Der Kleinwagen Passat, der nicht von Volkswagen war

Bruno von Rotz
06.11.2012

Kleinwagen Passat von 1952

Anfangs der Fünfzigerjahre entstanden viele neue Autos, von denen manches interessante konstruktive Elemente aufwies. Eines dieser Autos war der KleinwagenPassat”, der im Jahr 1952 in der damaligen Presselandschaft für Furore sorgte.

Ein Wilhelm Fuhrmeister, seines Zeichens “Schriftleiter”, beschrieb den neuen deutschen Kleinwagen wie folgt:

“Der bekannte Krefelder Ingenieur Kurt Faust trat kürzlich mit einem völlig neu konstruierten Kleinwagen an die Öffentlichkeit, der in Fachkreisen besonderes Aufsehen erregte. Das Kernstück der Konstruktion ist ein Schalthebel-, stufen- und kupplungsloses mechanisches Getriebe mit Differentialwirkung, das sich automatisch jeder Steigung mit der einzig richtigen Untersetzung anpaßt.

Diese technisch bekannte, einfache und zuverlässige Konstruktion, die bereits 20 Jahre erprobt ist, wurde von dem Konstrukteur vor drei Jahren erstmals verwendet und für den Betrieb im Kleinstfahrzeug umgearbeitet und automatisiert. Dieses Getriebe ist vollkommen narrensicher, da es nur mit dem Gaspedal und durch die Straßensteigung beeinflußt wird und vor allem das Zurückschalten am Berg stufenlos selbsttätig vornimmt, das Abwürgen des Motors wegen der Fliehkraftkuppelung völlig unmöglich macht und somit zu großer Verkehrssicherheit führt. Der Wagen wird in zwei Ausführungen, mit einem 600 ccm-Viertakt- und einem 250 ccm-Zweitaktmotor, gebaut. Die Karosserie ist bei beiden Typen dieselbe: vorne Stahlblech, ab vorderer Türkante nach hinten nur Leichtmetall.

In dem Wagen mit 1400 mm Sitzbreite sitzen drei Personen nebeneinander; der mittlere Sitz ist 50 cm zurückverlegt und zwischen den Vordersitzen, ist der Platz für die Beine. Der dahinter liegende reichliche Gepäckraum kann auch für Kindersitze verwendet werden. Um die durch die Hecklage des gesamten Antriebsblockes entstandene ungleiche Gewichtsverteilung zu vermeiden, wurde die Hinterradfederung am äußersten Ende des Chassis angelenkt. Sie besteht aus Stahltorsionsfedern und vorne aus Drehgummiblocks, also bewußt aus ungleichartigen Federungselementen. Alle Schwinggelenke des Wagens wurden in Gummiblocks gelagert und sind wartungsfrei.

Eine erstaunlich ruhige Straßenlage wurde durch Ausnutzung der gesamten Wagenlänge als Federungsbasis erreicht. Die Fahrzeuge werden auch in Zwischentypen zu 360 ccm, 400 ccm und 500 ccm gebaut und sollen noch in diesem Jahr in Kleinserie von 50 Stück monatlich gehen, die diesbezüglichen Verhandlungen stehen vor dem Abschluß.”

Kleinwagen Passat von 1952

Die technischen Daten liessen damals aufhorchen, sollte der schnellere der Passats doch 90 km/h erreichen und dabei nur 4,5 bis 5 Liter Benzin pro 100 km verbrauchen. Als Preis war DM 3’600 anvisiert, während die kleinste Ausführung für DM 2’750 verkauft werden sollte. In der Folge wurde offensichtlich der Konstrukteur Kurt Faust mit vielen Anfragen und Bestellungen eingedeckt, so dass man bereits ein Grundstück und Produktionsstätten suchte.

Doch, wie schon oft, ging auch diesem findigen Autobauern das Geld zu früh aus, ausser dem Prototyp soll kein Auto fertiggestellt worden sein. Immerhin feierte der Name in Form eines Volkswagens in den Siebzigerjahre Wiederauferstehung und auch Fahrzeuge mit drei Sitzen in Reihe werden später wieder gebaut.

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