Segen und Fluch der Mikroelektronik
Mitte der Achtzigerjahre, also vor rund 30 Jahren, war die Mikroelektronik in aller Munde. Sie erlaubte es, viele spezialisierte Bausteine in einfachen Baugruppen zusammenzulegen und die Steuerung zu programmieren statt zu verlöten. Der Autozubehörhersteller Bosch war vorne an der Entwicklung mit dabei und setzte verstärkt auf rechnergestützte Entwurfstechnik und schematisierte Entwurfsmethoden, wie die Automobil Revue in der Ausgabe 51/1985 berichtete.
Die Fortschritte waren auch eindrücklich:
1973 hatte das Steuergerät für ein Antiblockiersystem (ABS) noch 1000 Bauelemente enthalten und war 1,2 kg schwer gewesen. 1978 kam man mit 137 Komponenten aus, die 0,8 kg wogen, 1983 waren es noch 60 Bausteine und 0,7 kg. Und für die Zukunft sagte man 1985 30 Bauelemente und 0,2 kg voraus. Statt vieler Kondensatoren, einzelnen Transistoren, Widerständen und anderen Bauelementen setzte man immer stärker integrierte und programmierbare Schaltungen ein.
Die Fortschritte wurden gerne kommuniziert und an Autosalons so anschaulich wie möglich erklärt, zum Beispiel an Autosalons und anderen Ausstellungen, wie das Bild oben zeigt.
Nachteile sah man damals noch keine. Über die Haltbarkeit dachte kaum jemand nach. Es hat sich gezeigt, dass selbst die Lagerung von Ersatzteilen nicht problemlos ist, wenn sie nicht mindestens alle vier Jahren kurz betrieben und ansonsten unter Stickstoff gelagert würden. Der Quellcode, der für Nachproduktionen benötigt würde, ist in vielen Fällen nicht mehr vorhanden (weil z.B. der Zulieferer von damals schon lange nicht mehr existiert) oder eine Veröffentlichung wird von den Herstellern mit Verweis auf Haftungsrisiken verweigert.
Immerhin gibt es Initiativen z.B. beim VDA, die sich mit diesem Problem beschäftigen ...
































