Die doppelte halbe Isabella
Verschollen geglaubte Einzelstücke tauchen manchmal auf verrücktestem Wege wieder auf. Im Falle eines viertürigen Borgward-Isabella-Cabriolets, von dem wahrscheinlich selbst der Hersteller vor 65 Jahren nicht einmal wusste, dass es existiert, war es ein Fernsehwerbespot für eine alte deutsche Waschmittelmarke, der das unbekannte Automobil unlängst wieder ans Licht brachte.
Darin stakst eine junge Blondine auf einer deutschen Hauptstrasse durch verschiedene Jahrzehnte der Firmengeschichte. Und als sie in den Fünfzigerjahren angekommen ist, steht sie da: die mit ungewöhnlich zahlreichen Einstiegen und ausgeprägter Skaphozephalie gesegnete offene Isabella – natürlich in modischem Blaugrün gehalten, denn damals waren Automobile genau wie Kühlschränke oder Kofferradios grundsätzlich rosa oder türkis.
Der unnatürlich steife Gang und das viel zu perfekte Licht lassen sofort erkennen: Nicht ein Bild des Zwanzigsekünders ist durch reale Belichtung entstanden. Wo man sich noch vor fünf Jahren die Mühe gemacht hätte, ein echtes Auto, eine echte Strasse und eine echte Frau aufzutreiben und sie mit einer echten Kamera zu filmen, muss heute die KI ran. Geht ja so viel schneller. Und billiger ist's obendrein.
Nun gibt Fernsehwerbung ja schon länger keine Anregungen mehr, welche Produkte man kaufen sollte, sondern legt eigentlich nur noch fest, welche Marken man in Zukunft meiden muss. Aber bisher war dabei zumindest der Schein von Mühe gewahrt. Doch Isabella und die Humpelblondine zeigen nun endlich ganz unverblümt, wie viel den Firmen das Geld der Kunden wirklich wert ist. Haben wollen sie's zwar. Aber was dafür tun? Nö, och...
Vielleicht sollte zwischengas einen Hilfsdienst anbieten: Wir als Experten beurteilen, ob das KI-generierte Auto ein reales Vorbild hat. Oder ob ein VW Käfer über dem hinteren Kotflügel wirklich noch einen Ersatztürgriff hatte. Das würde einerseits peinliche Fehlgriffe (höhö) verhindern und die Glaubwürdigkeit der künstlichen Bilder erhöhen – vor allem aber könnten so auch wir mit der Faulheit anderer noch zusätzliches Geld verdienen.


























