Der verhinderte F1-Weltmeister Carlos Reutemann (Nachruf)
Der Argentinische Grand-Prix-Pilot Carlos Reutemann, geboren am 12. April 1942 in Santa Fé (Argentinien), ist nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben. Mit seinem Charakterkopf hätte der Sohn von Schweizer Einwanderern (Rüttimann) wohl auch in Hollywood Karriere machen können.
Der Formel-1-Vizeweltmeister von 1981 wurde am 30. Mai 2021 mit Blutarmut und Dehydrierung ins Krankenhaus von Santa Fé eingeliefert. Seit dem 21. Juni lag er auf der Intensivstation. Der von einem Leberkrebs mitgenommene Körper erholte sich jedoch nicht mehr. Reutemanns Tod bedeutet für die argentinische Motorsportwelt einen grossen Verlust. Nach Juan Manuel Fangio und José Froilán Gonzalez war er der dritte erfolgreiche Lokalmatador in der Königsklasse.
Formel-1-Karriere
Zwischen 1972 und 82 fuhr Reutemann für Brabham, Ferrari, Lotus und Williams. Der Argentinier schlug wie ein Blitz in die Formel 1 ein. Als Reutemann mit Brabham endlich den Sprung in die Königsklasse schaffte, war er fast 30 Jahre alt. Gleich bei seiner Grand-Prix-Premiere in Buenos Aires fuhr er auf die Pole Position, was nur vier Fahrern bis heute gelang. Doch erst im vorletzten Rennen der Saison 1972 sammelte er als Vierter beim GP Kanada die ersten WM-Punkte. 1973 in Frankreich dann das erste Podium. Und 1974 beim GP Südafrika den ersten Sieg. Insgesamt gewann er bei seinen 146 Einsätzen in der Königsklasse zwölf Rennen.
Seine zwei grössten Siege fuhr er 1975 auf dem Nürburgring im Brabham-Ford und 1980 in Monaco im Williams nach Hause. Drei Mal war er WM-Dritter, 1975 mit Brabham, 1978 mit Ferrari und 1980 mit Williams. Reutemann stand insgesamt 46 Mal auf dem Podest, holte sechs Pole Positions, startete 22-mal aus der ersten Reihe und fuhr sechs schnellste Rennrunden. Bei 66 Rennen kam er auf einem Punkterang ins Ziel (sechster oder besser) und sammelte so in etwas mehr als zehn Jahren 310 WM-Zähler.
Verpasster Titel
1981 verpasste Lole, wie er auch genannt wurde, den WM-Titel nur ganz knapp. Der Argentinier startete als WM-Führender zum Finale in Las Vegas sogar aus der Pole Position. Doch im Rennen fiel er zurück und verpasste am Ende mit seinem punktelosen achten Platz den Titel um einen einzigen Punkt. Nelson Piquet wurde fünfter und stahl ihm so den Titel.
Der Frust sass tief, und Reutemann trat 1982 nur noch zu zwei Rennen (Zweiter Platz in Südafrika und Kollision in Brasilien) an. Fünf Tage später teilte er Frank Williams mit, dass er zurücktrete. Am Ende der Saison wurde Teamkollege Rosberg Weltmeister.
Beeindruckende Demo-Runden
1995 besuchte Reutemann als Gastpolitiker die dritte Wiederauflage des GP Argentinien in Buenos Aires und liess sich dabei den Spass einiger Demo-Runden im 94er Ferrari 412 T1 nicht nehmen. Dabei war er überraschend schnell, sehr schnell sogar. Er verlor nur wenige Sekunden auf die viel jüngeren schnellen Kollegen.
Politische Karriere
Nachdem Reutemann seinen Helm an den Nagel gehängt hatte, startete er eine erfolgreiche Karriere als Politiker. Er diente zwei Legislaturperioden (1991 bis ’95 sowie von 1999 bis 2003) als Gouverneur seiner Hauptprovinz Santa Fé und blieb später als Senator bis zu seinem Tod seiner Provinz treu. 2003 hätte er sich sogar zur Wahl des argentinischen Präsidenten stellen können, doch das lehnte er ab.
Am 7. Juli 2021 hat Carlos Reutemann das irdische Fahrerlager für immer verlassen.

























