Modifikationen und Veteranen-Status - am Beispiel Opel Olympia
Gestern fand in Baden das alljährliche Technikseminar des FSVA (Féderation Suisse des Vehicules Anciens) statt. Zentrales Thema ist jeweils die FIVA-Identity-Card und deren Konsequenzen. An Arbeitsstationen sollen die Zertifizierungs-Spezialisten und Experten ihr Wissen auffrischen und über Problemzonen diskutieren.
Gezeigt wurde unter anderem ein Opel Olympia, der erhebliche Modifikationen aufwies. Um in den Genuss des Schweizerischen Veteranenstatus zu gelangen, muss nachgewiesen werden können, dass Modifikationen am ansonsten originalen Fahrzeug “in period”, also zur Zeit gemacht wurden, in denen der Wagen normal im Alltag verkehrte. Bei den meisten Autos wurde diese Periode als fünf bis zehn Jahre festgesetzt, bei klassischen Langläufern wie einem Rolls-Royce Phantom kann die Periode auch wesentlich länger sein.
Der Opel Olympia verfügte nicht nur über Leichtmetallräder, die nicht aus dem Opel-Ersatzteilregal stammten, sondern auch über einen Einspritzmotor eines späteren Schwestermodells, kombiniert mit modifizierten Bremsen.
Auf den ersten Blick würde ein Experte wohl diesem modifizierten Wagen den Veteranenstatus versagen und auch eine FIVA-Klassierung A (Standard, den damaligen Hersteller-Spezifikationen entsprechend) würde ihm verwehrt. Die Klassifizierung B (“modified in period”, in seiner Zeit modifiziert) aber ist möglich, wenn die Änderungen “damals” sauber dokumentiert wurden. Dies ist offensichtlich beim diskutierten Opel Olympia der Fall, weshalb er einen FIVA-Pass B/3 (3 für restauriert) erhielt und damit auch die Veteranenprivilegien in der Schweiz erhalten darf.
Die Schwierigkeit in diesen Fällen ist allerdings das Vorhandensein einer Dokumentation. Bei Autos aus den Siebzigerjahren (oder später) dürfte dies leichter aufzutreiben sein, als zum Beispiel bei einem Sportwagenchassis, das in England oder Amerika Ende der Fünfzigerjahre im Do-it-yourself-Stil mit einer der damals beliebten Kunststoffkarosserien versehen wurde.
Auf jeden Fall war für alle Anwesenden der Appell von Felix Aschwanden nachvollziehbar, dass man nie zuwenig Dokumentation für sein Auto sammeln könne. Denn die Ansprüche an Historie und Werdegang von Fahrzeugen wachsen stetig.
Rund 140 Besucher konnten am FSVA-Technikseminar gezählt werden und die herrliche Fünfzigerjahre-Architektur der BBB Martinsberg (1954 erbaut vom Luzerner Architekten Armin Meili) präsentierte sich als stilvoller Rahmen.
Und dass einige der Seminarbesucher trotz der Winterzeit mit dem Oldtimer anreisten, freute nicht zuletzt den Rektor der Berufsfachschule BBB Baden, Rudolf Siegrist, der als eingefleischer Autofan seit einiger Zeit versucht, die Berufgattung "Fahrzeugrestauratoren" zu professionalisieren (man beachte dazu auch die Website der IG Fahrzeugrestauratoren Schweiz). Die Politik rund um die Gründung eines neuen Dachverbands für die Oldtimerclubs in der Schweiz fand derweil primär vor den Türen statt, denn der Tag sollte der Technik gehören.


























