Lustvoller Minimalismus
Wie geht es ihnen so, wenn sie mal etwas Ruhe brauchen, die Gedanken fliegen lassen wollen und einfach keine Lust haben, sich mit komplexen Dingen herum zu schlagen? Etwas einfaches sollte es bei mir sein und so habe ich mich neulich wieder einmal um meine kleinsten im Fuhrpark gekümmert. Ja, ich habe eine Schwäche für die französischen Fahrräder mit Hilfsmotor, die Cyclomoteurs – konkret für «la bicyclette qui roule toute seule», die Vélo-Solex.
Vor 30 Jahren bin ich mit einem solchen Mofa nach Paris gefahren. Für die Strecke von Luzern nach Basel, Belfort, Vésoul, Langres weiter nach Troyes und bis Paris habe ich damals 4 Tage gebraucht. Siehe das Beweisfoto oben während der feierlichen Umrundung des Arc de Triomphe im moderaten pariser Ferienverkehr. Ein Anreisetag ging quasi flöten weil es geregnet hat und die Reibrolle des Motors seine 0.6 PS nicht ordentlich auf den Michelin «Y»-Reifen bringen konnte. Das Resultat war: Doppelter Verbrauch bei halber Geschwindigkeit.
Für eine kleine Exkursion weg von der Hauptstrecke, zu einem Meisterwerk des Schweizer Architekten Charles-Edouard Janneret, besser bekannt als Le Corbusier, die Kirche in Ronchamp zwischen Belfort und Lure, musste ich das Solex mit laufendem Motor den Berg hoch schieben. Der Rest der Reise war dann allerdings recht problemlos. Ok, bis auf den Reifenplatzer in Collombey-les-deux-Eglises, da, wo der General De Gaulle seine letzten Tage verbracht hat. Dieser wurde mit Klebeband und einem zweiten Schlauch-im-Schlauch behoben, bis ich in Troyes Ersatz auftreiben konnte. Darauf fährt das Solex bis heute. In Paris wollte niemand glauben, dass ich den Weg hierher mit dem Mofa geschafft hatte, zumindest nicht der Platzwart – das Geld reichte nur gerade für einen freien Platz auf dem Camping im Bois de Boulogne.
Erinnerungen an Colombey-les-deux-Eglises dank einer Reifenpanne – dort rechts am Strassenrand
Nach einigen Tagen in Paris, einer abenteurlichen Fahrt im Tunnelgewirr unter der Défense und mit leicht erholten Hinterbacken, die ordentlich durchgeknetet waren nach 700 Kilometern auf dem selbst für kurze Strecken unsäglichen Sattel, machte ich mich auf den Heimweg. Drei Tage später war ich wieder zurück. Die ganze Fahrt hatte mich etwa vierhundert Francs für Benzin/Öl – selber gemischt – einen Reifen, Essen und Camping gekostet. Das waren rund 100 Schweizerfranken damals. Mit dabei hatte ich ausser Bargeld nur meine Fahrzeugpapiere und Ausweise und eine Michelin-Karte von ganz Frankreich. Gefahren bin ich jedoch haupsächlich in der festen Überzeugung, dass man Paris im Hexagon auf keinen Fall verpassen könne.
Übrigens riecht nach einer Fahrt mit dem (in Deutschland heiss sie DIE) Solex immer das rechte Hosenbein nach Zweitakt-Abgas – weil dort unten, neben dem Vorderrad der Auspuff sitzt – herrliche Erinnerungen.
Das Modell: «Suisse-Paris-Suisse», ein Solex 3300 von 1964 links und ein Solex 2200 von 1962 der PTT Genf, ex Telegrammdienst

































