Wie gross können eigentlich die Räder noch werden?
Erinnern Sie sich an die Zeit, in der man diskutierte, ob 12- oder 13-Zoll-Räder nicht doch etwas zu klein seien. Vor allem die Käferfreunde konnten mit den 13-Zoll-Felgen des Nachfolgers VW Golf zunächst wenig anfangen. Doch schon bald war die halbe Auto-Population mit 13-Zoll-Rädern ausgerüstet. Das war in den Siebzigerjahren.
Der Porsche hatte schon immer etwas grössere Räder, beim 911 von 1971 waren üblicherweise 15-Zoll-Felgen mit Reifen der Dimension 185/70 VR 15 montiert. In den Neunzigerjahren waren beim 993 16-Zoll-Räder Standard, mit Aufpreis gab's auch 17-Zoll-Felgen.
Heutzutage wird ein Porsche Carrera S mit bis zu 21 Zoll grossen Felgen ausgerüstet, die Reifen können dann schon einmal die Dimension 305/30 ZR 21 haben. 1971 hätte man beim Anblick des aktuellen Porsche 992 wohl gemeint, eine Karikatur vor sich zu haben, so ungewohnt hätten die riesigen Räder auf den an kleine Räder gewöhnten Beobachter gewirkt.
Die Räder wurden über die Jahrzehnte immer grösser, heute gehören 22-Zoll-Räder bei grossen SUV fast schon zum Standard. Wer ab und zu neben Lastwagen im Stau steht, wird aber feststellen, dass sich viele LKW mit Felgen im 18-Zoll-Format begnügen.
Über die Jahre haben die Autohersteller den grossen Rädern den Weg geebnet. Konzeptfahrzeuge standen mit riesigen Alurädern und ultraflachen Reifen auf den Autosalons und auch in den Prospekten wurden die Fahrzeuge gerne mit (aufpreispflichtigen) Super-Breitreifen auf entsprechend grossem Radsatz gezeigt. Das ist auch heute noch so. Der Audi A6 Avant e-tron concept wurde mit 23 Zoll grossen Felgen vorgestellt!
Aber macht das alles überhaupt Sinn? Fahrwerks-Ingenieure sind der Meinung, dass 18 Zoll grosse Räder eigentlich ziemlich optimal für einen mittelgrossen Sportwagen sind. Was grösser ist, hilft der Fahrphysik wenig und schadet wegen höherer ungefederter Masse eventuell sogar. Natürlich kann man in grossen Rädern auch riesige Bremsscheiben unterbringen, doch auch hier scheint das Optimum eher überschritten, wenn man nicht gerade 3,5 Tonnen ständig von 200 km/h auf 0 abbremsen muss.
Derartig grosse Räder, wie sie heute Standard sind, wären vor 30 Jahren gar nicht möglich gewesen, denn mancher Autofahrer wäre wegen des hohen Gewichts des Rads kaum in der Lage gewesen, dieses aus dem Kofferraum herauszuhieven, respektive ein solches Schwergewicht nach Montage des Notrads dort zu verstauen, sofern das Rad überhaupt Platz gefunden hätte. Kommt noch dazu, dass die grossen Räder auch den Wendekreis vergrössern und empfindlicher auf tiefes stehendes Wasser reagieren.
Einfach nachvollziehbar ist auch, dass breite Räder den Rollwiderstand erhöhen.
Dies musste offenbar auch Mercedes-Benz einsehen, als die Räder für die Elektro-Studie EQXX spezifiziert wurden. Diese sind nämlich “nur” 20 Zoll gross und kommen mit der wahrlich bescheidenen Reifendimension 185/65 R 20 daher. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung …



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