Die Kehrseite - nicht alle Oldtimer gewinnen an Wert

Bruno von Rotz
03.04.2015

Wertentwicklung - nicht alle Fahrzeuge gewinnen an Wert

Es wird aktuell gerne von den beeindruckenden Wertsteigerungen gesprochen, die Oldtimer-Klassiker als bessere Investition aussehen lassen als die meisten Aktien oder alternativen Anlagen. Bei der Betrachtung der Wertzuwächse eines Aston Martin DB4, eines Lamborghini Miura oder eines BMW 507 geht gerne vergessen, dass es sehr viele alte Autos gibt, die entweder im Wert stagnieren oder sogar von Jahr zu Jahr an Wert verlieren.

Mit dem Sonderheft “Oldtimer Markt Preise”, das dieser Tage am Kiosk aufliegt, kann jeder Interessierte dieses Phänomen untersuchen, denn für jeden der auf über 300 Seiten dokumentierten Wagen sind neben den aktuellen Preisen für die Zustandsnoten 1 bis 5 auch die Wertgewinne, respektive Wertverluste im Zeitraum 2009 bis 2014 angegeben.

Auburn 1934 (© RM Auction)

Beim Lesen des Hefts erkennt man schnell, dass vor allem die Wertentwicklung der Vorkriegsfahrzeuge oftmals nur wenig zugunsten des Besitzers läuft. Fahrzeuge, die weder sportliche Fahrleistungen, noch ein besonders attraktives Äusseres aufweisen, werden am meisten gebeutelt. Besonders auffallend ist auch das schlechte Abschneiden der Marken Auburn, Cord und Rolls-Royce, in deren Reihen besonders viele Typen mit deutlichem Wertverlust auffallen.

Alfa Romeo 164 von 1987 (© Alfa Romeo / Werk)

Doch das Phänomen ist nicht vorkriegspezifisch. Vor allem auch Youngtimer-Fahrzeuge, bei denen die grosse Nachfrage noch nicht eingesetzt hat, lassen teilweise im Wert nach. So zeigen etwa die meisten Alfa Romeo 164 Varianten Wertverluste zwischen 5 und 43 % auf fünf Jahre. Aber es erwischt auch hierzulande beliebte deutsche Fahrzeuge wie die Audi Cabriolets der ersten Generation, die allesamt zweistellig abgegeben haben zwischen 2009 und 2014. Im BMW-Lager erwischt es einige Typen der E34-Baureihe mit roten Prozentzahlen. Selbst die vermeintlich wertstabilen Autos mit dem Pferdchen auf der Motorhaube sind nicht von rückgängigen Marktpreisen gefeit. Ferrari 348 und Mondial sorgten nicht für steigende Vermögenswerte. Fast durchgehend mit zurückgegangenen Preisen zeigt sich auch die Mercedes-Baureihe W124 oder etwas die Silver Shadow und Silver Spur Varianten von Rolls-Royce.

Aber auch vermeintlich gesetzte Klassiker sind Preiskorrekturen unterworfen.

Austin-Healey 3000

So mussten der Austin Healey 3000 und der Sprite (mit Ausnahme des Frogeye) teilweise deutliche Wertverluste hinnehmen. Auch die Borgward Isabella schein in allen Bauformen an Käufergunst verloren zu haben. Und sogar die Heckflosse in Form von Mercedes 220 b, 220 Sb oder 220 SEb gab im Wert ab. Arg gebeutelt werden die ja eigentlich sehr beliebten Autos der englischen Firma MG, bei der Typen der T-Serie, der A-Serie, der Midget-Baureihe und der B-Serie 2014 tiefere Preise erzielten als 2009.

MG B von 1963

Die Liste könnte noch weiter fortgesetzt werden und natürlich lässt sich jeder einzelne Wert diskutieren. Die Arbeit der Markteinschätzer der Firma Classic Data ist denn auch ausserordentlich schwierig, vor allem dann, wenn nur wenige Exemplare eines Typs pro Jahr gehandelt werden.

Jedes Auto hat seine eigene Geschichte, Zustände lassen sich nicht immer einwandfrei nachvollziehen, an Versteigerungen gehandelte Fahrzeuge unterliegen einer eigenen Dynamik. So gibt es denn unter den vielen tausend Notierungen sicher solche, die vielleicht nicht ganz dem tatsächlichen Marktniveau entsprechend. Sollte mir zum Beispiel jemand einen Lotus Esprit S2 2.2 mit Linkslenkung und ehrlichem Zustand 2 für Euro 23’500 anbieten wollen, ich würde sofort zuschlagen und derartige Beispiele finden sich sicher einige.

