Aus Freude am Schalten
Wir haben schon ab und zu darüber philosophiert, dass das manuelle Wechseln von Gangstufen eine besonders innige Beziehung zur Mechanik eines Autos schafft. Man ist einfach mehr involviert, wenn man den Ganghebel durch die Schaltgassen führt und die Kupplung im richtigen Moment öffnet und schliesst. Zwischenkuppeln und Zwischengas ist dann die Kür dazu.
Dies haben offenbar auch die Erbauer von Konzeptfahrzeugen und Prototypen erkannt. Jedenfalls stand am Concorso d’Eleganza Villa d’Este ein brandneues Einzelstück namens Kode61 Birdcage. Und wer ins Cockpit schaute, erkannte sofort die Sechsganghandschaltung. Cool.
Am Samstag wurde bei RM/Sotheby’s zudem ein Ferrari 550 Maranello aus dem Jahr 1997 zum Rekordpreis von EUR 286’250 oder CHF 277’663 verkauft. Sie haben’s erraten, er war handgeschaltet (… und hatte einen geringen Kilometerstand, zugegeben).
Wer heute einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten mit mindestens 200 PS kaufen will, der findet heute kaum mehr ein handgeschaltetes. Nur noch Spezialitäten werden auf Wunsch und teilweise gegen erhebliche Aufpreise mit einem klassischen manuell bedienten Getriebe verkauft. Bei Porsche, BMW oder Lotus kann man fündig werden, nicht aber bei Lamborghini, Mercedes-Benz oder Ferrari. PS-kräftige Alltagsautos sind fast 100-prozentig mit Automatik ausgestattet, elektrisch angetriebene sowieso.
Wohin wird das führen? Wir vermuten, dass zumindest für eine gewisse Zeitperiode, handgeschaltete Klassiker erheblich höhere Bewertungen erreichen werden als DSG-/Wandler-Automatik-Alternativen. Ob das auch dann noch so weitergehen wird, wenn die Generation der Handschalter-Autofahrer aussterben wird, das ist allerdings eine andere Frage …
Beim Ferrari 250 GTO wird sich diese Frage allerdings nie stellen, den gab's nur mit fünf handgeschalteten Gängen. Gut so!


























