Aus dem Leben eines Mechanikergesellen - wenn die Vorderachse am 190 SL schüttelt
Schnelle Sportwagen setzen, wenn sie in die Werkstatt kommen, meist ganz besondere Erfahrungen voraus. Der Mercedes-Benz 190 SL, der in unserer Werkstatt aufkreuzte, bestätigte das wieder einmal. Nach Angabe des Fahrers — wir konnten uns später zur Genüge von der Richtigkeit seiner Behauptung überzeugen — fing das Fahrzeug ab etwa 120 km an zu schütteln.
Das ist eine einfache Sache, dachte sich der Reparatur-Annehmer: „W/r lassen die Räder auswuchten, und die Sache hat sich.”
Aber damit war es diesmal nicht getan. Man ging daran, den Wagen optisch zu vermessen, stellte aber dabei keine wesentlichen Abweichungen fest. Somit wurde der Nachlauf der Vorderachse durch Herabsetzung des Hinterachssturzes vergrößert. Alle Lenkungsteile, einschließlich Lenkungsstoßdämpfer, wurden geprüft und die Radlager nachgestellt. Aber auch dadurch ließ sich der „Spritzige" nicht ansprechen. Jetzt ging es den vorderen Stoßdämpfern zu Leibe. Der Prüfungstest auf der Maschine ergab einwandfreie Werte, jedoch wurden, wie an der Hinterachse bereits vorhanden, Bilstein-Dämpfer eingesetzt. Ferner wechselten wir die Lagerungsgummis des Fahrschemels und der Schubstreben aus. Jedoch auch dieses Bemühen blieb ohne Erfolg.
Nun versuchten wir es mit vier Rädern eines Neuwagens, was aber auch keine Besserung brachte. So tippte man auf Unwucht in der Gelenkwelle, und rasch war eine neue eingebaut. Eine weitere Probefahrt, die uns allmählich auf die Nerven ging, konnte gestartet werden. Zu unserer großen Enttäuschung blieb aber alles beim alten.
Was sollte man in solcher Situation anfangen. Der Meister, der inzwischen von diesem Fall unterrichtet war, ordnete an, nachdem er sich telefonisch mit den zu ständigen Stellen des Werkes in Verbindung gesetzt hatte, einmal einen Versuch mit Reifen eines ganz bestimmten Fabrikates zu machen. Auf dem schnellsten Wege wurden diese besorgt und montiert. Wir konnten es kaum fassen, aber damit war den Launen des „Fegers" ein Ende bereitet!
Dieser Text stammt aus der Ausgabe 14 des Jahrgangs 1959 der Zeitschrift “Krafthand”.


























