Zum Tod von Giotto Bizzarrini
Nur sehr wenigen Menschen ist es vergönnt, auch nur für einen der grossen italienischen Sportwagenbauer zur arbeiten. Giotto Bizzarrini arbeitete nicht nur für deren vier, sondern verhalf Ihnen teils sogar erst zum Durchbruch – oder zu einem ambitionierten Untergang.
Nachdem er noch den 250 GTO zu einer ebenso unbesiegbaren wie wunderschönen Sportwagenwaffe entwickelt hatte, verliess er 1961 Ferrari im Streit und gründete zusammen mit seinen fünf Mit-Abtrünnigen die Firma Automobili Turismo e Sport ( ATS ). Doch der ehrgeizige Mittelmotor-Gegenschlag auf Strasse und Rundstrecke scheiterte früh.
Dafür hätte es eine andere heute berühmte Marke ohne Bizzarrinis Hilfe vielleicht nie gegeben. Der Zwölfzylinder des Lamborghini 350 GTV, des ersten Sportwagen-Prototyps aus der Traktorenfabrik, wird dem Konstrukteur aus Livorno zugeschrieben – auch wenn unklar ist, wie gross Bizzarrinis schöpferische Leistung an dem V12 wirklich gewesen ist.
Auch die Sportwagenpläne von Renzo Rivolta wurden erst dank Giotto Bizzarrini Realität. Als der Boss und der Konstrukteur sich auch hier in die Haare bekamen, verwirklichte Bizzarrini die Renn-Version des Iso Grifo unter eigenem Namen. Doch auch eine Version mit Opel-Motor statt Chevy-V8 konnte das fehlende kaufmännische Geschick des genialen Technikers nicht ausgleichen.
Nachdem seine Firma 1969 aufgelöst worden war, beschränkte sich Bizzarrini auf die Theorie. Er beriet andere Autobauer und hielt Vorlesungen an der Universität von Rom. In den folgenden 50 Jahren entwarf er auch gelegentlich noch Autos, von denen aber keines über das Prototypen-Stadium hinauskam. Am 13. Mai 2023 ist Giotto Bizzarrini im Alter von 96 Jahren gestorben.

























