BMW gegen Mercedes-Benz - 1982 wurden die Karten neu gemischt

Bruno von Rotz
09.11.2018

Mercedes-Benz 190/190E gegen BMW Dreier

Es war ein denkwürdiges Jahr, 1982, vor allem für die beiden deutschen Autohersteller BMW und Mercedes-Benz . Denn fast zeitgleich hatten die Münchner ihre komplett erneuerte Dreier-Reihe (E30) und Mercedes-Benz ihren Einstieg in dieselbe Klasse mit dem W201 (190/190E) präsentiert. Und so ergab es sich, dass auch beide Autos dasselbe Titelblatt von Auto Motor und Sport zierten. Für beide war es nicht der erste Auftritt im Rampenlicht, denn über den Mercedes-Benz hatte man schon fast jahrelang gemunkelt, während der BMW einfach der natürliche Nachfolger der beliebten ersten Dreierreihe E21 war.

Erstmals also kämpften BMW und Mercedes-Benz mit drei Baureihen auf Augenhöhe, 190/190E gegen 316 bis 323i, 200 bis 280 E (W123) gegen 520 bis 528i (E28) und 280 S bis 500 SEL (W123) gegen 728i bis 745i (E23).

Mercedes-Benz attackierte BMW also am unteren Ende, dort, wo die wichtigste Baureihe für Mengen und Profite sorgte, dort. Nicht dass Mercedes vorher etwa nur zwei Produktelinie gehabt hätte, schliesslich gab es noch das G-Modell, und auch Unimog sowie leichte und schwere Nutzfahrzeuge trugen den Stern auf dem Kühlergrill. Für BMW aber ging’s ums Eingemachte, denn ausser dem zur Siebnerreihe verwandten Sechsercoupé gab die Palette nicht viel mehr her.

Heute kann man darüber nur milde lächeln, denn inzwischen füllen beide Hersteller jede auch nur denkbare Nische, die Kaufwünsche von Kunden andeuten können. Die Welt bei Mercedes-Benz und BMW ist deutlich unübersichtlicher geworden, die Angebote beider Fahrzeughersteller decken praktisch jedes private Transportbedürfnis ab.

Zurück in den Dezember 1982. Götz Leyrer stellte damals den Baby-Benz 190/190E auf acht Seiten vor. “Ganz nach der Art des Hauses” sei er geraten, schrieb er. Herausgehoben wurde das aufwändige Fahrwerk, bemängelt die doch etwas knappe Motorenpalette. Und eine Hoffnung wurde den potentiellen Käufern gleich genommen: “Es gilt als sicher, daß man demnächst für etwa das gleiche Geld zwischen einem kleineren und größeren Mercedes wählen kann”.

Gleich im Anschluss an die 190/190E-Vorstellung fasste dann Gert Hack die Ergebnisse erster Probefahrten mit dem BMW Dreier zusammen. Jener war von Anfang an mit Vier- und Sechszylindermotoren erhältlich, vor allem der neue 323i reizte natürlich die Sportfahrer. Dafür waren vier Türen erst für Herbst 1983 angekündigt. Auch beim BMW waren die Preise ein Thema: “Die Autos werden besser, aber auch teurer. Warum sollte BMW da eine Ausnahme machen?”, resümierte Hack am Ende des positiv abgefassten Berichts.

Das Rennen um die Käufergunst war damit lanciert und wir wissen heute, dass sowohl der W201 (bis 1993 wurden über 1,8 Millionen gebaut) als auch der E30 (bis 1994 entstanden 2,34 Millionen Fahrzeuge). Mit der 1982 vorgestellten Variantenpalette wäre dies allerdings kaum gelungen, aber Zugänge wie der Sechszylinder und die Vierventilventilvarianten bei Mercedes oder Touring- und Cabrio, aber auch die M3-Versionen bei BMW sorgten für ein langes Leben der 1982 vorgestellten Konstruktionen. Und auch im Rennsport waren beide Autos erfolgreich.

Wie alles anfing kann man wunderbar beim ersten gemeinsamen Auftreten der beiden Fahrzeuge in der Auto-Motor-und-Sport Nummer 24 von 1982 (im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv) nachlesen.

Titelblatt AMS 24/1982

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