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Borgward Isabella Coupé - behände Eleganz

Erstellt am 30. September 2018
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
43
Archiv 
9

Bis heute hat die Automarke “Borgward” einen besonderen Klang. Fortschrittliche und vor allem elegante Autos entstanden in Bremen, begehrenswert und einigermassen erschwinglich. Das Ende kam viel zu früh.

Borgward Isabella Coupé (1960) - grosszügige Fensterflächen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zunächst die Limousine

Es war im Sommer 1954, als Borgward den Nachfolger des Hansa 1800 vorstellte. Mit seinem Vorgänger hatte die schon bald “Isabella” genannte neue zweitürige Limousine kaum mehr etwas gemeinsam, es handelte sich um eine komplette Neukonstruktion. Preislich attraktiv positioniert überzeugte die 60 PS starke 1,5-Liter-Limousine mit selbstragender Karosserie, die Carl F. W. Borgward, der Firmenbesitzer, selber gestaltet hatte, die Fachpresse und die Käufer.

Ein modernes und leistungsfähigeres Auto, dazu mit vollsynchronisiertem Getriebe und Einzelradaufhängungen rundum, konnte man sonst für DM 7200 kaum kaufen. Und der klangvolle Name “Isabella” passte gut dazu, war aber eigentlich so gar nicht vorgesehen gewesen. Vermarktet wurde der Wagen zunächst nämlich als Borgward Hansa 1500, die Bezeichnung “Isabella” hatte man auf den getarnten Vorserienexemplaren auf Vorschlag des Firmenbesitzers anstatt des Borgward-Schriftzugs angebracht gehabt.

Borgward Isabella (1959) - unter umgestürzter Buche
Archiv Automobil Revue

Ganz ohne Kinderkrankheiten kam die Isabella allerdings nicht durch die ersten Jahre, aber die Mängel wurden u.a. mit weicheren Polstern, kürzerer Untersetzung der unteren Gänge, Fahrwerksversteifungen, erleichterter Bedienbarkeit der Kupplung und Verfeinerungen an der Karosserie schon bald beseitigen.

Allerdings war der Gewinn pro produziertes Modell gering, weshalb man schon im Herbst 1955 eine stärkere Variante mit höherer Marge nachschob.

Touring Sport

“TS” hiess die schnellere Variante mit 75 PS, das Kürzel stand für “Touring Sport”. Und tatsächlich war die stärkere Variante, die durch Anhebung der Verdichtung auf 8,2:1 (anstatt 7,0:1) und Ersatz des einfachen Fallstromvergasers durch einen Solex 32 PAJTA Fallstrom-Registervergasers zustande kam, ein munterer Geselle, wenngleich auch deutlich teurer als die Normalvariante. CHF 11’550 (anstatt 9’900) kostete die neue Version in der Schweiz im Jahr 1957.

Borgward Isabella TS (1956) - spritzig und wohlgebaut
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue unterzog die Normal-, aber auch die TS-Variante 1957 einem ihrer berüchtigten Langstreckentests und spulte dabei mehr als 10’000 km ab. Offenbar erlag die Testequipe auf den langen Fahrten dem Charme des schnellen und modernen Automobils. Das Resümee tönt, genau wie der gesamte dreiseitige Testbericht, positiv und echte Schwächen wurden nur wenige gefunden:

“Die Borgward Isabella ist ein angenehmes und schnelles Reisefahrzeug mit persönlicher Note, sportlicher Leistung – wenn auch nicht mit eigentlich sportlichem Einschlag sowie mit bequemer und reichhaltig ausgerüsteter Karosserie. Der Wagen spricht auf einigermassen liebevolle Pflege günstig an und verlangt, dass sein Besitzer in ihm mehr als nur ein reines Transportmittel sieht, ohne aber eines besonderen Aufwandes an Unterhalt zu bedürfen. Die Verbindung von grossem Nutzraum, hoher Leistung und bescheidenem Verbrauch in einem elegant geformten Wagen dieser Preiskategorie ist als sein besonderes Merkmal anzusehen.“

Besonders positiv hervorgehoben wurden die aussergewöhnliche Sparsamkeit – der TS benötigte kaum mehr Benzin als die Normal-Variante –, die sorgfältige Konstruktion, die umfangreiche Ausstattung und die Reisequalitäten der Limousine.

