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50 Jahre später - Lotus Elan und Exige im Vergleich

Lucio Pompeo / Bruno von Rotz
28.08.2021

Lotus Elan Sprint DHC und Lotus Exige Cup 430 (© Bruno von Rotz)

Auf den ersten Blick haben die beiden Autos im Bild nichts miteinander gemeinsam, obwohl beide blau sind. Tatsächlich stammen aber der Lotus Elan Sprint und der Lotus Exige Cup 430 vom selben Hersteller.

Lotus Elan Sprint DHC und Lotus Exige Cup 430 (© Bruno von Rotz)

Der “Sprint” war die letzte Ausführung des 1962 erstmals der Öffentlichkeit gezeigten Lotus Elan und wurde bis 1973 gebaut. Gegenüber den früheren Ausführungen hatte die Sprint-Version deutlich mehr Leistung, nämlich 126 PS, die auf rund 700 kg trafen. Wegen seiner kompakten Ausmasse und des geringen Gewichts, aber auch wegen der aufwändigen Einzelradaufhängungen war der Lotus Elan ein Handling-Künstler und in der Lage, manch stärkerem Wagen davonzufahren.

Lotus Elan Sprint DHC und Lotus Exige Cup 430 (© Bruno von Rotz)

Im Jahr 1996 begann Lotus die Elise zu verkaufen, im Jahr 2000 folgte ihr der Exige, eine nachgeschärfte und stärkere Version der Elise. Über drei Serien kam man schliesslich im Jahr 2017 zum 430 Cup, davor gab’s rund zwei Dutzend andere Varianten. Im Cup 430 leistete der aus dem Toyota-Camry stammende Motor dank Edelbrock-Kompressor 430 PS, die rund 1100 kg bewegen durften. Damit lag der Exige 430 Cup bezüglich Leistungsgewicht auf einer Stufe mit dem Ferrari F40 oder dem McLaren 570 S, welche er preislich aber deutlich unterbot. Dank viel leichtgewichtigem Kunststoff und steifem Aluminium-Komposit-Chassis bot der stärkste Exige mehr als nur beeindruckende Fahrleistungen, kombiniert mit einem rennsport-mässigen Handling.

Bekanntlich sind die Tage von Lotus Elise/Exige/Evora gezählt, der Nachfolger namens Emira wurde bereits vorgestellt.

Der Lotus Exige Cup 430 ist einer der letzten produzierten Wagen dieses Typs, genauso wie der “Sprint” der letzte Elan war. Neben dem Elan gab’s anfangs der Siebzigerjahre auch noch den Elan +2S, der viersitzig und komfortabler war, genauso wie es bis 2021 den Evora mit 2+2-Konfiguration und stärkerer Komfortorientierung gab.

Es könnte argumentiert werden, dass der Vorläufer der Elise-Exige-Typen eher der Lotus Europa mit Mittelmotor war, aber dessen Bedeutung war für Lotus deutlich geringer als diejenige des Elan.

Indirekte Nachfolger der Elan-Familie wurden ab 1974 die Modelle Elite und Eclat mit Frontmotor, denen später noch der Esprit zur Seite gestellt wurde.

Der Lotus Elan kostete damals mehr als mancher Sechzylinder, genauso wie die Preise für die schnellsten Exige-Versionen 50 Jahre später manchen Achtzylinder übertrumpften. Aber damals wie heute bewiesen die Lotus-Produkte, dass reine Leistung eben nicht alles ist.

Selbst ein Lotus Exige Cup 430 der Neuzeit ist vergleichsweise klassisch:

Man sitzt in einer Monocoque-«Badewanne» aus Aluminium, ein bisschen an Gruppe-C-Rennwagen der Achtzigerjahre erinnernd

Lotus Exige Cup 430 - Interieur (© Bruno von Rotz)

Das Lenkrad ist rund und weist keinerlei Tasten auf, eine Servounterstützung gibt es nicht

Lotus Exige Cup 430 - Schaltung (© Bruno von Rotz)

Die sechs Gänge wollen manuell eingeschaltet werden, mit einem wunderschönen offenen Hebel-Mechanismus.

Elektrische Rückspiegelverstellung? Getränkehalter? Handschuhfach? Assistenzsysteme? Launch Control? Navigation? Digitalcockpit? Verstellbares Lenkrad? Elektrisch verschiebbare Sitze? Touch screens? Fehlanzeige! Im Exige gibt es nur das, was zum Fahren wirklich benötigt wird, die Instrumente sind analog gehalten und weisen richtige Zeiger auf, der Zündschlüssel ist noch ein Schlüssel und die Handbremse wirkt mechanisch auf die Hinterräder.

