Aus dem Leben eines Mechanikergesellen - wenn der Motor seine Leistung nicht mehr abgeben will
Ein Wagen der höheren Hubraumklasse kam in die Werkstatt gefahren; sein Besitzer beanstandete, daß der Wagen seil einiger Zeit auf der Autobahn nicht schneller als 120 km/h liefe. Da das Fahrzeug erst 40’000 km auf dem Tachometer hatte und einige Tausend Kilometer vorher eine Motorinspektion vorgenommen wurde, war die Sache immerhin etwas rätselhaft.
Trotzdem fing man mit den üblichen routinemäßigen Arbeiten an, die bei Motorstörungen meist ausgeführt werden; und zwar wurden der Vergaser, die Zündkerzen und die Zündverteilerkontakte geprüft bzw. gereinigt und ersetzt, außerdem der Zündzeitpunkt genau eingestellt. Um ein übriges zu tun, ersetzte der Monteur den Kondensator am Unterbrecher und kontrollierte die Zündspule.
Nach einem zufriedenstellenden Probelauf in der Werkstatt ging es nun auf die Autobahn. Die Fahrt schien erfolgreich zu verlaufen, denn auf dem Anfahrtsweg zur Autobahn war die Beschleunigung des Wagens recht gut. Doch die Freude war verfrüht. Genau bei 120 km/h fing der Motor an zu stottern und fiel ab; also zurück in die Werkstatt.
Nun wurde der Meisler doch nachdenklich und schaltete sich ein, um den Fehler zu finden. Seiner Meinung nach konnte es nur an der Benzinzufuhr liegen. Diesmal wurde die Benzinpumpe mit ausgebaut, zerlegt und überholt. Vorher prüfte man den Förderdrucke, der an der unteren Grenze lag. Die darauf folgende Probefahrt war wieder ergebnislos: 120 km/h und keinen Kilometer schneller.
Daraufhin wurde der Kunde angerufen und gefragt, ob er irgendwann und irgendwo habe etwas reparieren lassen müssen, vielleicht bei seiner letzten Auslandsreise. Auf das Stichwort „Ausland" fiel ihm ein, daß in Spanien der Benzinschlauch zwischen Tank und Pumpe ausgewechselt worden war.
Die Prüfung dieses „spanischen" Schlauches ergab. daß der Gummi nicht benzin- und säurefest war und der innere Querschnitt sich langsam durch Aufquellen verkleinert hatte. Bei einer Geschwindigkeit von über 120 km h reichte die Durchflußmenge nicht aus, um den Vergaser genügend mit Kraftstoff zu versorgen, was das Aussetzen her vorrief. Nachdem der Schlauch erneuert war, lief der Wagen wieder seine alte Höchstgeschwindigkeit.
Die Lehre daraus: Frage an den Fahrer, wann und wo sich zuletzt jemand daran zu schaffen gemacht hat. Das ergibt oft einen Fingerzeig.
Dieser Text stammt aus der Ausgabe 22 des Jahrgangs 1959 der Zeitschrift "Krafthand” .

