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Die Brigitte Bardot unter den Coupés

Im Spätherbst 1956 stellte Borgward der Limousine ein zweitüriges Coupé zur Seite. Noch eleganter, aber auch deutlich teuer, war die 75 PS starke Sportversion mit flacherer Linienführung ein Traumwagen der späten Fünfzigerjahre.

Borgward Coupé 1957 bei der Vorstellung

Die ADAC Motorwelt schrieb bei der Vorstellung:

“Gehörte die Isabella schon bisher zu den schönsten deutschen Wagen, so hat die neueste Bremer Schöpfung, das Isabella Coupé, dem Bestreben der Karosseriebauer bei Borgward nach besonders ansprechenden Formen ein neues Glanzlicht aufgesetzt. Der Rhombus, das Wahrzeichen des Hauses, sitzt jetzt auf einer gitterlosen, breitgezogenen Front, was die überaus sportliche Note dieses jüngsten Borgward- Kindes unterstreicht. Langgestreckt – an der Motorhaube 5 cm niedriger als die Isabella TS, deren Chassis mit dem 75-PS-Tourensportmotor dem Coupé zugrundeliegt –, breit und voll wuchtiger Eleganz, steht diesem Fahrzeug eine hohe Spitze auf die Stirn geschrieben.“

Tatsächlich, Borgward war ein überaus eleganter Wurf geglückt, der mit seinen elegant gezogenen Linien, der rundlichen Taille und dem reichhaltigen Schmuck neben einem Porsche 356 oder einem Triumph TR2 wie Brigitte Bardot zwischen Klosterschülerinnen wirkte.

Viel Handarbeit

Allerdings handelte es sich beim Coupé nicht um ein in Serie gefertigtes Auto, sondern eher um eine Spezialkarosserie auf der technischen Basis der Isabelle TS. Viel Handarbeit (und einiges an Zinn und Schleifpapier) war nötig, bis ein Isabella Coupé in der erwarteten Qualität und Formsicherheit erstrahlte.

Borgward Isabella Coupé (1957) - genannt "Isabellissima" - Genfer Autosalon 1957
Archiv Automobil Revue

Trotz des hohen Preises von DM 10’700 oder CHF 15’500 (im Jahr 1958) waren es allerdings eher die fehlenden Facharbeiter als die Kosten, die eine grössere Verbreitung des Coupés verhinderten, zumal die Nachfrage gerade aus dem Ausland gross war.

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Begeisterte Tester

Die Presse jedenfalls zeigte sich auch vom neuesten Produkt begeistert. Die ADAC Motorwelt lobte vor allem den fast schon sensationell niedrigen Verbrauch des Coupés und die “geschliffene Laufkultur” des Vierzylinders.

Dipl. Ing. W. Buck beschleunigte seinen AMS-Testwagen in 18,5 Sekunden von 0 bis 100 km/h und erreichte eine Spitze von 155,5 km/h. Über seine ganze Testfahrt verbrauchte er nur 9,8 Liter Superbenzin pro 100 km, das waren gerade 0,6 Liter mehr als der DIN-70030-Verbrauch laut Hersteller voraussagte. Minimal begnügte sich das Coupé sogar mit sechs Litern und weniger. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, als sich kaum schnellere Autos auch deutlich über 20 Liter pro 100 km genehmigten.

