Unvergessliche Klappscheinwerfer

Bruno von Rotz
17.11.2012

Klappscheinwerfer am Oldsmobile Toronado von 1967

Klappscheinwerfer gehörten bei den Sportwagenbauern der Siebzigerjahren zum guten Ton. Sie erlaubten eine flache und aerodynamisch vorteilhafte Frontgestaltung und gleichzeitig eine elegante Linienführung. Fahrzeuge wie der Maserati Ghibli , der Lamborghini Countach oder der Ferrari 512 BB sind Beispiele aus dieser Zeit. Besonders in der Keilform-Ära waren die ausfahrbaren Leuchtkörper beliebt.

Erstmals eingesetzt waren Klappscheinwerfer aber schon in den Dreissigerjahren, als Cord ursprünglich als versenkbare Landescheinwerfer gedachte per Handkurbel ausschwenkbare Leuchtkörper in das Modell 810/812 einbaute.

Klappscheinwerfer am Cord 812 SC von 1937

In den Nachkriegsjahren tauchten Klappscheinwerfer bei diversen Kleinserienfabrikaten auf, so zum Beispiel beim Siata 208 CS .

Klappscheinwerfer am Siata 208 CS von 1952

Erst in den Sechzigerjahren setzte dann ein eigentlicher Boom ein und die ausschwenkbaren Scheinwerfer eroberten auch den Massenmarkt. Der Oldsmobile Toronado zeigte besonders eindrückliche Schlafaugen (Bild siehe oben).

Opel baute beim Modell GT vermutlich das einzige Fahrzeug mit längs zur Fahrzeugachse ausrollenden Scheinwerfern. Die Betätigung erfolgte per Handhebel und Muskelkraft.

Klappscheinwerfer am Opel GT von 1970

Lamborghini Miura und Porsche 928 wiesen Klappscheinwerfer auf, die auch im ruhenden Zustand sichtbar waren, da sie nach vorne, statt nach oben klappten.

Klappscheinwerfer beim Porsche 928 von 1977

Auch Aston Martin musste beim Lagonda auf Klappscheinwerfer zurückgreifen, wohl weil es bei der sehr keilförmigen und tiefliegenden Schnauze nicht möglich war, die Hauptscheinwerfer ohne dieses Konstrukt gesetzeskonform hoch genug einzubauen.

Klappscheinwerfer beim Aston Martin Lagonda von 1984

Einen Schritt weiter ging Claudio Zampolli bei seinem Cizeta V16T . Der von Gandini gezeichnete Wagen wies gleich vier ausklappbare Scheinwerfer auf.

Doppelte Klappscheinwerfer beim Cizeta V16 T von 1992

Zunehmende Anforderungen bezüglich Fussgängerschutz, Nachteile in der Aerodynamik und Entwicklungen in der Scheinwerfertechnik, die kleinere und vielseitig platzierbarere Leuchtkörper zuliessen, machten den Klappscheinwerfern in den Jahren des beginnenden neuen Jahrtausend den Garaus.

Archivierte Einträge:

von fr******
02.05.2013 (15:03)
Antworten
Hi Bruno,
erwähnenswert ist bestimmt noch, daß viele Klappkonstruktionen dem jeweiligen Haupt-Export-Markt geschuldet waren. Das waren damals fast immer die USA. Und die hatten eine Vorschrift bzgl. Scheinwerfer-Mindesthöhe!
Damit waren Scheinwerfer in viele schöne, flache Karosserien einfach nicht zu integrieren. Also MUSSTEN sie klappbar sein.
Zwischengasliche Grüße
Frankie
von sw******
17.11.2012 (10:22)
Antworten
Wobei man dazu sagen muss, dass längst nicht alle Klappscheinwerfer wirklich gelungen waren. Der 928 wirkt wie ein Healey Froschauge in geöffnetem Zustand, was der Preisklasse sicher nicht angemessen war. Und beim Cizeta Moroder zählt man 4 Scheinwerfer-Etagen... Vielleicht etwas zuviel des Guten.

Aber wir werden sie irgendwann vermissen.
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