Der 7. Sinn - drei Minuten Unfallprävention zur besten Sendezeit
Das Wort „Kult“ wird heutzutage schnell in den Mund genommen. „Der 7. Sinn“ jedoch verdient zweifellos dieses Prädikat. Zwischen 1966 und 2005 wurden insgesamt 1462 Folgen der legendären Verkehrssicherheitssendung gedreht und auf ARD ausgestrahlt.
Mitte der Sechzigerjahre starben auf den deutschen Strassen jährlich über 16’000 Menschen. Verglichen mit den 3200 Personen, die 2016 tödlich verunglückten, eine unglaubliche Zahl. Die Deutsche Verkehrswacht suchte deshalb nach neuen Wegen, die Sicherheit auf den Strassen zu erhöhen. Man wendete sich an den WDR, der unter dem Titel „Der 7. Sinn“ dreiminütige Aufklärungsfilme zum Thema Verkehrssicherheit zu drehen begann und diese wöchentlich auf ARD und in den dritten Programmen ausstrahlte. Platziert wurden sie stets im Abendprogramm, um möglichst viele Zuschauer zu erreichen. Bereits die zackige Titelmelodie forderte die unbedingte Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer ein.
Unfälle, Verletzte, Tote: Verkehrssicherheit ist eine ernste Sache. „Der 7. Sinn“ setzte entsprechend auf unmissverständliche Prävention. Öfters bot die Sendung explizite Unfallszenarien: Kinder in Go-Karts wurden überfahren, Passanten auf die Hörner genommen, Autos rauschten Abhänge runter. In den ersten 30 Jahren wurden über 1000 Pkws zu Schrott gefahren. Meist handelte es sich dabei um alte Fahrzeuge, die neu lackiert wurden.
Kultstatus erreichte die Sendung einerseits durch die trocken-stoische Kommentarstimme von Egon Hoegen, andererseits durch die unfreiwillige Komik verschiedener Folgen. Ein Kind seiner Zeit ist etwa die diffamierende Darstellung von Frauen im Strassenverkehr. So nachzusehen in diesem (leider mit unpassenden Lachern versetzten) Zusammenschnitt, in dem den weiblichen Autofahrerinnen unter anderem ein Sicherheitsgurt-Trageproblem attestiert wird:
Eine weitere Perle aus dem Archiv ist die des überforderten Ostdeutschen, der sich nach dem Fall der Mauer plötzlich mit moderner Fahrzeugtechnik konfrontiert sieht:
Wie erwähnt setzte „Der 7. Sinn“ immer wieder auf eindeutige Unfallschilderungen. Fast befremdlicher wirken in dieser Folge von 1981 jedoch die Soundeffekte, die tief in das Bewusstsein der Zuschauer eindringen sollten:
Immer wieder wurden auch waghalsige Stunts eingebaut. Die Macher dachten sich: Klare Ansagen sind überzeugender als der mahnende Finger. Eine besonders actionreiche Folge von 1995:
Es wurden aber auch eher unübliche Verkehrssituationen präsentiert, so etwa Panzer auf der Strasse. So einfach war es ja auch nicht, Themen für 1462 Folgen zu finden.


























