Ein Opel mit Identitätskrise
Gehören Sie auch zu denen, die der Meinung sind, alte Autos hätten noch "Persönlichkeit"? Dann fragen sie doch eimal den Opel Kadett E, was er dazu zu sagen hat. Denn die fünfte Generation des ewigen Offiziersanwärters nahm im Laufe ihres Lebens mindestens 21 verschiedene Identitäten an.
Dass es in Grossbritannien einen Vauxhall-Ableger auf General Motors' T-Plattform gab, versteht sich beinahe von selbst. Der trug übrigens da schon den Namen Astra, der in Kontinentaleuropa erst mit dem Nachfolgemodell eingeführt wurde. Darüber hinaus erachtete man die Version mit Stufenheck als eigenständig genug, um ihr einen eigenen Namen zu geben: Belmont.
Für den südafrikanischen Markt wagte es GM doch tatsächlich, den Rucksack-Kadett als Opel Monza zu verkaufen, während die Schräghecklimousine den deutschen Namen behalten durfte. In Brasilien traditionell mit US-Namen vermarktet, liefen Opel Kadett und Caravan dort als Chevrolet Kadett und Chevrolet Ipanema.
Auf dem US-Markt belebte ein Kadett E mit neuem Kühlergrill 1988 den Pontiac Le Mans wieder, den es in Südkorea auch als Daewoo Le Mans gab. Die Asiaten trieben es mit Abstand am buntesten, nannten ihre T-Ableger je nach Modelljahr, Karosserieform und Absatzmarkt entweder, Racer, Super Racer, Cielo (Neuseeland), Fantasy, Heaven (beide Thailand), Pointer (Chile) oder schlicht Daewoo 1.5i (Australien).
Die Weiterentwicklung namens Daewoo Nexia war sogar in Westeuropa erhältlich und wurde als Chevrolet Nexia noch bis 2008 in Usbekistan gebaut. Der Lizenzbau aus China nannte sich Guangtong GTQ 5010 X (nicht zu verwechseln mit dem GTQ 5010 XA, der auf dem Kia Pride basierte) und blieb uns zum Glück erspart.
In Kanada wurde der Opel Kadett ab 1987 als Passport Optima angeboten. Interessanterweise war er der einzige unter den Isuzu-Importen, der einen eigenen Markennamen erhielt. Nur in Nigeria nicht. Dort hiess auch er Isuzu Optima. Auch als die Marke Passport schon 1991 wieder eingestellt wurde, mussten die Kanadier nicht auf den kompakten Deutschen verzichten. Ab dem Folgejahr nannte er sich dort Asüna GT und Asüna SE – je nachdem, ob er Schräg- oder Stufenheck trug.
Mit dem Nachfolger einigte man sich dann egal ob Opel, Vauxhall, Chevrolet oder Holden auf den Namen "Astra". Nur nicht in Südafrika. Dort hiess er weiterhin Opel Kadett.


