Auch sollte dem Leser klar sein, dass die Preisentwicklung der letzten fünf Jahre kaum Aufschluss auf die zukünftige Wertentwicklung gibt, sie taugt eher zur Betrachtung, was hätte man kaufen  sollen, als für die Überlegung, was man heute kaufen müsste.

Und sowieso kaufen wir Oldtimer-Enthusiasten unsere Autos ja nicht in Hinblick auf zukünftige Wertgewinne sondern aus Freude an der Sache.

Weil aber das Analysieren von Preisentwicklungen durchaus seinen Reiz hat, haben auch wir bei Zwischengas unsere “ Fahrzeugbewertung ” etwas ausgebaut. Ab sofort zeigen wir bei jeder Preissituation für ein Fahrzeug auch die durchschnittliche jährliche Wertentwicklung über die letzten rund vier Jahre an.

Marktwert Porsche Carrera RS auf Zwischengas

Dabei vergleichen wir nicht wie Oldtimer Markt den Zustand 3 sondern ein gewichtetes Mittel aller gespeicherten Zustände  mit Betonung der Werte für Zustand 2 und 3. Premium-Leser können die Wertentwicklung sogar als Kurve sehen.

Ein Blick in unsere Fahrzeugbewertungen (im Menü unter “Markt”) lohnt sich also!

von gi******
07.04.2015 (15:58)
Antworten
Exzellente Überlegungen und Beobachtungen! Voll gegen den Strom der unzähligen "Preisblase"-Diskussionen
von C2******
08.04.2015 (10:02)
Antworten
Hallo,

ich habe vor Jahren mal mit Classic Data (noch mit Herrn Stauch) über Sinn und Unsinn von Preisbewertungen zu Vorkriegsautos diskutiert. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass das absolut überflüssige Liebesmüh ist - wie bitte will man einen "Marktwert" festlegen, wenn ein Autotyp (z.B. Peugeot 402 Eclipse, diverse Delage/Delahaye usw. usw.) in 5 Jahren einmal auf dem Markt angeboten wird? Diese Autos sind so viel oder wenig wert, wie ein Käufer dafür bereit ist, zu zahlen, sodaß man sie sinnvollerweise aus der Classic Data Auflistung herauslassen sollte.

Der Käufer will so ein Auto ggf. unbedingt haben, was zu den nicht nachvollziehbaren Ergebnissen z.B. bei der Baillonauktion führt. Dann darf er aber auch nicht heulen, wenn andere das nicht so sehen und sein überzogener Preis bei einem erneuten Verkauf nicht mehr erzielt werden kann.

Einen "Marktwert" kann es nur dort geben, wo ein regelmässiger Handel stattfindet und ein ausreichendes Angebots- und Nachfragespektrum gegeben ist - also bei Vorkriegs-Volumenmodellen wie Ford T oder A etc. und im Nachkriegsbereich.

Was mich mehr ärgert ist, dass Youngtimer und Pseudo-Oldtimer der 1980er Jahre im Stil vom Golf I von der Presse systematisch "gepuscht" werden. Wenn über diese Autos, die oft eher zum Fähnchenhändler gehören, nichts mehr publiziert wird und der freiwerdende Platz für Berichte über wirkliche Oldtimer - also alle Fahrzeuge, die vor 1970 gebaut wurden - genutzt würde, ändert sich das Verbraucherverhalten sicherlich. Wenn man Neulingen einredet, stilistische Unglücke wie der MB W 107 seien tolle, sammelwürdige Oldtimer, braucht man sich nicht wundern, wenn die die Dinger zu überzogenen Preisen auch kaufen und dann enttäuscht sind, wenn ein Veranstalter sich entschließt, solche Autos im Feld zu begrenzen. Aktuell ist das so im "Strassencorso" bei der Solitude Revival, wo ein Annahmestopp für Porsche 356/911, MB SL etc. verfügt wurde, man aber z.B. mit einem Morris Minor oder Peugeot 203 noch gute Chancen hat.

Gruß Michael Kreuz (Deutsches Peugeot Vorkriegs Register) - www.vorkriegs-peugeot.de
von an******
11.04.2015 (10:37)
Antworten
Nein , weil man vergessen hat die Interessen bei der Jugend anzubringen und sie zu motivieren. Die Überheblichkeit/ Arroganz von den Clubs und Oldtimerverbänden gegenüber den Jungen und den Jungtimer für zu einen grossen Desinteresse, damit verbunden eine zukünftige Käuferschicht im unteren und mittlerem Preissegment.
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