James Bond und Pommes Frites
Hin und wieder passieren auch ausserhalb des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Dinge, die man sonst nur aus seichten Heimatkomödien kennt. Zum Beispiel, wenn sich jemand, den man sein Leben lang zu kennen meinte, plötzlich als jemand ganz anderes entpuppt.
27 Jahre und drei Monate lebte ich in dem Glauben, der Triumph , den mein Vater 1979 von einem Renault-Frégate-sammelnden und Schildkröten-züchtenden Sonderling in Lothringen gekauft hatte, sei ein TR4 A IRS wie jeder andere auch – einer jener 28'465 Wagen, die zwischen Januar 1965 und Juli 1967 in Canley vom Fliessband rollten. Bis ich vor einigen Tagen mehr zufällig einen Blick auf die Fahrgestellnummer warf, die bei Triumph strenggenommen nur eine Kommissionsnummer war. Für gewöhnlich beginnt sie bei Vierern mit schraubengefederter und schräggelenkter Hinterhand mit der Buchstaben-Kombination "CTC", gefolgt von der eigentlichen Seriennummer und je nach Konfiguration einem "L" für Linkslenkung oder einem "O" für den optionalen Overdrive. All das zeigte auch das Typenschild des väterlichen Triumph – sowie zusätzlich die Zahl "1" am äusserst linken Rand.
Die Antwort auf diverse hiervon aufgeworfene Fragen lieferte TR-Chronist Bill Piggott: der rote Roadster wurde in Belgien gebaut! Zeit meines Lebens habe ich das angejahrte Raubein für einen echten Briten gehalten. Und jetzt das! Stellen Sie sich zum Vergleich einmal vor, Sie schauen zum zwanzigsten Mal "Goldfinger", können jeden Satz mitsprechen, und plötzlich ordert Sean Connery keinen Martini, sondern eine Tüte Fritten und ein Leffe. Nicht, dass das schlecht wäre. Es wäre sogar irgendwie lustig. Aber trotzdem würde es im ersten Moment ein wenig irritieren. Genau wie Gaston Lagaffe in einem dreiteiligen Anzug aus der Savile Row.
Natürlich hat Standard-Triumph das Werk in Mecheln (ned. Mechelen, frz. Malines) nicht errichtet, um anglophile Kontinentaleuropäer zu verwirren, sondern um Einfuhrzölle zu umgehen. Autos, die für das linkslenkende Festland bestimmt waren, wurden ab Oktober 1960 in Einzelteilen über den Ärmelkanal geschippert und in Flandern montiert. Darunter auch insgesamt 2'200 bis 2'400 Triumph TR4 A, deren Komissionsnummern alle mit "1CTC" beginnen. Die Seriennummer folgte aber weiter der englischen Zählweise. Wie auch bei Citroën und General Motors unterscheiden sich die Modelle aus belgischer Montageproduktion in Details von ihren Geschwistern aus der Heimat. So stammt die Windschutzscheibe von einem belgischen Zulieferer, das Typenschild sitzt auch bei Linkslenkern rechts, und bei der Auswahl der Lackfarben waren Kunden keineswegs an die Vorgaben aus England gebunden. Wer mochte, konnte seinen TR4 A statt in "32 Signal Red" auch im dunkleren "22 Cherry Red" des Triumph Herald lackieren lassen.
Citroën-Fahrzeugen aus Belgien wird zudem eine höhere Verarbeitungsqualität nachgesagt. Ob das bei den Leyland-Produkten auch so war, ist ungewiss. Schlechter waren sie jedenfalls nicht, schliesslich hat hat Vaters TR, der im März 1967 nach Metz ausgeliefert wurde, bis heute in unrestauriertem Zustand überlebt. Und natürlich hinterlässt er auf jedem Parkplatz mindestens einen kleinen Ölklecks. Zumindest in diesem Punkt ist er dann doch ganz Brite.


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