bereich ab 7'000 U/min, das gab's damals nur im Sechzehnventiler bei Mercedes
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - fühlt sich auch auf Landstrassen wohl
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - auch heute noch ein schnelles Auto
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - im Gegensatz zur Konkurrenz von BMW viertürig ausgelegt
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - trotz hoher Leistung relativ sparsam
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - über 230 km/h schnell rennt der Sechzehnventiler
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - die schnellen Versionen liessen sich von vorne durch den Frontspoiler von den anderen Modellen unterscheiden
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - wirkt durch die Anbauteile flacher und liegt tiefer
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - hinten gab es neben der Schürze auch einen Heckspoiler zur Verringerung des Auftriebs
Bild Mercedes Benz 190 E 2.3-16 (1987) - es gab ihn ursprünglich nur in den Farben Blauschwarz- und Rauchsilber-Metallic
Quelle:
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von cr******
11.11.2013 (10:25)
Antworten
wie werdeden die Sechszehnventiler heute gehandelt?
von pl******
10.09.2013 (14:21)
Antworten
dieses Modell war einfach Klasse! Heute geniesse ich den SL
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