Der letzte schöne Rennwagen und wie sie immer hässlicher werden …
Der letzte wirklich schöne F1 ist bereits 27 Jahre alt.
Das erste F1-Rennauto von Eddie Jordan, der EJR191 von 1991 gehört zu den schönsten Einsitzern überhaupt und war der wohl letzte harmonische Monoposto, bevor die Nase in die Höhe ging und all die hunderttausend Flips und Flaps ans Auto kamen.
Das Design-Trio Gary Anderson, Mark Smith und Andy Green hatte ein Auto gebaut, an dem es nichts auszusetzen gab. Der geschwungene Frontflügel wurde perfekt in die Nase integriert. Bei dem Auto stimmten sämtliche Proportionen, wie Länge, Breite, Cockpitposition, Höhe der Airbox und zum Schluss auch der dreiteilige Heckflügel. Es gab am ganzen Auto keine Kanten, nur Rundungen. Und zum Schluss wurde die attraktive Form auch noch von einer sehr attraktiven Lackierung unterstrichen. Dass dieses Auto auch noch richtig schnell war und einem gewissen Michael Schumacher eine grossartige Karriere bescherte, ist eigentlich nur noch eine Nebensache.
Die aktuellen viel zu langen F1-Autos sind aus meiner Sicht dagegen das Hässlichste, was je auf den Rennstrecken der Welt herumgekurvt ist. Ging man vor einem Jahr mit der Reifenverbreiterung einen Schritt zurück in die richtige Richtung, so wirken sie nun leider optisch mit dem immer länger werdenden Radstand kaum mehr breiter. Sie gleichen mit ihren Lamellen, Schlitzen und all den aerodynamischen Luftführungen immer mehr einem Scherenschnitt. Die schönen, breit, schnell und aggressiv wirkenden Grundformen gehören der Vergangenheit an. Die gezielten Luftführungen rund um den heutigen Rennwagen vernichten deren eigentliche Form. Optisch wirken sie wie ein Schnittmusterplan unter der Klobrille (Halo). Vergleicht man die aktuellen Autos mit einem klassischen Rennwagen so sind sie heute sicher viel schneller, aber bei weitem nicht attraktiver. Zudem wurden sie seit dem omnipräsenten Einsatz des Windkanals zu einem Einheitsbrei.
Nur dank ihrer Lackierung können sie überhaupt noch voneinander unterschieden werden, doch auch die hat an Kreativität viel verloren. Waren die Autos von John Player Special, Marlboro, Gulf, Benetton oder Martini einst legendär, so hat man heute immer wieder den Eindruck eines rollenden Ersatzteillagers. Die Farbe unterstützt nicht mehr die Form des Autos, sondern wirkt wie das Malheft eines Kindergärtners. Hier etwas Rot, da etwas Blau, dazu völlig willkürlich hier ein Kleber und dort noch einen, aber leider weit weg von Harmonie zwischen Form und Farbe.
Seit die Aerodynamik den mechanischen Grip eines Autos überwiegt, wurden die Lenkradartisten immer mehr in den Hintergrund gedrängt.
Die neuen DTM-Autos werden 2018 endlich einen, wenn auch nur kleinen, Schritt zurückgehen und mit weniger aerodynamischen Hilfen am Start stehen. Bruno Spengler: „Je weniger Abtrieb ein Rennwagen hat, desto anspruchsvoller ist es, ihn am Limit zu bewegen.“ Das ist der richtige Weg und wird den Fahrer wieder stärker zum Zug kommen lassen.
McLaren kehrt zur traditionellen Kriegsbemalung zurück, wenn auch nur infolge grosser Sponsorsorgen. Leider aber fehlt auch hier wieder die letzte Konsequenz, denn sonst wären die Namen der heute unter der Klobrille versteckten Fahrer mit dem alt bekannten, gross geschwungenen Schriftzug auf der Cockpitseite zu lesen. Überhaupt werden die Fahrer hinter all der Technik komplett ins Abseits gedrängt.
Der Hässlichste von allen aber ist mit Abstand der noch "Force-India" genannte Renner von Sergio Perez und Esteban Ocon. Allein schon mit der Farbgebung hat man den Vogel komplett abgeschossen, was jetzt aber nichts mit der Farbe rosa zum tun hat sondern mit der Aufteilung. Aus dem rosa Auto mit blauer Schrift und vielleicht noch blauen Wassertropfen könnte man ein geniales Design entwerfen, aber was hier passiert ist, kann nicht mal mehr als Fehler abgestempelt werden.
Zum Schluss noch ein paar aufgeschnappte Sprüche von F1 Leuten zur aktuellen Situation:
- Sebastian Vettel: "Unter dem Halo fühlst du dich wie in einem Tourenwagen."
- Toto Wolf: "Den Halo müsste man sofort mit der Kettensäge wieder entfernen."
- Lewis Hamilton: "Wenn Federer sich fit fühlt weiss er genau, dass er keinen seiner Gegner fürchten muss, genau so ist es bei mir, deshalb wünsche ich mir nichts mehr, als dass meine Gegner die Möglichkeit haben mit gleichwertigem Material gegen mich zu fahren."

























