Patina oder nicht tolerierbare Abnützung?

Bruno von Rotz
21.03.2016

Renault 4 GTL von 1981

Einer der Publikumslieblinge auf dem gestern zu Ende gegangenen OTM Fribourg war der Georges-Irat NDU von 1937. Es handelt sich dabei um ein hübsches Vorkriegsauto mit Frontantrieb in sehr originalem Zustand. Natürlich wurde er in seinem fast 80-jährigen Leben einige Male repariert und auch überlackiert, doch die Spuren der beiden früheren Lackschichten sind noch überall erkennbar und der Wagen trägt jetzt jede Menge Patina. Oder wurde er einfach schlecht gewartet?

Georges Irat von 1937

Wir haben neulich einen fast 35-jährigen Renault R4 portraitiert (Bild oben), der die Spuren eines reichhaltigen Lebens zeigt. Die Sitze waren mit Klebband repariert, die Karosserie zeigt diverse Spuren von Reparaturen, es sind mehrere Farbtöne auf wenigen Quadratmetern vorhanden. Ist dies nun Patina oder einfach Vernachlässigung? Authentischer jedenfalls kann ein R4 nicht sein, denn so waren sie schon damals, als sie noch "richtig gebraucht" wurden.

Der Trend geht eindeutig in Richtung Originalität. “Kampfspuren” werden an Concours-Veranstaltungen nicht einfach mehr als Minuspunkte gesehen, es gibt sogar Sonderpreise für besonders original belassene Fahrzeuge und eigene Klassen (Stichwort Preservation Class). Originalität gibt es nur einmal, sobald die Lackschichten des Georges-Irat abgeschliffen sind und das originale Leder der Sitze ersetzt wurde, hat der Wagen etwas von seiner originalen Substanz verloren. Genauso ist es beim Renault 4. Sobald die Sitzbezüge ersetzt sind, wird der Wagen zwar “besser” aber nicht “originaler” aussehen. Und was einem Besitzer heute vielleicht besser gefällt, wird man in 5 oder 10 Jahren vielleicht traurig kritisieren.

Einen Einfluss auf die Diskussion haben allerdings auch die Zulassungsbehörden, die, wie man hört, immer wieder auf “Neuwagenzustand” oder “geringe Abnützungsspuren” pochen, wenn es um die Erteilung einer Veteranen- oder H-Zulassung geht.

Sitze eines Riley Roadsters

Die Sitze des Rileys, die hier abgebildet sind, jedenfalls fanden vor den strengen Augen keine Gnade. Und auch bei der Lackierung wird oft pingelig bewertet. So muss mancher Originallack einer Neulackierung weichen, nur um den begehrten “Stempel” zu kriegen. Schade!

Archivierte Einträge:

von pa******
01.04.2016 (18:23)
Antworten
Die Willkür der StVA's ist kaum zu toppen.
Die neueste Ausrede zu Verweigerung des Stempels bei einem wirklich schönen 356er in StVA Schwyz: Der ist ein Import ! Das geht nicht....
Es wird langsam Zeit dass verbindliche Regelungen kommen, diese "Experten" sind zum grössten Teil vollkommen Unfähig und Tageslaune bestimmt das Resultat !
Und deren Löhne zahlen wir...
von Landyschruuber
01.04.2016 (15:10)
Antworten
Hier sollte der Zustand mit einem FIVA-Pass dokumentiert werden.
Im Anschluss müssen die Behörden dann lediglich die Licht-Brems-Werte prüfen und den Stempel erteilen. Sich über "originalität" auslassen können sich nur Spezialisten der jeweiligen Fahrzeugmarke!
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