Jetzt neu und garantiert unbrauchbar!
Heute erübrigt sich im Falle einer Reifenpanne meist die Frage nach dem Aufbocken, da die meisten Autos statt mit einem vollwertigen Ersatzreifen nur noch mit ein wenig Dichtmittel und einem Kompressor ausgestattet sind. Das war anfangs der Siebzigerjahre noch etwas anders, als man sich mit unterdimensionierten Scherenwagenhebern auf dem Seitenstreifen einen Wolf kurbeln musste, um das beschädigte Rad gegen ein intaktes zu tauschen. Auf der Suche nach einer komfortableren Alternative beschritt man auch so manchen Holzweg, wie ein Besuch auf der Zubehörmesse "Automechanika" 1972 in Frankfurt zeigte.
Dort präsentierte die schwedische Firma EKA einen Wagenheber, der ohne jede mühsame Mechanik auskommt: ein etwa einen Quadratmeter grosses Luftkissen, das unter das Auto gelegt und dann auf 0,6 bar aufgepumpt wird. Der Hersteller versprach ein schonendes Anlegen an den Unterboden und eine Hubhöhe von fast einem halben Meter. Auf dem Foto macht die Chose allerdings einen etwas wackeligen Eindruck, nach dem sie schon durch das Abnehmen eines Rades aus dem Gleichgewicht gebracht werden könne. Das Rangiergestell darunter verstärkt das Misstrauen noch.
Vor 50 Jahren sind freilich nur die wenigsten mit Pressluftflaschen oder gar Zigarrenanzünder-Kompressoren im Kofferraum umhergefahren. Doch auch dafür hatte EKA eine Lösung: Der übergrosse Raviolo wird mit Abgasen aus dem Auspuff aufgeblasen. Keine blöde Idee – nur sollte man nicht allzu nahe daneben stehen, wenn man das Teil nach getaner Arbeit wieder entleert. Auch sollte man den Motor dabei eher im Leerlauf drehen lassen, als ihn im Stand ohne Fahrtwind hochzujagen.
Durchgesetzt hat sich das luftige Konzept (zumindest als Werks-Erstausrüstung) bis heute nicht. Das nicht eben handliche Gewicht von rund zwölf Kilogramm wird seinen Teil dazu beigetragen haben. Natürlich gab es in Frankfurt auch konventionelles Zubehör. Etwa einen Satz "Mistlampen", deren Name kein Hinweis auf die Produktqualität war. Viel mehr wusste wohl beim Hersteller niemand, dass die kondensierende Luftfeuchtigkeit bei uns einen anderen Namen hat als in England.

























