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Ein Triumph-Automobil, das mehr als fünf Jahre der Zukunft voraus war

Bruno von Rotz
06.01.2014

Triumph XL 90 1967 Traumwagen

Wenn wir Triumph als Automarke hören, dann denken wir sicher zuerst an sportliche Zweisitzer mit hübschen Karosserien und relativ traditioneller Antriebstechnik. Doch Triumph konnte auch anders.

In der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre wollte man nicht mehr hinter den Amerikanern und deren Traumwagen zurückstehen, konzpierte selber einen zukunftsorientierten Personenwagen und nutzte das Ergebnis auch in der Werbung.

Aber lesen wir, wie die Automobil Revue in der Nummer 23/1967 das Zukunftsauto von Triumph beschrieb:

“Die Entwicklung von «Traumwagen» stellt heute kein Privileg mehr der grossen amerikanischen Automobilunternehmen dar. Mit dem Typ «XL 90» tut nun ebenfalls die englische Firma Triumph einen Blick in die ferne Zukunft.

Das vom jungen Stylisten Eddie Pepall entworfene, viertürige Zukunftsfahrzeug mit tiefer Gürtellinie, sehr hohen Glasflächen, in den äussersten Ecken der Karosserie angeordneten Rädern, stark gebogener Windschutzscheibe und fast senkrechtem Heck weist zum Teil recht bemerkenswerte Ideen auf, deren Verwirklichung jedoch kommenden Generationen vorbehalten bleibt,

Radargesteuert

Um auch bei dichtem Nebel eine hohe Fahrsicherheit zu gewährleisten, kann der XL 90 gegen Aufpreis mit einer Radaranlage ausgerüstet werden. Vom Führungskabel im Fahrbahnbett ausgestrahlte, elektromagnetische Impulse gelangen in das speziell konzipierte Lenksystem, das bei manuellem Betrieb über zwei kleine Drehgriffe betätigt wird.

Nach Einstellen einer bestimmten Fahrgeschwindigkeit mittels des automatischen «Speed Pilot» hat der Fahrer weder ein Fahrpedal zu betätigen noch irgendwelche Kursänderungen an der Lenkung vorzunehmen. Ausserdem tastet das Radarsystem den Abstand zum nächstvorderen Fahrzeug ab und leitet, wenn erforderlich, selbsttätig eine Verzögerung ein.

Eine weitere Besonderheit bildet die Geschwindigkeitsleuchte auf dem Wagendach, die bei normaler Geschwindigkeit dauernd brennt, bei höherem Tempo, z. B. ab 120 km/h zu blinken beginnt. An Stelle von konventionellen Scheibenwischern finden Ultraschallwellen Anwendung, die eine unsichtbare Vibration der Windschutzscheibe hervorrufen und Verunreinigungen «abschütteln».

Versiegelter Motor

Als Antrieb ist ein Zweiliter-Sechszylinder vorgesehen, der den XL 90 innerhalb von 6 Sekunden aus dem Stillstand auf 96 km/h (60 Meilen) beschleunigt.
Dieser Motor erfordert keine Unterhaltsarbeiten im üblichen Sinne mehr.
So werden Kontrollen an der Motorgetriebeeinheit nur noch alle 80’000 km notwendig, während der Ölwechsel nur noch in Intervallen von 16’000 km vorgenommen werden muss.”

Soweit der damalige Originaltext. Tatsächlich sind bis heute einige der angedachten Ideen in die Tat umgesetzt worden, aber es dauerte nicht fünf Jahre, wie die Werbung damals kolportierte, sondern 30, 40 und mehr Jahre, bis Abstandsradar oder das selbstfahrende Auto machbar wurden. Immerhin gehört ein Ölwechsel alle 16’000 km schon seit geraumer Zeit nicht mehr in das Reich der Science Fiction Literatur. Auf die von Ultraschallwellen gereinigte Frontscheibe hingegen warten wir noch heute.

Ach ja, und für alle, die es bereits vergessen haben, auch den versiegelten Motor konnte man kaufen, allerdings nicht bei Triumph sondern bei TVR im Modell Tuscan ...

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von ro******
08.02.2014 (14:17)
Antworten
Es ist immer wieder interessant, sich mit den Ideen früherer Tage zu befassen. Besonders Zeitschriften wie "Popular Mechanics", "hobby" etc, aber auch Jahrbücher wie "Das neue Universum" bieten reichlich Stoff für Unterhaltung. So mancher Prophet hat sich ganz ordentlich verrechnet - wo sind unsere stets beheizten und beleuchteten Strassen, wo unsere Atomautos? Und auch heute werden wieder neue Illusionen geweckt. obwohl man es besser wissen könnte: die nötigen Voraussetzungen für sehr viele dieser Pläne werden auch in Zukunft fehlen. Aber träumen bleibt natürlich erlaubt....
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