Die vergessene Replica ist (wäre) heute ein Oldtimer

Bruno von Rotz
28.01.2015

Molsheim II Bugatti 1975

Vor einigen Monaten haben wir über den Excalibur 35X berichtet, der in den Sechzigerjahren eine mit Opel-Mechanik betriebene Neuinterpreation des Bugatti 35 war. Die Fahrzeuge des Ettore Bugatti inspirierten eine ganze Reihe von Herstellern zu Nachahmungsprodukten. Dabei lagen (und liegen) einige näher am Original wie die PurSang-Versionen (eine wird in einer guten Woche in Paris versteigert), andere weiter weg, wie die meist mit VW-Heckmotor befeuerten Versionen.

In den Siebzigerjahren entstand eine Replica, die optisch durchaus gut gelungen war und nur bezüglich Technik Abstriche machte, sie nannte sich Molsheim II Bugatti.

Die amerikanische Zeitschrift Road & Track erhielt die Gelegenheit zum Proberiitt und versäumte es nicht, den Nachbau mit dem Original zu vergleichen.

Molsheim II vorne und Bugatti 35 (Original) hinten

Hergestellt wurde der Molsheim II Bugatti von der Molsheim Motor Cars in Pasadena (Kalifornien). Der Molsheim II glich dem Original auch deshalb, weil viele der verwendeten Teile eigentlich als Ersatzteile für originale Bugatti 35 hergestellt wurden. Darunter fielen zum Beispiel die Räder, aber auch andere Anbauteile. Was aber die RT-Schreiberlinge viel mehr überraschte, war, dass sich der Molsheim II auch fuhr wie ein Bugatti 35. Mit USD 17’500 war der Wagen allerdings nicht gerade günstig, denn für dieses Geld hätte man damals auch einen gut erhaltenen 300 SL Gullwing gebraucht kaufen können.

Immerhin konnte der Kunde beim Molsheim II aber sowohl Motor als auch Getriebe (fast) frei wählen und auch bei der Aufhängungskonstruktion war er weitgehend frei.

Bugatti 35 mit Achtzylinder vorne, Molsheim II Bugatti mit Vierzylinder-Ford-Motor hinten

In der gefahrenen Ausführung war ein Ford-Motor mit vier Zylindern und Turbolader verbaut, der immerhin 185 PS lieferte. Allerdings wog die Replica mit rund 580 kg auch mehr als das Bugatti-Original. Für die Viertelmeile notierte der RT-Testfahrer 15.9 Sekunden und auch die Bremsen überzeugten offensichtlich. Geschaltet werden konnte die installierte Automatik übrigens durch den aussenliegenden Ganghebel wie beim Original.

Die Frage ist eigentlich nur, was aus den wenigen Molsheim II wurde. Heute jedenfalls wäre der Nachbau selber wieder zum Oldtimer gereift. Vielleicht kennt einer der Zwischengas-Leser ja den Aufenthaltsort eines der verbliebenen Exemplare? Oder wurden gar alle wegen der an Originalen verwendbaren Teile ausgeweidet?

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