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Früher war alles besser! War früher alles besser?

Daniel Reinhard
10.03.2015

Genfer Automobilsalon 1964 (© Max Pichler)

Pressetage werden die letzten zwei Tage vor der Eröffnung eines Automobilsalons genannt. Früher dienten diese Tage den Fotografen und Journalisten einen Einblick in die Neuheiten zu gewähren.
In Ruhe konnte dabei alles fotografiert und mit den Werksvertretern bis hin zum Vorstand in Ruhe über das Eine, wie das Andere diskutiert werden.

Genfer Automobilsalon 1962 (© Max Pichler)

Ob mit hoher Leiter oder grossem Dreibein-Stativ, man konnte in Ruhe die Objekte der Begierde ins richtige Licht rücken. Egal ob zum Schluss 10 oder auch mal 30 Sekunden belichtet werden musste, man hatte die Zeit und auch die Ruhe dazu. Bilder von Autos ohne Menschentrauben waren das Resultat welche dann in den Medien gezeigt wurden.

Genfer Automobilsalon 2015 (© Bruno von Rotz)

Die Pressetage gibt es noch immer, sollten aber heute viel mehr "Pseudo-VIP”-Tage oder besser noch "Wer kommt kann auch rein”-Tage" genannt werden. Anders ist der Sprung von einigen Hundert auf über 10’000 “Pressevertreter” auch kaum zu erklären.

Für uns Arbeitende ist es schlicht unmöglich geworden, die Autos vernünftig abzulichten. Smart-Phone Fotografen, i-Pad-Nutzer und Selfie-Freaks machen die Tage zum Horror der Berufsleute. Unzählige Möchtegerns mit Anhang stehen im Weg oder drängen sich erbarmungslos vor die Berufsleute.

Ford GT am Genfer Automobilsalon 2015 (© Daniel Reinhard)

Vier volle Runden des neuen Ford GT mussten verstreichen, bis auch nur einmal das Heck des Wagens ohne störende "Kreti und Pletis" fotografiert werden konnten.

Wie am Gepäcksband im Flughafen verlieren die meisten Leute jeglichen Anstand und stellen sich mit einer Arroganz vor die bereits wartenden und weichen auch nicht mehr von der Stelle.

"Twitter", "Facebook",  "Selfies" und was es da noch so alles gibt, treiben ganze Berufszweige in den Wahnsinn. Qualität ist sowieso egal, Hauptsache alle Kollegen und Freunde können sofort sehen was es bei BMW, Porsche, oder Mercedes zu Essen gibt.

McLaren auf dem Genfer Automobilsalon 2015 (© Daniel Reinhard)

Auffallend war dieses Jahr auch, dass der Mobile Netzempfang massiv besser zu werden schien, je näher der Telefonierende oder SMS-Schreibende am Fahrzeug stand. Minutenlang konnte, ans Concept-Car gelehnt, mit irgend einem Kollegen, Freund oder Bekannten über das Wetter in Genf, die Luft in der Palexpo-Halle, oder irgend einen anderen Schwachsinn geschnattert werden. 

Da fragt man sich nun wirklich, ob es denn nicht sinnvoller wäre, zu den Wurzeln zurückzukehren und die Pressetage wieder der Welt-Presse freizuräumen.

Borgward Isabella am Genfer Automobilsalon 2015 (© Daniel Reinhard)

Wäre der Nutzen aller Beteiligten nicht grösser mit professionellen Publikationen aufzufallen, als mit undefinierbaren Selfies oder irgendwelchen schlechten Facebook-Artikeln, unterzugehen.

Wer sehen möchte, wie es früher am Autosalon aussah, der sei auf unsere entsprechende Themenseite verwiesen. Und ja, an den Besuchertagen gab es auch vor Jahrzehnten schon viele Leute ...

Besucherandrang am Genfer Automobilsalon 1962 (© Max Pichler)

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von t5******
18.03.2015 (06:42)
Antworten
Das Problem liegt sicher auch darin, daß alle Social Media Leute von Autoherstellern oft mit eingeladen werden (müssen) und man dort schwerer eine Grenze ziehen kann, wer als Nerd einen viel gelesenen Blog hat oder nur "durchgerutscht" ist bei der Akkreditierung. Viele Aussteller ziehen auch noch VIP-Gäste (sprich Kunden) mit rein bei Sondervorstellungen oder Vorabend-Standparties. Und mancher Hersteller bevorzugt ja sogar meist die "schnellen" Medienvertreter. Man sieht heute häufiger die Redegefechte von etablierten Foto-Reportern, die ein Interview-Bild arrangieren möchten und Leuten, die einfach die Kamera mitlaufen oder mitschnipsen lassen und schneller im Netz sind. Exclusivät war leider gestern. Die Objekte des Interesses (Interviewte oder PR-Vertreter) sind immer weniger daran interessiert, sondern auf die schnelle Verbreitung. Daran werden sie intern auch noch gemessen.
von ka******
10.03.2015 (08:52)
Antworten
Bei dem Bau-Aufwand der heutzutage für den Autosalon unternommen wird könnte es sich lohnen noch zwei zusätzliche «Pseudo-VIP & Freek-Tage» zwischen die Pressetage und die Publictage einzuschieben. Und VIP sollte man besser in FUD umbenennen. F…ing unimportant Dude
Antwort von Magnus
10.03.2015 (10:41)
Richtig !
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