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Wie die drei Auto-Union-Rennwagen ihren Weg nach Ingolstadt fanden - Dichtung oder Wahrheit?

Daniel Reinhard - 18.08.2012

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Auto Union Rennwagen am Klausen 2002

Nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 war Deutschland zweigeteilt: in die sowjetische Besatzungszone im Osten des Landes und in die von den Westalliierten besetzten Gebiete. Dank der Westlage Stuttgarts konnte Mercedes seine Silberpfeile nahezu unversehrt durch die Kriegswirren schaffen. Einige wurden gar in die Schweiz gebracht um bei der Mercedes-Benz Niederlassung in Schlieren, Zürich in der Tiefgarage eingemauert zu überleben.

Die im Osten gelegene Firma Auto Union in Zwickau hatte es massiv schwerer. Die Firma wurde aufgelöst und die Produktionsanlagen stillgelegt. Die Silberpfeile waren in den Hallen eines Bergwerks untergebracht und verschwanden in die damalige UdSSR. Im grössten Land der Welt verloren sich sehr schnell die Spuren der seltenen Rennwagen.

Auto Union Rennwagen 1934 auf der Berliner Avus mit Hans Stuck am Lenkrad

1949 wurde die Auto Union GmbH (heute: Audi AG) im bayerischen Ingolstadt neu gegründet. Die alten Silberpfeile galten als für immer verschollen. Dazu hatte sich auch noch der eiserne Vorhang geschlossen und der Osten stand mit dem Westen auf Kriegsfuss.

Ein einziger Auto Union Typ-C hatte die Kriegswirren halbwegs heil überstanden und stand noch immer im Westen Deutschlands. Er wurde bereits vor dem Krieg an das deutsche Museum in München verschenkt. Bei den Bombenangriffen blieb jedoch auch das Museum nicht verschont und dabei wurde auch der Rennwagen stark beschädigt. In den Jahren 1979/80 erfolgte jedoch der Wiederaufbau durch Audi.

Ende der 70er Jahre verdichteten sich die Gerüchte erneut, dass Silberpfeile in der UdSSR gesichtet wurden. Paul Karassik, der aus einer weissrussischen Familie stammende und in Belgrad aufgewachsene Ami reiste daraufhin mit seiner deutschen Frau über den Ural auf die Suche nach den verschollenen Rennwagen. Dank perfekten Russisch-Kenntnissen und gutem Verhandlungsgeschick fand er schliesslich in 10 Jahren und unzähligen Reisen zwei zerlegte und nicht vollständige Exemplare in der Ukraine. Er konnte beide Autos erwerben und brachte die Fahrzeugreste in Einzelteilen, teils per Lieferwagen selbst in den sicheren Westen. Von hier wurde das wertvolle Ersatzteillager in die USA, genau nach Florida, gebracht. Im Herbst 1990 meldete sich Paul Karassik dann in Ingolstadt und bekam beratende Hilfe für die Restauration die durch den Spezialisten Crosthwaite & Gardiner aus dem englischen Buxted, Grafschaft East Sussex, vorgenommen wurde.

Aus dem russischen Ersatzteillager entstanden ein 38er Typ-D Kompressor und ein 39er Typ-D mit Doppelkompressor. Da sämtliche Karosserieteile unauffindbar verschollen waren, musste die gesamte Aussenhaut von Rod Jolley Coachbuilding aus dem englischen Lymington in der Grafschaft Hampshire neu angefertigt werden. 55 Jahre nach dem Ende der Silberpfeil-Aera auf der Rennstrecke konnten die beiden Fahrzeuge am 1. Oktober 1994 anlässlich der Eifel-Klassik auf dem Nürburgring präsentiert werden.

1998 wechselte der 38er Typ-D seinen Besitzer und kam zurück zu seinen wahren Eltern. Später verkaufte Paul Karassik auch den 39er-Doppelkompressor, jedoch an einen Privatmann. Der grosse Traum von Karassik den alle beeindruckenden Rennwagen noch einmal in Belgrad fahren zu lassen wurde durch den in den 90er Jahren wütenden Balkankrieg verhindert. Paul Karassik sah kurz vor Kriegsbeginn als kleiner Junge das letzte grosse Rennen der Silberpfeile in Belgrad.

Jahre später konnte Audi auch den Doppelkompressor zurückkaufen. Der Preis muss derartig astronomisch hoch gewesen sein, dass vermutlich kein normal denkender Mensch widerstehen hätte können.

Das dritte noch existierende Auto, Hans Stucks Bergrennwagen - ein Typ C/D - stand in traurigem Zustand bis kurz nach der Wende im Automuseum von Riga in Lettland. Audi konnte das Auto schliesslich gegen eine originalgetreue Kopie ebenfalls erwerben.

Ob sich das alles nun tatsächlich so zugetragen hat, werden wir wohl nie erfahren. Aus Sicht Audi sind diese drei Wagen, die nach Originalplänen neu aufgebaut wurden, Originale. Wieviel Originalsubstanz ist aber wirklich daran? Haben die wertvollen Autos wirklich auf diesem Weg zurück nach Deutschland gefunden? Wieviele Einzelteile der Originalautos wurden von Karassik tatsächlich in der Ukraine gefunden und wieso werden die Geschichten erst 20 Jahre später publik? Wieso gibt es keine Fotos vom gefundenen Ersatzteillager?  Und kein Bild vom Finder? Fragen über Fragen, die wohl für immer und ewig unbeantwortet bleiben werden.

Ob so oder so, wir müssen froh sein, dass diese Autos wiederbelebt wurden, denn es gibt kaum attraktivere Rennwagen für unsere gesammelten Sinne: Hören, Sehen, Riechen und auch Tasten.

Diese drei Ex-UdSSR Wagen werden vom 14. bis 16. September 2012 beim Goodwood-Revival in England zu bewundern sein. Für die anwesenden Besucher vor Ort ein Fest der Sinne!

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