Retro Classics Stuttgart - ganz schön exotisch!
Der Retro Classics Stuttgart 2018, die gestern ihre Tore für das Publikum öffnete, wirft man ja ab und zu vor, sie sei vor allem eine Verkaufsausstellung für die lokal hergestellten Porsche- und Mercedes-Fahrzeuge. Messe-Organisator Karl U. Herrmann meinte dazu, dass sei ihm in den ersten 10 Jahren der Retro Classics peinlich gewesen. Aber seit acht Jahren sei er darauf stolz, denn schliesslich seien Porsche- und Mercedes-Benz-Automobile ja die werthaltigsten Fahrzeuge überhaupt und beliebt noch dazu, stehen sie doch auf den H-Kennzeichen-Zulassunsgranglisten immer ganz oben auf der Liste.
Doch die Vielfalt ist auch in Stuttgart vorhanden, exotische, seltene und besondere Wagen (und übrigens auch Motorräder) gibt es auch an der Retro Classics in grosser Zahl zu bewundern. Der Mini Moke (oben abgebildet) ist hier ein gutes Beispiel dafür, herrlich in Szene gesetzt von einem Museum.
Der Woodill Wildfire ist der erste Nachkriegssportwagen der USA, der mit einer Kunststoffkarrosserie ausgestattet war. Er erschien 1952, also noch zwei Jahre vor der Corvette. Neun Exemplare entstanden als Komplettfahrzeuge “im Werk”, weitere 285 als Kitcars. Dass eines dieser Autos in Stuttgart bei einem Händler (Preis auf Anfrage) stand, kann also als kleines Wunder gedeutet werden.
Bleiben wir beim Kunststoff. Die Firma Wacker baute in den Fünfzigerjahren GFK-Karosserien, die man auf Ford-Fahrgestelle setzten konnte. Einer dieser verwandelten Ford steht als Brütsch 1200 von 1954 auf einem Club-Stand.
Ebenfalls aus Kunststoff besteht die skurrile Karosserie des Colani-Sportwagens, den man vor einem halben Jahrhundert mithilfe eines Käfer-Chassis bauen konnte.
Dass auch Mercedes-Classic Partner einmal fremd gehen dürfen, zeigt der Bayol 356, ein Formelfahrzeug mit Formel-V-Anleihen und Porsche-356-Motor.
Ebenfalls bei einem Händler stand ein Alfa Romeo TZ2. Die Marke gehört zwar nicht zu den Exoten, der millionenschwere Typ TZ2 mit Kunststoffkarosserie aber schon, wurden doch nur ganz wenige Exemplare gebaut.
Ur-britisch ist dafür der Rover 6 HP von 1905, von dem nur noch sechs Exemplare weltweit vorhanden sein soll, was ihn schon ziemlich exotisch macht.
Ebenfalls von der Insel stammt der Morris Marina, ein Auto, das zwar für die Massen gebaut wurde, das aber heute, zumal als Coupé, seltener sein dürfte als mancher Ferrari.
Wer durch die riesige Messe mit 140’000 Quadratmetern schlendert muss einfach die Augen offen halten, denn zwischen den zugegebenermassen breit vertretenen Klassikern (und Neo-Klassikern) der Marken Porsche und Mercedes findet er viele Besonderheiten und Raritäten von Abarth bis Zil, die man halt eben in dieser Menge und Breite nur auf grossen Messen finden kann.

























