Mysterien der Neuzeit - die im Jahr 1992 gebauten Porsche 959
Man ist es sich als Autombilhistoriker gewöhnt, dass bei der Erforschung von Produktionszahlen in den Zwanziger- oder Dreissigerjahren immer wieder Unsicherheiten auftreten, auch der Ausstoss britischer oder italienischer Kleinserienhersteller in den Fünfziger- oder Sechzigerjahren wirft immer wieder Fragen auf.
Aber wenn es um einen bekannten deutschen Hersteller wie Porsche und die Achtziger- oder Neunzigerjahren geht, als Computer schon lange für Ordnung sorgten, dann sollte eigentlich immer klar sein, wieviele Autos zu welcher Zeit entstanden. Sollte. Eben.
Um den überaus innovativen Porsche 959 gibt es erstaunlich viele Fragen, wie Chris Perkins auf Road & Track im Mai dieses Jahres elaborierte.
Gemäss offiziellen Zahlen soll Porsche zwischen 1986 und 1988 294 959 mit Komfortausstattung und weitere 29 Sport-Modelle gebaut haben. Jürgen Barth (“Das grosse Buch der Porsche-Typen”) kommt in seiner Tabelle allerdings nur auf 235 Autos und da sind sogar die Werksprototypen und Rennwagen noch inbegriffen.
Aber es gilt zumindest als gesichert, dass Porsche die Produktion im Jahr 1988 beendete, nicht zuletzt deshalb, weil man bei jedem Auto finanziell drauflegte. Man verzichtete sogar auf die Homologierung in den Vereinigten Staaten, damit man Kaufverträge annullieren konnte und den Wagen nicht ausliefern musste. Porsche ging es in jener Zeit schlecht, die Verkaufszahlen sanken und Autos zu produzieren, die schon in der Herstellung defizitär waren, machte wenig Sinn.
Soweit so gut. Nun sollen aber 1992, als es Porsche finanziell noch schlechter ging, nochmals sechs oder acht weitere Wagen (vier rot, vier silber) entstanden sein, bestellt durch einen Geschäftsmann in Macao. Dieser soll rund das Doppelte pro Wagen bezahlt haben, als es ursprünglich in der Preisliste stand. Dokumentiert sind diese Wagen nirgends, Porsche behandelte sie offenbar wie nachträglich montierte 88-er-Modelle, schliesslich entstanden sie auch aus übriggebliebenen Bauteilen von damals. Ob es nun sechs oder acht nachträglich gebaute Wagen handelt, ist auch nicht ganz klar.
Jedenfalls existieren die zusätzlich gebauten Fahrzeuge noch, teilweise ruhen sie offenbar im Neuwagenzustand in den USA. Früher oder später wird sicherlich einer dieser Exoten an einer Versteigerung auftauchen und vielleicht etwas mehr Licht ins Dunkel dieses Mysteriums werfen.

































