Der Fiat, den kaum einer kennt
Im Jahr 1970 baute Fiat die Modelle 850, 124, den Dino als Coupé und Spider nebst einigen anderen Fahrzeugen. Einen Mittelmotor hatte allerdings kein Fiat, als am 52. Autosalon von Turin dieses Gipsmodell gezeigt wurde.
Es ging Fiat allerdings auch nicht um das Zeigen einer seriennahen Modellstudie, sondern um die Präsentation einer Vorgehensweise zur Entwicklung neuer Fahrzeuge.
Die Automobil Revue schrieb im Salonrückblick:
“Auf dem Fiat-Stand war neben dem Weltrekordwagen Mephisto von 1924, mit dem Sir Eldridge 234,98 km/h erreicht hatte, ein Anschauungsmodell aus Gips ausgestellt, das in knapp 40 Tagen fertiggestellt wurde. Das gezeigte Modell veranschaulichtdie Form eines Mittelmotorcoupés und verkörpert einen interessanten Beitrag zu kommenden Karosserieformen, hat jedoch keine Beziehung zum Fiat-Produktionsprogramm.”
Die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” notierte kurz:
“Der Beitrag des Fiat-Werksdesign war unkonventionell. Er bestand vom Dach bis zum Reifenprofil aus Gips — eine Höchstleistung der Stukkateurkunst. Eine Verwirklichung der Studie ist nicht vorgesehen.”
Das Auto wurde wirklich nie so verwirklicht. Tatsächlich gleicht der gezeigte Wagen nur gerade bezüglich seiner Keilform dem späteren Fiat X 1/9 mit Mittelmotor.
Wir zitieren hier die Pressemitteilung von Fiat aus dem Jahr 1970, das unter dem Titel “Ein Anschauungs-Modell der Fiat auf dem Turiner Automobilsalon” folgendes ausführte:
“Auf dem Fiat-Stand auf dem Turiner Automobilsalon wird das Anschauungsmodell eines Prototyps gezeigt, das vom Styling-Center der Fiat realisiert wurde.
Dieser Prototyp, wie sofort zu erkennen ist, will kein konkreter Vorschlag für eine bestimmte Form sein. Er stellt vielmehr ein Beispiel für die Verwendung von Gips bei der Realisierung von Prototypen dar, und als solches wird er für Techniker und sonst Interessierte interessant sein. Daher die Bezeichnung „Anschauungs-Prototyp“, da eben an ihm die Verarbeitung von Gips beim Modellentwurf veranschaulicht wird.
Die bei der Formgebung von Modellen verarbeiteten Materialien sind in erster Linie Gips, „clay“, Epoxydharze und Holz. Die Verwendung von Gips bringt den Vorteil mit sich, dass das Modell aufgrund der hohen Stabilität des Materials auf unbegrenzte Zeit seine ursprüngliche Form, ohne jegliche Veränderung, beibehält. Die Lackierung kann auf gewohnte Weise angebracht werden, ebenso äussere Verzierungen und Zubehörs. Das Modell ähnelt also sehr einem richtigen Wagen. In der entscheidenden Phase der Auswahl eines bestimmten Modells für die Produktion, ist dies, wie man leicht verstehen kann, von grosser Bedeutung, da man von einem wahrheitsgetreuen Vorbild ausgehen kann.
Die Verwendung von Gips bringt jedoch noch weitere Vorteile mit sich: niedrige Materialkosten (normaler Stuckgips), die Möglichkeit, unbeschränkt Veränderungen und Korrekturen vornehmen zu können, Schnelligkeit der Ausführung. Dieser Prototyp konnte in knapp 40 Tagen fertiggestellt werden.
Andererseits sind für die Bearbeitung von Gips hochqualifizierte Fachkräfte erforderlich, da dieses Spezialgebiet auf das traditionsreiche Handwerk der Stukkateure zurückgeht. Trotzdem sei darauf hingewiesen, dass der Gips neben seinen unübersehbaren Vorteilen den Nachteil der schwierigen Bearbeitung hat, anders als „clay“ und Epoxydharze, die leichter zu bearbeiten sind.
Das hier gezeigte Beispiel veranschaulicht die Form eines Sportwagens, mit nach rückwärts verlegtem Mittelmotor, was jedoch in keiner Weise zum Fiat-Produktionsprogramm in Beziehung steht.”
Ob das Gipsmodell überlebt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Es gibt weitere Fotos von dem Auto , die natürlich in unserem Archiv zu finden sind.


























