Von Schnäppchen und Perlen
Eigentlich ist dieses Heft ein Anachronismus, aber Oldtimer Markt “Preise” erfreut sich seit Jahren grosser Beliebtheit und kam gerade mit rund 380 Seiten neu heraus. Wer die Fahrzeugbewertung für ein bestimmtes Modell sucht, der wird heute auch online fündig (z.B. hier auf zwischengas ), aber irgendwie hat das Schmökern im Preise-Heft einen eigenen Reiz.
So findet man auf den ersten Blick heraus, dass es bei Saab wertmässig fast nur nach oben zu gehen scheint, während bei Lancia eher ein genereller Preisrückgang-Trend (Ausnahme Delta) zu sehen ist. Das Preise-Heft vergleicht die aktuellen Notierungen mit den Preisen des Jahres 2015 und dies ist neben der Angaben einstiger Neupreise sicherlich ein erheblicher Reiz des umfassenden Bewertungshefts.
Wer das Heft von vorne nach hinten durchkämmt, wird zunächst feststellen, dass es Vorkriegsklassiker weiterhin nicht einfach haben. Diese sind nämlich zusammen gruppiert auf den vorderen Seiten zu finden und die “Preisentwicklung”-Spalte ist vielfach rot und oftmals zweistellig negativ. So schrumpfte der Preis eines Alfa Romeo 6C 1750 Coupés der Jahre 1929-1932 gemäss Classic Data, welche die Werte für das Heft liefert, um 63 Prozent! Aber auch ein BMW 315/1 Sport Zweisitzer von 1934/1936 wurde offenbar 42 Prozent günstiger. Interessanterweise hat das Ford Model A diesem negativen Trend getrotzt, denn sein Wert stieg um 12 Prozent, wenn es sich um ein Coupé handelt. Auch ein Invicta ist teurer geworden, während frühe MG im Preis eher deutlich nachgelassen haben, wenn es nicht ein SA 2 Litre als Cabriolet ist, das teurer geworden ist. Gerade bei den Vorkriegsautos merkt man schnell, dass es wohl nicht einfach ist, Preise zu ermitteln, wenn Fahrzeuge in den verschiedensten Versionen existieren und selten gehandelt werden. Also blättern wir weiter zu den Nachkriegsautos grösserer Hersteller, die nun gemeinsam mit den Youngtimern den Hauptteil des Hefts ausmachen, das am Ende noch durch Nischenhersteller komplettiert wird.
Es zeigt sich schnell, dass vor allem jüngere Autos seit 2015 Boden gut gemacht haben, während zum Beispiel Sechzigerjahre-Klassiker oftmals an Wert verloren haben in den letzten fünf Jahren. Die frühen 911-er sind davon genauso betroffen, wie Superklassiker von Ferrari, Maserati und Lamborghini. Ausnahmen bestätigen jeweils die Regel.
Bei Alfa Romeo etwa glänzen die Alfasud- und vor allem die Alfasud-Sprint-Modelle mit beindruckenden Preissteigerungen, während etwa frühe Giulia- oder Giulietta-Modelle eher etwas an Wert verloren. Ein Überflieger scheint der Alfa Romeo 164 TD Super von 1994-1997 zu sein, denn seine Bewertung stieg um 178 %. Weil aber als Note-2-Bewertung EUR 4900 angegeben ist, geht es dabei natürlich nicht wirklich um das grosse Geld.
Aston Martin zeigt sich tendenziell rot (also mit negativem Werttrend), während Audi-Modelle ab Achtzigerjahren fast durchwegs schwarz und preislich im zweistelligen Prozentbereit gewachsen sind. Ein Audi RS4 Avant (B5) von 1999-2001 hat beispielsweise um 57 % zugelegt seit 2015.
Interessant ist Austin-Healey, hier gehen die Preise beim grossen Healey zurück, während der Sprite mit durchschnittlich über 20 % zugelegt hat.
Gut haben sich die BMW-Modelle 1600-2 bis 2002 turbo entwickelt, auch die frühen Dreier schneiden in der Tendenz positiv ab. Ein BMW M1 aber wird heute gemäss Classic Data um 20 Prozent günstiger gehandelt als vor fünf Jahren und selbst der beliebte M3 E30 hat etwas nachgegeben im Wert. Interessant auch das anziehende Interesse am BMW 323 ti Compact (1997 bis 1998, Bild oben), der rund die Hälfte mehr wert ist als vor fünf Jahren.
Einer gesunden Nachfrage freuen sich auch fast alle Varianten des Citroën 2 CV, auch die Göttin (ID/DS) ist durchs Band schwarz, was auch für fast alle weiteren Citroën-Modelle zuzutreffen scheint.
Insgesamt also eine wirklich spannende Lektüre, auch wenn man am Ende des Hefts dann doch wieder merkt, dass Drucksachen halt eben immer etwas hinter der Gegenwart hinterherhinken. Denn auf Seite 368 findet sich der Bugatti EB110 GT, der gemäss Informationen im Heft aktuell mit EUR 800’000 bewertet wird im Zustand 2 und um 18 % zugelegt haben soll seit 2015. Nun, die Auktionen dieses Jahres haben gezeigt, dass man hier durchaus etwas nachjustieren müsste, denn sechsstellig scheint aktuell kein guter EB110 mehr zu kaufen zu sein. Aber man sollte eben eher auf die Trends als auf individuelle Einzelbewertungen schauen und Neunzigerjahre-Supersportwagen sind definitiv im Steigflug.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der kann das neue Preisheft von Oldtimer Markt übrigens ganz einfach beim Verlag bestellen , mit EUR 8.90 ist diese Informationsfülle selber ein echtes Schnäppchen.


