Etwas Komfort allerdings gibt es schon, so zum Beispiel eine Klimaanlage (auf die man bei der Bestellung aber verzichten konnte) oder elektrische Fensterheber.

Man sitzt übrigens trotz der leichten Sitze gut im Exige und auch das Ein- und Aussteigen gelingt selbst mit 60 Jahren noch ganz passabel.

Ganz “low tech” ist der Exige übrigens nicht, denn immerhin gibt es einige fahrdynamische Helfer (ABS, ESP, Traktionskontrolle), eine leichte Lithium-Batterie, eine Abgasanlage aus Titanium und superweiche Michelin Cup 2 Reifen.

Im Vergleich zu seinen Mitbewerbern ist der Exige ein kompaktes Auto, nur gerade 1,802 Meter breit und 4,084 Meter lang. Seine 17- und 18-Zoll-Räder vorne und hinten wirken im Vergleich zu den 20-/21-Zöllern, mit denen die Konkurrenz vorfährt, richtig schmächtig. Für die Fahrphysik sind sie allerdings perfekt und das Fahrerlebnis ist geprägt von  intensiven, analogen Rückmeldungen und im Vergleich zu manchem neuzeitlichen Sportwagen anderer Hersteller wirkt der Exige herrlich physisch an.

Lotus Exige Cup 430 - Motor (© Bruno von Rotz)

Da passt auch die Geräuschkulisse des extrem am Gas hängenden V6-Motors dazu, welche je nach Klappenstellung der Auspuffanlage wie reiner Motorsport tönt.

Und der 50 Jahre ältere Lotus Elan Sprint? Er ist noch deutlich kompakter, misst gerade einmal 3,683 Meter in der Länge, 1,422 Meter in der Breite und 1,156 Meter in der Höhe. Trotzdem haben zwei normalgewachsene Personen Platz und etwas Gepäck dürfen sie auch noch mitnehmen.

Lotus Elan Sprint DHC - Motor (© Bruno von Rotz)

Der Motor liegt, für die Gewichtsverteilung günstig, teilweise hinter der Vorderachse. Beim Sprint atmet der Vierzylinder durch zwei mächtige Vergaser, die je nach Typ von Dell’Orto oder Weber stammten.

Scheibenbremsen rundum waren von Anfang an gegeben, eine Servolenkung gab es nie und wurde auch nicht benötigt. Nur wenige Autos vermitteln soviel Präzision beim Drehen des Lenkrads.

Lotus Elan Sprint DHC - Cockpit (© Bruno von Rotz)

Dafür wurden die Elan ab Serie 3 mit elektrischen Fensterhebern ausgerüstet und die Instrumentensammlung war immer vollständig und ästhetisch. Die Ergonomie stimmt trotz der kompaktem Dimensionen des Autos.

Lotus Elan Sprint DHC - Schaltung (© Bruno von Rotz)

Eine wahre Freude ist auch das Getriebe, man fühlt beim Wechseln direkt, wie sich die Zahnräder der Viergangschaltung bewegen.

Ein Lotus Elan Sprint beschleunigte in rund sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h, der moderne Exige schafft dies natürlich in der halben Zeit. Auch in der Spitzengeschwindigkeit hat der Elan mit nicht ganz 200 km/h deutlich das Nachsehen gegenüber heutigen Sportwagen, aber das dürfte die wenigsten Besitzer heute stören.

Beim Verbrauch dürften sich die beiden Lotus je nach Fahrweise wenig geben, hier ist der Fortschritt natürlich deutlich spürbar.

Am Ende des Tages haben die beiden Lotus Sportwagen mehr gemeinsam, als man meinen möchte.

Lotus Elan Sprint DHC - Markenzeichen (© Bruno von Rotz)

Das Firmenlogo wurde über das halbe Jahrhundert nur vorsichtig angepasst.

Lotus Exige Cup 430 - Markenzeichen (© Bruno von Rotz)

Und den breit gefassten Schriftzug am Heck, …

Lotus Elan Sprint DHC - Schriftzug am Heck (© Bruno von Rotz)

… den gibt es sowohl am Elan als auch am Exige.

Lotus Exige Cup 430 - Schriftzug am Heck (© Bruno von Rotz)

Lotus Elan oder Exige, ein Platz im Klassikerhimmel gebührt beiden, der Elan hat ihn sich schon lange erarbeitet, der Exige wächst sicherlich schnell in diese Rolle hinein (Stichwort Klassikerperle der Zukunft).

P.S. Wer übrigens nicht glaubt, dass der Lotus Exige Cup 430 ein vergleichsweise kompaktes Auto ist, wird vielleicht von diesem Foto überzeugt werden?

Lotus Exige im Vergleich zu BMW SUV (© Lucio Pompeo)

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