Der Fluch des niedrigen Kilometer-Standes

Bruno von Rotz
02.07.2014

Autos mit tiefem km-Stand

Autos mit tiefen Kilometerständen, also geringen Fahrleistungen sind gesucht. Die englisch sprechenden Liebhaber sprechen in diesem Zusammenhang gerne von “low mileage cars”. Ein Mercedes R107 mit minimalem Kilometerstand kann durchaus mehr kosten heute als der damalige Neupreis, während vernünftig gefahrene Exemplare, die jährlich 3000 bis 8000 km (und damit bereits unterdurchschnittlich wenig) zurücklegten und somit heute zwischen 80’000 und 150’000 km Laufleistung aufweisen deutlich tiefer bei vielleicht der Hälfte oder einem Drittel des Neupreises gehandelt werden.

Bei Ferrari, Lamborghini oder Porsche ist es nicht anders. Wir erinnern uns an den kaum gefahrenen (650 km) 911 Speedster, den Bonhams im Februar in Paris für sage und schreibe Euro 310’500 oder CHF 379’958 umsetzen konnte.

Autos mit tiefem km-Stand (Fiat)

Aber was macht man hinterher mit einem derartigen Prachtexemplar? Jeder zusätzliche Kilometer schmälert den Wert empfindlich. Wenn der Porsche Speedster 12000 km statt 650 km auf dem Tacho zeigt, wird er vermutlich deutlich weniger bringen an der nächsten Auktion. Und dabei sind doch bei nicht gefahrenen Autos auch noch Standschäden zu befürchten und man muss sich um den Zustand von Schläuchen und Riemen Sorgen machen. Der “low mileage” Sammlerwagen kann so schnell zum Fluch werden, wird zum reinen Garagenobjekt. Von Fahrfreude kaum zu reden!

Drum kann es sinnvoller sein, einen "gesunden" Kilometerstand zu akzeptieren und halt hie und da mal etwas zu reparieren oder zu ersetzen und sich dafür am rollenden statt am stehenden Kulturgut zu erfreuen ....

von ox******
02.07.2014 (08:06)
Antworten
Die Frage lautet doch: Willst du Spass oder eine Geldanlage? Wenn du beides willst, dann musst du 2 kaufen. Oder einen 911er.
von phantom
02.07.2014 (11:09)
Antworten
Wie wahr!

Die Oldtimerszene entwickelt sich teilweise -unter dem Aspekt der Wertvermehrung- eigenartig. Ich will, wie ox***** meine Oldtimer fahren. Alles andere ist sekundär.

Beim Kauf eines Nachkriegs Oldtimers achte ich auf eine -im Artikel auch erwähnte- "durchschnittliche Laufleisttung." ZB ein Silver Shadow der zu lange stand, mit seinem komplexen Hydaulik-System für Bremsen und Federung, kann einem in den Ruin treiben.
von E1******
08.07.2014 (08:10)
Antworten
Ich sammel seit Ende der 60er Jahre. Dabei kaufte ich u.a. relativ oft jüngere Fahrzeuge (teils mit Unverständnis von Dritten). Orignalität und der Gesamtzustand war mir dabei wichtig, schön, wenn der km-Stand gering war. Die Fahrfreude verteilte sich auf eine größere Fahrzeuganzahl. Beispiel: Ein Baujahr 36, 1969 gekauft mit 42.000 km hatte 40 Jahre später 56.000 km auf dem Tacho.
Echte Oldtimerfreunde sind mit dem Herzen dabei und fahren, wenn auch manchmal etwas weiger ;)
von juerg stucki
08.07.2014 (08:28)
Antworten
Es ist sehr leicht bei Oldtimern die "rute" zwischen dem getriebe (gear box) und dem tachometer am armaturenbrett zu entfernen und so herumzufahren!
Ich waere nicht ueberrascht wenn die auf den Fotos gezeigten Tachos zurueckgespult worden waeren, denn die hier gezeigten zahlen stehen nicht auf genaugleicher hoehe - das ist zumindest hoechst verdaechtig!
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
08.07.2014 (08:38)
Die beiden Beispiele wurden zur Unterstützung der Aussage mit Photoshop auf einen tiefen km-Stand gebracht, es sollten ja nur Beispiele sein. Beide Fahrzeuge wiesen in der Tat einen höheren km-Stand aus. Allerdings waren die Ziffern auch beim originalen Tacho-Stand nicht alle auf gleicher Höhe.
von juerg stucki
08.07.2014 (09:16)
Antworten
"Originell" ist bei Oldtimern ist ein Thema fuer sich! Danke fuer die Erklaerung des Chefredaktors!
Ich lebe seit nahezu 50ig Jahren in einem Land voller herrlichster Automobile jeder Marke und Jahrgangs und man sieht noch heute hie und da Vorkriegsmodelle, die noch nie restauriert wurden,
jedoch liebevoll gepflegt einfach so, von generation zu generation in der selbenFfamilie weitergegeben werden. Schoen so oeppis! J.Stucki, Rotorua NZ

renoviert wurden
von en******
27.07.2014 (01:18)
Antworten
Guter Beitrag!

Mein 928er (125 tkm) aus Zuffenhausen wird jedes Jahr zwischen 5 und 10 tkm bewegt, mein MB 560 SE (266 tkm) sowie mein MB 280 SLC (186 tkm) jeweils (mindestens) ebenso viel.

Dabei sind alle drei Autos in einem gepflegten, rostfreien (teils umfassend restaurierten) Zweierzustand.

Wenn ich mir vergleichbare Autos anschaue, die sich regelrecht kaputtstehen... Nein danke!

In den 928er musste ich übrigens am meisten investieren... er stand am längsten...
von ae******
16.09.2014 (13:43)
Antworten
Einen Oldie pro Jahr nur 5-10 Km zu bewegen grenzt wohl an einen Witz. Diese Wagen, besonders die Grosshubigen werden hierbei nicht einmal warm. Es sollte allen Autokennern doch bekannt sein, dass lauwarme Motoren zu Kondenswasserbildung neigen, was äusserst schadhaft ist. Ein Auto, das regelmässig warm gefahren wird bleibt sicher länger top als eines, das praktisch immer ruht. Meine 15 bis 20 Oldies (Autos und Töffs) werden regelmässig bewegt für Rallyes und Touren und erfreuen sich bei guter Wartung an bester Gesundheit.
Standschäden lassen grüssen
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