Foto-Safari in Austin/Texas - oder - die Sache mit dem Sonnenaufgang, dem Ford Galaxie 500 und dem Cowgirl

Daniel Reinhard
23.11.2012

Austin - ein erstes Ergebnis - etwas verfremdet

Eine sensationelle Geschichte nimmt seinen Anfang mit einem einfachen iPhone-Foto aus dem fahrenden Mietwagen. Die Sonne sendet ihre ersten Strahlen über die texanische Landschaft. Auf unserem Weg zur F1-Rennstrecke, früh morgens um 7 Uhr, fahren wir auf einer kleinen, typisch texanischen Nebenstrasse namens McKenzie Road. Durch die Windschutzscheibe entsteht ein Situationsfoto vom Sonnenaufgang. Mirkos spätere Bearbeitung am Computer macht das Bild richtig spannend. Wow, geil, da bräuchte man jetzt nur noch einen schönen, alten Mustang und ein echtes texanisches Model, waren unsere ersten Gedanken.

Austin - die Foto-Location

Sonntag nach dem F1-Rennen meint Mirko plötzlich so ganz nebenbei: „Du Dani, die Sache läuft mit dem Shooting, du musst nur noch den Mustang organisieren!“ „Wie meinst du das?“ „Ja das eine Grid-Girl würde mitspielen, so hätten wir schon mal ein Model“. „Aha“, dachte ich, der Mirko will mich vereppeln. Müde abends im Hotel angekommen, trinken wir gemeinsam noch ein Bier. Mirko stupft mich plötzlich an und meint, dass Roccio, das Grid-Girl von Sergio Pérez, per SMS fragen würde, was sie denn zum Shooting anziehen sollte. Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich dem Ganzen noch immer keinen Glauben schenke und antworte, dass sich etwas im Cowboy-Stil am besten eignete, so wie sie es im Grid auch trug - auf jeden Fall richtig echte texanische Stiefel. Ja, das findet Mirko auch gut und beginnt ein SMS zu schreiben. Kurze Zeit später die Antwort, die besagt, dass es so nicht gehe, da Roccio die Grid-Kleider bereits abgeben habe. Langsam begreife ich, dass es den beiden ernst ist. Mir wird auch klar, dass wir nun ein Auto brauchen. Schön wäre ein Mustang - ein weisser Mustang Jahrgang 1964!

Gut wir haben ja noch den ganzen Montag Zeit, ein Auto zu finden, welches dann am Dienstag früh 6:30 Uhr beim Model an besagter “Location” stehen soll. Da wir aber beide zum ersten Mal in Austin sind, kennen wir niemanden, der uns in irgend einer Form weiterhelfen könnte.

Während des Frühstücks geht die Suche im Internet los. Die bringt uns mal keinen Millimeter weiter. So fahren wir kreuz und quer durch Austin. Die Nachfrage bei einigen Gebrauchtwagen-Dealern bringt auch nichts. Dann erhaschen wir auf einem Hinterhof den ersten, jedoch „roten“ Mustang, leider in einem unfahrbaren und absolut lausigen Zustand. Fazit: unbrauchbar.

Dann treffen wir zufällig auf eine Hinterhofgarage mit einem weissen 65er Mustang. Ein Auto genau nach unserer Vorstellung, absolut perfekt. Der Besitzer, gemütlich zurückgelehnt im alten Futon sitzend und gemütlich seinen Lunch aus einem Tupperware-Becher kratzend, zeigt Null Begeisterung. Meint nur, dass er seinen Betrieb unmöglich für zwei Stunden allein lassen könne, auch nicht früh morgens. Er sei von Arbeit so überhäuft und NEIN, das kann er und will er nicht machen. NEIN, er kennt auch keinen weiteren Mustang Besitzer. NEIN, er kann und will uns jetzt nicht helfen.

Weitere Nachforschungen bringen uns zu einem Sammler historischer Autos. Es ist der CEO der Hyundai-Vertretung von Austin, Southpoint. An ihn kommen wir aber persönlich erstmal gar nicht heran. Der Mitarbeiter meint, dass er nur noch selten in der Firma auftauche, dass er ihn aber gerne fragen würde, obwohl er sich zu 99,9% sicher sei, dass er da nicht mitspielen würde. Seine Sammlung sei sehr speziell und exklusiv. Was für Autos es wären, wissen wir auch nicht. Unsere Kontakte werden, wenn auch mit wenig Hoffnung, hinterlegt.

Das Museum von San Marco mit 75 alten Amis ist leider mit 35 Meilen zu weit entfernt. Die Suche geht weiter. Eine planlose Fahrt kreuz und quer durch ein Viertel Einfamilienhäuser führt uns an einen orangefarbenen Mustang Mach l Cabrio mit weissem Dach. Die Farbe passt nicht und der Zustand ist leider auch alles andere als fotogen.

