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Viele Punkte für nichts

Daniel Reinhard
31.08.2021

Spa 1985 - leere Strecke, kein Grand Prix Start im Juni 1985 (© Daniel Reinhard)

Der Grand Prix von Belgien vom 29. August 2021 war so ziemlich das Dümmste, was ich je gesehen habe. Mit meinen 553 F1-Rennen als Fotograf auf dem Buckel habe ich das ganze Chaos stundenlang im warmen Wohnzimmer am TV verfolgt.

Ein Skirennen wird bei solchen Witterungen abgesagt, was absolut korrekt ist und jedermann versteht. Dass unter den in Spa vorherrschenden Bedingungen heute kein Autorennen mehr gefahren werden kann, ist auch irgendwo einleuchtend. Aber ein Rennen mit drei Runden hinter dem Safety-Car zu werten, dies empfinde ich als absolute Eselei.

Die Verantwortlichen wollten unbedingt den Rennstart erzwingen, wenn auch nur hinter dem Safety-Car, denn nach zwei Runden ohne jegliche Überholmöglichkeit kann nach Reglement die halbe Punktzahl verteilt werden und der belgische Veranstalter muss für das "Rennen", besser die kurze Kaffeefahrt, den vollen Betrag bezahlen.

Blicken wir 36 Jahre zurück, als der bisher einzige Grand Prix während des laufenden Wochenendes abgebrochen wurde. Der GP von Belgien 1985 (sic!) wurde am Samstag nach dem dritten Training kurzfristig abgebrochen. Der wegen schlechter Witterung erst kurz vor dem Rennwochenende neu verlegte Asphalt brach bei ungewohnt tropischen Temperaturen in den Ardennen auf. Der "Wunderbelag für Nässe" zerbröselte in der Hitze unter der Belastung der Rennreifen. Was aber damals am 2. Juni 1985 nicht klappte, wurde ganz einfach am 15. September nachgeholt. Diesmal bei Spa-typischem Regenwetter. Die FIA liess damals Milde walten und neben eine Strafe von 10’000 Dollar bekamen die Belgier auch einen neuen Termin. Schon damals hätte man locker drei langsame Safety-Car Runden fahren, eine Siegerehrung veranstalten und halbe Punkte verteilen können. Allerdings gab’s damals noch kein offizielles Safety-Car.

Leider sind heute bei 23 (damals 16), oder lieber noch mehr geplanten Rennen Ersatztermine völlig unmöglich. Die Gier von Liberty Media ist gross und wird immer grösser. Anstelle "weniger ist mehr" werden immer noch mehr Rennen angestrebt, obwohl das Ganze auf den Köpfen der Teammitglieder, die so schon genug zu tun haben, ausgetragen wird.

Der Zuschauer vor Ort war sowieso allen Verantwortlichen, ausgenommen den Fahrern, völlig egal. Die armen Fans reisten früh morgens in einem Mörder-Stau an, konnten infolge der aufgeweichten Wiesen nicht auf ihren bereits bezahlten Parkplätzen parken. Mussten kilometerweit zu Fuss durch den Matsch laufen, verpassten dabei die beiden Rahmenrennen. Endlich angekommen, wurden nicht Klartext gesprochen, nein man hielt sie stundenlang hin mit Entscheidungen in 10, 15, 30 oder auch 5 Minuten. Hätte man offen kommuniziert und mitgeteilt, dass sowieso nur noch zwei Runden hinter dem Safety-Car möglich seien, so hätten die patschnassen und bereits unterkühlten Fans selbst entscheiden können, ob sie bleiben oder nicht. Dass unter diesen Umständen kein Rennen stattfinden konnte, war definitiv schon 15:30 Uhr klar.

Der einzig positive Aspekt im ganzen Chaos waren die geschenkten Punkte für Williams, vor allem für George Russell. Was dieses junge Ausnahmetalent im Qualifying abgeliefert hat, ist nun wirklich jeden einzelnen Punkt wert, er hätte dafür sogar als einziger die volle Punktzahl verdient. Bravo, bravo, bravo und Hut ab George, das war eine absolut geniale Meisterleistung!

P.S. Das Bild zeigt die Rennstrecke vom Spa am Sonntag, den 2. Juni 1985 um 14:00. Hier hätte der Start stattfinden sollen, der aber um drei Monate verschoben wurde …

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Archivierte Einträge:

von za******
06.09.2021 (17:17)
Antworten
Was zum peinlichen Spa-Desaster zu sagen wäre, haben Sie bereits zutreffend geschrieben.
Was man, neben Russels Momentum, diesem Spa-"Grand Prix"(?) -mit großer Ironie ergänzend- noch abgewinnen könnte ist, dass endlich mal wieder a l l e 20 Piloten in e i n e r Runde abgewunken wurde. Zandvoort stellte gestern die Spitze der Enttäuschung dar, da nur 3(!) Piloten (von 18 in Wertung) in einer Runde finishen konnten. Ähnlich verhielt es sich auch in Spielberg #1 und Monte Carlo sowie Barcelona, wo nur noch 4 bzw. jeweils 7 Racer in einer Runde das Zieltuch sahen.
Die F1 ist immer noch die Königsklasse der S p r i n t-Rennserien bzw. will es zumindest sein. Dafür sind derartige Resultate (bis auf Baku, s.u.) aus Zuschauersicht einfach nur ziemlich deprimierend; erinnern diese doch mehr an Endurance-Ergebnisse aus 6-, 12- oder 24-Stunden-Rennen.
Der Vollständigkeit halber, eine kurze Auflistung der bisherigen Saison mit der Anzahl der gewerteten Piloten in einer Runde:
Zandvoort=3, Spa=20, Hungaroring=9, Silverstone=11,Spielberg #2=9, Spielberg #1=4, Le Castellet=11, Baku=16, Monte Carlo=7, Barcelona=7, Portimao=11, Imola=13, Bahrain=11.
von ge******
19.09.2021 (04:18)
Antworten
In meinem motorsport begeistertem Freundeskreis
von ge******
19.09.2021 (04:19)
Antworten
heist es nur noch „Formel langweilig „
Wir sehen uns viel lieber Moto GP an
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