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Oldsmobile Toronado – Das Auto meines Lebens

Stefan Fritschi - 26.08.2012

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Oldsmobile Toronado von 1967

Wichtige Leute schreiben Memoiren. Aber auch Normalsterbliche dürfen auf ihr Leben zurückblicken. Auf diese Weise stösst man immer wieder auf fahrbare Untersätze, die sich wie eine Filzlaus in unserem Gedächtnis festgesetzt haben. Und irgendwann trifft man es dann wieder – das Auto seines Lebens.

In der Kindheit fängt es an

Bei automobilen Träumen ähneln sich die Geschichten: der Nachbar parkte ihn vor meinem Zimmerfenster, unsere Familie fuhr damit in die Ferien, den Patenonkel hörte man schon von weitem, wenn er damit ankam... Die Erlebnisse, Geräusche, Gerüche sind in unseren Erinnerungen in allen Details irreparabel eingegraben. Es haben sich starke Synapsen gebildet, würde der Gehirnforscher sagen.

Meine Auto-Synapse heisst Oldsmobile Toronado. Die elterliche Firma hatte Ende der 60er Jahre kurze Zeit einen im Fuhrpark, der sonst nur aus VWs und einem Ford 17M bestand. Heute weiss ich, dass der Toro ein Meilenstein der Formgestaltung ist, und der verantwortliche Designer David North nebenbei die „Toronado-Linie“ erfunden hat. Damals als Kind wusste ich nur, dass er mich enorm beeindruckte. Und dass er wuchtig war. Wuchtig war ein wichtiges Wort, welches ich als Knirps immer wieder hörte. Denn da waren sich Vater, Onkel, Freunde, Geschäftspartner und Verwandte einig: der Toronado ist wuchtig! Wenn Vater nach der Schule mit dem goldenen Toronado vorfuhr, war man gefühlte zwölf Zentimeter grösser als die Klassenkameraden. Und solche Gefühle sind es, die auch dann noch da sind, wenn das betreffende Auto schon längst im Shredder ist.

Zurück in die späten Sechziger. Ich war noch kaum im Kindergarten, als zwei preisgünstig geschossene Amerikaner, ein weisser 1966er Oldsmobile Cutlass und besagter goldener 1967er Toronado, auftauchten. Sie blieben ein paar Jahre. Dann kam die Ölkrise, und sie mussten vernünftigeren Autos weichen. Die Liebschaft währte also nur kurze Zeit, aber der Olds-Virus war drin.

Oldsmobile Toronado von 1967 in der Werbung

Ölkrise und Sicherheitsdenken killten die Ami-Schiffe

In Europa wuchs man in jener Zeit mit der Linie der Vernunft auf. Der runde Käfer kam aus der Mode und wurde durch Kanten und Keilform ersetzt, welche keinem Tier mehr ähnlich waren. Die Amis aller Couleur waren immer noch wuchtig, aber mittlerweile plüschig geworden. Die Stossfänger massiv wie Eisenbahnschienen, und die tollen Formen und die Fahrleistungen waren ganz weg. Die Ölkrise brachte schliesslich das Downsizing, was nichts anderes bedeutete, als dass man sich gleich einen Opel oder Ford kaufen konnte. Es gab keine Amerikaner mehr. Deshalb wandte ich mich der Grande Nation zu. Für den Schuljungen waren Franzosen fortan die besten Autos der Welt, weil sie intelligent und eigensinnig waren. Diese (theoretische) Einsicht überdauerte sogar die ersten eigenen (praktischen) Autoerfahrungen: nach bestandener Führerscheinprüfung wurde das Ersparte gegen einen Citroën GSA Break eingetauscht.

Die 60er Jahre waren doch die Schönsten…

Doch dann, irgendwann, als ich nach vielen vielen modernen Autoerlebnissen unmerklich im 21. Jahrhundert angelangt war, begab es sich, dass alte Fotoalben auf den mütterlichen Küchentisch geholt wurden. Und auf die Frage, welches denn nun die schönsten Jahre waren, sagt Mama ganz entschlossen: „die Sechziger – da waren wir so unvernünftig!“. Die Strassen waren frei, die Spritpreise niedrig, die Autos einzigartig – einige jedenfalls. Der Vorrat an Blech schien unerschöpflich - auch ohne die früheren Flossenorgien.

… also holen wir sie zurück

Als mich dann ein paar Tage später in einer Scheune die halbverschlafenen Augen eines heruntergekommenen 67er Toros anblickten, kam mir das Stichwort an Mutters Küchentisch wieder in den Sinn: unvernünftig. Ich gab also dem armen Toro ein Versprechen: „Wir schreiben die Familiengeschichte weiter, welche die Ölkrise damals beendet hatte. Du kommst bald wieder auf die Strasse.“

Oldsmobile Toronado 1966 - Werbung in einem US Magazin im Jahr 1966

Und so kam es, dass nach viel Arbeit und Geld der goldene Toronado wieder vor mir stand. Und das war weit mehr als ein Auto. Der Verstand schaltete sich ab, die Erinnerung öffnete beim ersten Schlüsseldreh nach erfolgreicher Restaurierung die alten Schubladen wieder. 35 Jahre waren sie verschlossen gewesen. Sie knarzten, aber schliesslich gingen sie auf. Der Geruch kam als Erster. Er war besonders intensiv, wenn der Wagen an einem schönen Sonntagnachmittag lange an der Sonne stand und der typische PVC jener Jahre sein Parfum verteilte. Und dann waren da die Pforten, die mir als Vierjähriger wie tonnenschwere Tresortüren vorkamen und aus denen man locker einen Mini pressen könnte. Dazu die ganzen Details, welche ein Kind beeindrucken: die schönen, rot auslackierten Oldsmobile-Logos mit der leuchtenden Rakete und die massiven Drehknöpfe, die damals toll in unsere kleinen Händchen passten. Alles wieder da!

Nachbars Kinder staunten

Ich kann mich noch genau an den Schub erinnern, den der 7-Liter-V8 produzierte, wenn Vater den Kick-Down benutze. Die Opels, Fiats und Volvos der Nachbarn hatten keine Chance, der gute 17M ebenfalls nicht. Dazu passte, dass sich alles mit Elektromotoren per Knopfdruck verstellen liess und jegliche Handarbeit überflüssig war. Die Türen hatten zweifarbige Lämpchen, der Fussraum war erhellt, und das 8-Spur Kassettenradio verteilte Elvis‘ Stimme direkt aus der Lehne der Rücksitzbank. Aber das allercoolste war – zu einer Zeit, als es das Wort „cool“ in unserem Sprachgebrauch noch gar nicht gab – die Klimaanlage. Man konnte bei brütender Hitze demonstrativ mit geschlossenen Scheiben an der Ampel stehen ohne mit der Wimper zu zucken und auch nur ein Tröpfchen Schweiss zu vergeuden.

Heute steige ich aus dem Toronado, und meine Freunde blicken mich mit grossen Augen an: „Sag mal; bist du etwa gewachsen? Es müssen mindestens zwölf Zentimeter sein…“

Einen umfangreichen Bericht zum Oldsmobile Toronado haben wir kürzlich veröffentlicht, mit über 100 Bildern, Verkaufsprospekten und sogar dem Handbuch.

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