Warum denn in der Ferne essen?
Wer arbeitet, der braucht etwas zwischen die Zähne. Da meine Werkstatt ein kleines Stück von zu Hause entfernt liegt, geniesse ich beim Schrauben gelegentlich bei meinen Nachbarn, einer einfachen Landkneipe, die gut gemachte Speisen ohne grossen Schnick-Schnack serviert. Als Ort, wo sich auch Handwerker und «Gewerbler» treffen, wie wir sagen, ist das für mich perfekt. Zudem wird man hier nicht schief angeschaut, wenn man im Blaumann daherkommt. Oder zumindest dann nicht, wenn man nicht gerade dem Ölsumpf entstiegen ist.
Diese Pausen sind der Moment, über dieses oder jenes Problem nochmals nachzudenken. Und im Sommer um sich zu rehydrieren – zu deutsch: Für ein kühles Bier.
Antipasti
Doch es gibt auch die anderen Momente: Jene, wenn die Arbeit geschafft ist, das Auto wieder läuft und man noch eine Probefahrt machen sollte. Da bin ich quasi gesegnet, denn die Topografie rund um meine «Bude» ist dazu ideal. Es gibt Steigungen, die Seestrasse, und an dieser liegen – allerlei Kneipen! Pardon, es sind gut situierte Restaurants!
Eines davon hat mich neulich eingeladen für ein Probeessen. Zunächst etwas erstaunt ob der Ehre, musste ich feststellen, dass ich da schon öfters eingekehrt bin. Ins Alex des Hotels Alexander in Thalwil, mit dem Koch Luigi di Gregorio. Und bei den Überlegungen, da hinzufahren, rund 5 Minuten von zu Hause entfernt, ist mir eine Studie des Schweizer Dachverbands für historische Fahrzeuge, des SHVF Swiss Historic Vehicle Federation, in den Sinn gekommen. Diese wurde 2020 präsentiert und weist aus, dass hierzulande pro Auto und Jahr etwa 1000 Franken zum schön Essen gehen aufgewendet werden. Wir sind also ein (Gast-)Wirtschaftsfaktor!
Taglioloni a'l limone d'amalfi
Damit ist es für ein Restaurant durchaus von Interesse, auch an uns hungrige Schrauber, Genussfahrer und Club-Ausflugs-Organisatoren zu denken. Es macht also durchaus Sinn, wenn ein Restaurant einen Autojournalisten einlädt, selbst wenn dies – zumindest in unserer Redaktion – eher selten vorkommt.
Nun, ich habe also die Gelegenheit genutzt und bin da mal hingefahren, ins Hotel Alexander am Zürichsee in Thalwil. Nein, Werbung kriegen wir von dort (noch?) keine, ich habe auch keine Aktien dort und ja, den gefrässigen Journalisten kann man natürlich mit etwas Essen immer für sich gewinnen. Allerdings wird es immer beim Essen bleiben, von dort auf etwas anderes zielen zu wollen, das ist zwecklos, selbst wenn das heute noch in Autobranche manchmal versucht wird.
Parmiggiata alla Mamma Lia
Und ich bin mir auch bewusst, wenn der Sigrist ein Restaurant irgendwo auf der Welt empfiehlt, dann heisst das nun wahrlich nicht viel. Er isst zwar gerne, aber ein Gourmand ist er gewiss nicht.
Zu meinem Mittagessen am See aber kann ich sagen: italienische Küche, gepflegt aber nicht überkandidelt. Bei fragwürdiger Zuverlässigkeit eines frisch instand gestellten Autos ist das Alex ein idealer Ort. Es stellt zwei gute Ziele vor Augen: Ohne Panne hinzukommen und an gutes Essen zu gelangen. Sollte ich doch von einer Panne heimgesucht werden, könnte ich ja auch zurücklaufen oder zwei Stationen mit der S-Bahn fahren.
Doch zuerst wird gegessen, in jedem Fall! Und dazu gibt es noch eine Empfehlung: Gehen sie dazu nicht zu weit, vielleicht sogar im Dorf. Die Dorfkultur wird es danken. Und es wäre doch ein guter Grund den Klassiker wieder einmal hervor zu holen.
















