So unglaublich viel besser!
Nun ist sie wieder Geschichte, die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangene Auto Zürich, mittlerweile eine der grössten Automessen überhaupt in Europa mit rund 90 vertretenen Marken. Als Motorjournalist, der noch vor kurzem auch Neuwagen getestet hat – den entsprechenden Pressereisen trauere ich tatsächlich etwas nach – sollten mich die neusten Kreationen der Automobilindustrie eigentlich nicht weiter verwundern. Die Stossrichtung, wohin es künftig mit unseren liebsten Objekten der Begierde gehen soll, ist klar. Nein, so richtige Begeisterung für die präsentierten Neuheiten habe ich kaum verspürt. Vieles mag zwar ganz praktisch sein, einem das Leben erleichtern und helfen, mit den Bedingungen des modernen Verkehrsgeschehens besser zurecht zu kommen. Aber eben, der emotionale Teil des Autofahrens geht da immer öfter leider unter.
Diese Eindrücke waren ein Grund, einige Gedanken zum Wesen des Automobils zu wälzen und rasch verfiel ich auf die These, dass Emotionen eigentlich die wahren Treiber der Automobilentwicklung gewesen sind – oder doch nicht nur?
Denn auch der London-to-Brighton-Run ging am vergangenen Sonntag über die Bühne, ein Spektakel mit Automobilen aus der Zeit vor 1905. Leider war ich nicht persönlich zugegen. Aber dank Social-Media gab es doch so manchen Eindruck vom Start, auf der Strecke und im Ziel in Brighton. Und gerade an den Steilstücken ist es immer wieder faszinierend, wie locker manche dieser 120 Jahre alten Maschinen den Berg erklimmen. Dasselbe übrigens habe ich bereits im vergangenen Jahr zu einer Fahrt von Luzern nach Basel gedacht, ebenfalls für Pionierfahrzeuge bis 1905. Die Autos, egal welchen Alters, sind allesamt recht stramm über den Hauenstein gefahren, die bereitstehenden Traktoren mussten nicht bemüht werden.
Das Pionierfahrzeug, ein Rambler von 1903, schaffte beim Lucerne-to-Basel-Run die Steigung am Hauenstein problemlos
Die ebenso am Run beteiligten Pferdewagen mit ihren Kutschern und Passagieren hingegen bewerkstelligten nur kleine Teilstücke der rund 90 Kilometer langen Strecke und konnten am Ziel in Muttenz, im Pantheon, sich noch nicht einmal zu den angekommenen Automobilen und deren Besatzungen gesellen – aus Platz- und Logistikgründen. Man kann sich vorstellen, dass vier natürliche Pferdestärken mindestens etwa den Platz von zwei bis drei Parkfeldern einnehmen, währenddessen bereits das Siegerfahrzeug des ersten, grossen Autorennens von Paris nach Bordeaux und zurück von 1895, der Panhard & Levassor von Emile Levassor, seine vier «Pferde» auf einen Hubraum von 1.2-Liter komprimiert hatte. Siehe das Titelbild.
Meine augenöffnende Konklusion war: Bereits die allerersten Autos konnten fast alles besser als ihre pferdegezogenen Konkurrenten. Gewiss, sie hatten Pannen und bockten vermutlich öfter als ein störrischer Esel. Levassor aber brauchte für die 1178 Kilometer lange Strecke 48 Stunden und 48 Minuten, das wäre mit keinem Pferd zu schaffen gewesen. Und nach seiner Ankunft in Paris konnte er den Wagen abstellen und sich nach der erschöpfenden Fahrt erholen. Da brauchte niemand für ihn die Pferde auszuschirren und zu versorgen. Wenn also moderne Autos auch nicht mehr gar so reizvoll scheinen, sie sind alleweil noch immer besser als auf den Bus zu warten– und ganz bestimmt um Lichtjahre besser, als mit Pferd und Wagen unterwegs zu sein – so, wie es die Menschheit bis vor rund 140 Jahren gemacht hat und dies zuvor während annähernd 5000 Jahren.


