Es überzeugten aber nicht nur die motorischen Eigenschaften, sondern das ganze Auto:

“Das TS Coupé bringt neben guter Ausstattung auch noch reichliche Innenabmessungen mit. Es besticht aber zunächst einmal durch seine wohlgelungene Form und Farbgebung. Es ist aber nicht allein ein „Damen-Auto", sondern von seiner ganzen Veranlagung her auch für den Liebhaber rassiger Autos ein Leckerbissen – fahrsicher, lebendig, schnell und last not least auch sehr wirtschaftlich. Es war sicher ein kluger und rentabler Gedanke der Bremer, ihr Produktionsprogramm derart auszuweiten - die vielen TS Coupés, die man auf den Straßen sieht, beweisen das. Und wer diesen Wagen selbst fährt, wird es wohl bestätigen.“

Frühes Ende

Das mit der Rentabilität war eben so eine Sache. Jedenfalls musste Borgward am 31. Januar 1961 seine Selbständigkeit aufgeben, finanzielle Engpässe hatten zur Zahlungsunfähigkeit geführt. Firmenchef Borgward erfuhr am Fernsehen davon! Dabei hatte alles so gut ausgesehen nur wenige Monate früher. Doch Carl F. W. Borgward war ein ruheloser Entwickler und Unternehmer, entwarf auch Hubschrauber, Rennwagen und schliesslich auch die Oberklassenlimousine P100. Alles Geld wurde stetig in die Weiterentwicklung investiert, Reserven kaum gebildet. Die Typenvielfalt und die mannigfaltigen Projekte brachen ihm schliesslich das Genick. Es hätte nicht soweit kommen müssen, Borgward war kompromissbereit. Aber zur Rettung kam es nicht mehr, denn weder Politik noch Konkurrenz waren daran interessiert.

Über die gesamte Bauzeit brachte es die immer nur zweitürig erhältliche Isabella, eine Kombi-Variante gab es auch, bis 1962 auf immerhin über 200’000 Exemplare. Hätte sich Borgward darauf konzentriert, gäbe es die Marke vielleicht noch heute als Gegner von BMW, Audi, Mercedes und Co.

Borgward Isabella Cabriolet (1957) - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1957 - Seite, links-vorne
Archiv Automobil Revue

Das Coupé schaffte es auf 9537 Exemplare, dazu kamen noch 15 bei Deutsch gebaute Cabriolets auf Coupé-Basis.

Noch heute begehrenswert

Dass die Leute sich damals für ein Borgward Isabella Coupé begeistern konnten, versteht man auch heute noch. Die Form ist zwar nicht zeitlos, aber sicherlich wohlproportioniert und elegant. Der Innenraum ist hell und wohnlich eingerichtet. Seitenhalt muss man von den zwei Sitzen zwar nicht erwarten und die Hintersitze sind sicherlich nur für Kinder nutzbar, aber ansonsten gibt es ausser dem fehlenden Drehzahlmesser kaum etwas zu bemängeln.

Borgward Isabella Coupé (1960) - geschaltet wird mit dem Hebel rechts am Lenkrad
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Motor lässt sich über das Zündschloss starten, die Gänge über den Hebel am Lenkrad problemlos einlegen.

Borgward Isabella Coupé (1960) - mit 4,4 Metern Länge und 1,7 Metern Breite damals schon ein stattliches Auto
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Natürlich reissen 75 PS, zumal wenn sie auf 1110 kg treffen, niemanden mehr vom Hocker, aber um oldtimer-gerecht zu fahren reichen sie genauso wie zum Mitschwimmen im Alltagsverkehr. Die insgesamt kompakte Statur und die gute Rundumsicht machen das Fahren zu Vergnügen, während aus dem Auspuff ein je nach Drehzahl zurückhaltendes oder sportliches Brummen ertönt.

Borgward Isabella Coupé (1960) - oft in Zweifarben-Kombinationen gekauft, hier als Einfarben-Version
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ganz klar, mit dem Coupé ist man eigentlich fast bei jeder Gelegenheit richtig angezogen, ob vor der Oper (wie damals in der Werbung), beim Concours d’Elégance oder auf der Urlaubsfahrt.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Probefahrt mit dem Borgward Isabella Coupé von 1960.

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Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Pa******
02.10.2018 (09:59)
Antworten
Hatte selber eine Isabella TS Jahrgang 1958 ein super schönes schnelles Auto.
Gute Innenausstattung z.B. getrennte Heizung links / rechts
von solchen Autos trennt man sich ungern.
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