Lenken Sie noch oder werden Sie bereits gelenkt?

Bruno von Rotz
23.03.2016

Mercedes-Benz 220 SE Cabriolet (© Daniel Reinhard)

Wir sind immer wieder mit Autos aus der Vorkriegszeit unterwegs und haben dann auch das Vergnügen mit erheblichem Muskelaufwand in grosse (und nahe am Körper stehende) Lenkrad zu greifen. Die Entwicklung, die gerade die Lenkung und das Steuerrad durchgemacht haben, ist beeindruckend.

Federspeichen-Lenkrad des Singer Le Mans Sechszylinders

Noch niemand wagt so recht an autonom fahrende Autos zu denken, aber bereits der moderne Mittelklassewagen parkt heute selbständig ohne Lenkeingriff ein, hält den Wagen durch Lenkkorrekturen in der Spur oder ist gar in der Lage, im Stau dem Vordermann nachzufahren.

Das Lenkrad ist klein und hat einen dicken Kranz, Kraft ist kaum mehr nötig, denn eine Servolenkung ist heute omnipräsent. Selbst die früher übliche hydraulische Unterstützung wurde bereits wieder von elektrisch arbeitenden Systemen ersetzt.

Dabei hatte man vor 40 oder 50 Jahren schon Bedenken, auch nur schon eine leichte Servounterstützung zu bestellen, weil einem damit wenig Gefühl für die Strasse übermittelt wurde. Vor 20 oder 30 Jahren gab man diese Vorbehalte auf, selbst Sportwagen, der Porsche 964 hatte sie auch, wurden nun gerne mit der Lenkhilfe geordert. Und als vor einigen Jahren die elektrische Lenkunterstützung kam, trauerten die Autotester der klassischen Servolenkung nach, beklagten das geringere Lenkgefühl. Und in der Zukunft, wenn dann die Lenkarbeit vom Computer übernommen sein wird, werden wir uns an die schönen Zeiten erinnern, also wir noch selber am runden (oder halbrunden) Steuerrad drehen durften.

Das Lenkgefühl gibt einen Einblick in die Seele eines Autos, finden wir und freuen uns schon über das nächste Fahrzeug mit direkt durchgehender Lenksäule bis zur Spurstangen-Mechanik.

Archivierte Einträge:

von me******
23.03.2016 (19:25)
Antworten
Ich befürchte Sie denken das nicht ganz zuende, Herr Fritschi! Wenn alle Autos vernetzt sind und Unfälle so verhindern, was wird dann die Versicherung für meinen Alfa 75 kosten, der zum Glück noch auf mich unvollkommenen Menschen angewiesen sein wird? In 5 Jahren wird man nach einem Unfall alle Daten des Wagens in den letzten 10s vor dem Unfall vom Server des Herstellers runterladen können. Darf ich dann mit meiner Vergaser-Giulietta überhaupt noch am Strassenverkehr teilnehmen?
Es ist gut möglich, dass wir in 15 Jahren als letzte Autofahrer alle einen Hänger an unseren autonomen Gondeln haben, um unsere Oldtimer damit nach Zentralfrankreich oder in die Abruzzen in die "Freifahr-Reservate zu bringen....
von st******
23.03.2016 (09:39)
Antworten
Ich hatte die Möglichkeit, einen autonom fahrenden Volvo V60 auszuprobieren. Und zwar nicht auf einem Testgelände, sondern im Alltagsverkehr in Göteborg. Ich habe dadurch alle Vorurteile, die ich bisher hatte, fallengelassen. Im Stop-and-Go zur Rushhour macht Autofahren keinen Spass, Parkplatz- oder Parkhaussuchen auch nicht. Ich gebe das in Zukunft gerne an die Elektronik ab.

Ausserdem werden sich in Zukunft vernetzte Autos gegenseitig erkennen und Unfälle schon zum voraus ausschliessen. Der Computer wird extrem viel zuverlässiger sein als der Mensch.

Das autonome Fahren ist nicht für Passstrassen gedacht, und man kann es immer ausschalten -- so wie die heutigen Spurhalte-, Spurwechsel- und Was-auch-immer-Assistenten auch.

Stefan Fritschi
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