Austin - Ford Galaxie 500 von 1967 - das Fotoobjekt

Wir irren weiter in der Stadt herum und siehe da, wie durch ein Wunder steht plötzlich dieser eisblaue Ford Galaxie 500 mit offener Haube in einem Vorgarten. Dieses Auto wäre perfekt. Wir werden sehr nett von drei Männern, die um das Auto herumstehen, empfangen. Der Besitzer hört sich unser Anliegen an und ist sofort Feuer und Flamme. Ja er mache mit, aber äussert dann doch noch einen Einwand. Er ist nämlich drauf und dran, das Auto an einen der anderen beiden anwesenden Männer zu verkaufen. Falls der Verkauf zustande käme, sei er dann halt eben nicht mehr zuständig, meint er. Die Verkaufsverhandlung der drei gehen weiter und plötzlich ruft uns der „noch“ Besitzer zu: „He will buy the car. You need to talk to him now!“ Ein dickes Bündel Dollar Noten wechselt gerade den Besitzer, und wir beginnen, unsere Idee erneut dem nicht gerade schlanken Neu-Besitzer schmackhaft zu machen. Dieser findet die Idee auf Anhieb auch nicht uninteressant, doch das frühe Aufstehen ringt uns einiges an Überredungskunst ab. Nachdem er das iPhone-Foto der Location genau gemustert hat und ihm klar wird, dass der Sonnenaufgang für das Bild extrem wichtig ist, sagt er zu. So nun ist alles perfekt. Wir haben ein Auto, ein Model und das Wetter sollte ebenfalls mitspielen.

Zurück im Hotel geht ein E-Mail mit dem Foto vom Galaxie an unser Model Roccio mit der Ansage, dass nun alles passt. Die Antwort haut uns aus allen Wolken. Jetzt wo sie die Ernsthaftigkeit der Lage erkennt, bekommt sie kalte Füsse und steigt kurzfristig aus. Da haben wir nun den Salat, hatten wir zuerst ein Model und kein Auto, so sitzen wir nun auf einem Auto, das Model ist uns aber abhanden gekommen.

Ok, man könnte nur das Auto fotografieren, aber das ist nun wirklich nicht der Reiz der Sache, zudem ja der Neubesitzer des Galaxie nicht zuletzt wegen der Frau auf den erwarteten Fotos mitmachen will. Nun können wir ihn nicht enttäuschen.

Kann uns denn nicht das abgesprungene Model weiterhelfen? Ein Facebook Rundschreiben an alle 23 Grid-Girl-Kolleginnen lassen uns am späten Montag-Nachmittag wieder hoffen. Doch zu früh gefreut! Die CotA (Circuit of the Americas) verbietet tatsächlich sämtlichen Grid-Girls eine Teilnahme am Shooting. Uns fehlt nun aber die Zeit mit der CotA zu verhandeln und wir können auch den Sinn der Intervention nicht verstehen. Wieso sollte der GP-Veranstalter zwei Tage nach dem Rennen noch immer über das Privatleben der Mädels bestimmen können?

Trotz des Verbots meldet sich die Sarah mit dem Wunsch, es unbedingt mit uns machen zu wollen, jedoch erst nach acht Uhr, da sie ihre Mutter noch zur Arbeit fahren muss. Doch leider steht die Sonne um acht bereits viel zu hoch und dazu muss der Galaxie-Besitzer um halb acht auch zur Arbeit. Also wieder nichts.

Ein ortsansässiger Fotografen-Kollege namens Taylor entpuppt sich plötzlich als unsere absolut letzte Rettung. Mittlerweile spät abends kann er eine Kollegin namens Emily von der Sache begeistern. Da das Shooting noch vor ihrer Vorlesung an der Uni stattfindet, zeigt sie sich sofort sehr hilfsbereit. Ein nächtliches SMS an den Galaxie-Besitzer bestätigt, dass die Sache jetzt doch laufen könne.

Der letzte Adrenalin-Schub kommt früh morgens mit dem Anruf Taylors, dass er Emily am ausgemachten Treffpunkt nicht finden könne. Unser Anruf holt sie dann wie erwartet aus ihrem Bett.
Dienstag früh 6 Uhr 10 stehen wir in der texanischen Dunkelheit an unserer Location auf der McKenzie Road und warten in der guten Hoffnung, dass der Galaxie und auch die Emily noch vor Sonnenaufgang eintreffen werden …..

Austin - es hat geklappt - jetzt wird fotografiert

Die komplette Fotoproduktion werden wir ihnen im Ford Galaxie 500 Bericht zu einem späteren Zeitpunkt zeigen.

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