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Der Wunsch nach etwas mehr Einfachheit

Daniel Reinhard
01.01.2014

Armaturenbrett Kaiser Deluxe 1951

Manchmal fragt man sich nun wirklich ob wir dies alles brauchen, was uns bei Neuwagen so angeboten wird. Ist es denn nicht ausreichend, wenn ein Fahrersitz mechanisch in zwei Ebenen bewegt werden kann. Brauchen wir tatsächlich 56 Stellmotoren, um die Sitzgarnitur plus Lenkrad in die gewünschte Position zu kriegen. Dazu kommen natürlich noch 6 Belüftungsmotoren und 14 pneumatische Massagezellen pro Sitz. Insgesamt verspricht die aktuelle S-Klasse von Mercedes 100 Elektromotoren für mehr Komfort. Den Elektromotoren-Hersteller freuts natürlich, aber ist das nun wirklich nötig, selbst in der S-Klasse?

Stellmotoren und weites im S-Klassen-Prospekt

Ich besitze 2 Autos mit keinerlei Sitzverstellmöglichkeit, was natürlich dann schon wieder das andere Extrem bedeutet. Selbst Luxusautomobile von einst waren relativ einfach zu bedienen und wogen auch keine 1,5 Tonnen trotz ausladenden Dimensionen wie der Kaiser Deluxe von 1951, dessen Armaturenbrett oben abgebildet ist.

Mit den vielen Elektromotoren ist es aber noch nicht genug, die luxusbedingte Aufrüstung im Fahrzeug geht praktisch querbeet durch das ganze Auto durch. So begnügt man sich heute nicht mehr mit tollem Xenon-Licht, nein 56 LEDs pro Frontscheinwerfer, 35 pro Rück- und als Zugabe noch 4 für die Nebelschlussleuchte werden verbaut. Der Innenraum braucht weitere 300, was dann plus/minus einer Gesamtzahl von 500 LEDs pro Fahrzeug entspricht.

Leistungscharakteristiken der S-Klasse

Meine Autos begnügen sich mit Voll- und Abblendlicht, von Nebelleuchten ganz zu schweigen und im Interieur bin ich schon glücklich wenn ich den Drehzahlmesser erkennen kann.
Schon bei den Xenon-Leuchten kostet ein normaler Austausch einige Hundert Euro/Franken. Zum Teil muss gar die Front demontiert werden, um überhaupt in die Nähe der Leuchte zu kommen, was dann sofort Kosten weiteren Hundert Euro/Franken verursachen kann. Ich kann bei meinen Autos eigenhändig die kaputte Birne entfernen und eine neue einsetzen. Kosten und Aufwand: eine neue Birne für ein paar Fränkli/Euro plus 10 Minuten Arbeit und zwei schmutzige Hände!

Ja, es ist mir bewusst, dass auch für das Starten eines Fernsehgerätes heute zwei bis drei Fernbedienungen für Monitor, Settop-Box und Soundsystem nötig sind. Und natürlich kann heute auch jede Fotokamera filmen, das Mobiltelefon fotografieren oder Musik abspielen. Da wundert man sich eigentlich, dass unsere Autos nicht fliegen und tauchen können.

Ich habe die Hoffnung komplett verloren, dass die heutigen Autos zu brauchbaren Oldtimern werden könnten. Sobald da etwas nicht mehr funktioniert, werden sämtliche Garagen, Mechaniker oder gar Super-Tüftler stranden. Das wird vielleicht dann das nächste Thema für die Supertalent-Fernsehshows, z.B. Deutschland sucht den besten Youngtimer-Reparierer ....

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von pa******
02.01.2014 (09:33)
Antworten
Moin moin aus dem hohen Norden von Deutschland!

Der Artikel und die bisherigen Kommentare sprechen mir aus dem Herzen. Die vielen Elektronik-Assistenten haben einerseits für ein Gleichbleiben (teilweise für eine Erhöhung) des Kraftstoff-Verbrauches trotz effizienterer Technik gesorgt, und sie vermitteln andererseits den trügerischen Eindruck von Unverletzlichkeit: Ich kann fahren, wie ich will, das Auto wird´s schon richten. Die Unfallzahlen zeigen, dass dies ein Irrglaube ist.

Ich las neulich eine Abhandlung drüber, ob den wirklich zu befürchten sei, dass durch den gewaltigen Zuwachs an Autoverkäufen in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts in 10 bis 20 Jahrn ebenfalls mit einem großen Anwachsen an Fahrzeugen mit einer Oldtimer-Zlassung zu rechnen sei. Das Ergebnis war eindeutig: Trotz starkem Anwachsen der Zulassungszahlen in den jetzt "Oldtimer-fähigen" Jahren steigt die Zahl der tatsächlichen Oldtimer-Anerkennungen dieser Jahrgänge nicht. Es sind offensichtlich nicht mehr viele dieser Fahrzeuge übrig. Da mag die Elektronik ihren Anteil haben...

Na denn. Uwe
von 45******
01.01.2014 (20:35)
Antworten
Moin

Moderne Autos mit soviel ABC in den jeweiligen Kfz's ... die vermitteln doch nur, das Auto macht es ja schon - ich lenke nur noch.

Heute fragt man sich, fährt der Fahrer oder ist es nur noch "Einbildung" ? Für alles gibt es Assistenten - Aufpasser und Teile, die ständig Eingreifen.

Leuchtet eine Lampe auf, ist es vorbei mit der Herrlichkeit - es geht in die Werkstatt und dann zur Kasse.

Nur noch wenige Menschen wissen, was es heißt, ein Auto wirklich zu bewegen - auf dem Motor und die anderen Teile zu hören - die Physik nie außer acht zu lassen .... das Fahrzeug wirklich zu kennen - wie es wie - wo und wann reagiert.

Ich lobe mir meinen Oldtimer - ein mächtiges Teil - ohne allen Schnick Schnack .... aber einfach zu reparieren.

Aber die Zeit dieser Fahrzeuge ist unwiederbringlich vorbei - der Glaube an die Elektronik ist zu stark.

Gruß Bernd

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