Einen Opel Monarch hatten wir auch mal!
Was man – ohne Übertreibung – an einem einzigen Tag leiden muss, wenn man mit einem Oldie unterwegs ist, glaubt mir manchmal keiner. Frühmorgens sattelte ich mein Ford Granada Coupé von 1973 und fuhr zum markenübergreifenden Oldie-Treffen. Dort angekommen, stellte sich die Frage, zu wem man sich gesellen sollte.
Da stand ein uraltes Vorkriegsvehikel. Das freut sich bestimmt über jüngere Gesellschaft eines rund 40-jährigen Rentner-Fords. Doch weit gefehlt! Ich hatte ungeschickterweise den Besitzer gefragt, wie das nun mit der Belegung der Pedale sei. Die sei wohl bei so alten Autos noch ganz anders gewesen als Kupplung-Bremse-Gas. „Ihr jungen Leute [Danke, ich bin Ü40] habt doch überhaupt keine Ahnung mehr, was ein altes Auto ist - DAS ist ein Oldtimer!“ und zeigte auf seinen ganzen Stolz. „Was Ihr da so fährt, hat nichts mit alten Autos zu tun!“ Da hatte er natürlich voll Recht. Mein Granada ist quasi ein Neuwagen verglichen mit seinem. Gut, es machte keinen Sinn, sich mit diesem „Nachwuchsverscheucher“ zu unterhalten.
Da kam ein jüngerer Typ auf mich zu und meinte: „Hey, der ist ja affenscharf! Weisst Du, dass diese Karren immer noch gebaut werden?“ Nein! Das ist ja mal eine ganz neue Erkenntnis. „Ja, schau mal in der Tagesschau, wenn sie über den Irak berichten. Da siehst Du immer noch neue Ford Granadas in den Strassen rumfahren!“ Trotz meiner Einwände blieb der junge Mann bei seiner Behauptung. Da sein Fachwissen das meinige scheinbar überstieg, musste ich wohl oder übel kapitulieren. Des Rätsels Lösung, welches ich leider nicht an den Mann bringen konnte, lautet wie folgt: Im Irak wurden Kriegsveteranen des ersten Golfkriegs von 1980 mit dem VW Passat B1 aus brasilianischer Produktion belohnt. Diese sogenannten „Märtyrer-Autos“ fahren immer noch vor die Kameras der Nachrichtensender. Sie sind also weder neu hergestellt, noch sind sie Granadas. Aber sie haben ein Fliessheck. Da kann man schon mal was verwechseln.
Irgendwie hatte ich keine Lust mehr auf geballtes Oldtimerwissen, dafür quälte mich nun der Hunger. Ich hielt auf dem Nachhauseweg vor dem nächstbesten Laden. Keine gute Idee. Denn neben mir parkte ein zweitüriger BMW 3er der Achzigerjahre-Serie E30 mit einem auf seine einkaufende Frau wartenden Mann am Steuer. Der stieg sogleich aus, beglückte mich zu meinem Coupé und sagte voller Stolz: „Meines ist auch ein Coupé. Ganz selten und ausschliesslich für den amerikanischen Markt gebaut. Sieht man nie in der Schweiz.“ Ich schaute das Auto nochmals an und sah immer noch den BMW-Zweitürer, welcher bei uns früher zu Tausenden rumfuhr. Ich konnte auch keine Hinweise auf einen US-Import sicherstellen. Zwar war mir bekannt, dass die Amis den Zweitürer zuweilen auch Coupe (ohne é) nannten. Aber egal, der Mann wollte ein seltenes Coupé haben. Ich liess es ihm und tat so, als ob ich mich für ihn freuen würde und ging in den Laden.
Wieder draussen, war zwar der BMW weg, aber eine reifere Frau mit beidseitig gefüllten Einkaufstaschen stand neben meinem Ford. Als sie mich erblickte, sagte sie: „Himmel ist der schön. Da werden Kindheitserinnerungen wach. Wissen Sie, einen solchen Opel Monarch hatten wir früher auch mal…“
Über den Ford Granada von 1972 ist auf Zwischengas ein umfangreicher Artikel publiziert worden, zum Opel Monarch allerdings findet sich nichts, wohl deshalb, weil es nie ein solches Fahrzeug gab ...
























