Daimler Stahlradwagen - wie NSU das erste richtige Automobil baute

Erstellt im Jahr 2015
, Leselänge 3min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Mercedes-Benz Classic 
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NSU, die drei Buchstaben standen mal für für solide schwäbische Fortbewegung. Zunächst mit dem Fahrrad, dann mit dem Motorrad und später mit dem Automobil. Und irgendwann auch alles zusammen. Bis vor wenigen Jahren dachte man dabei nicht an eine rechtsextreme terroristische Vereinigung sondern an ausgetüftelte Fahrzeuge vom Neckar. Zu recht, denn NSU war einer der Wegbereiter des Automobils. Und von fast Anfang an dabei, bis es im Königreich VW im Fürstentum Audi verschwand. Damit geriet die ehedem grösste Motorradfabrik der Welt (1954) oder das sanfte Dahingleiten im Ro 80 (1967) mit Wankelmotor, der zugleich das erste deutsche »Car of the year« werden sollte, langsam im Vergessenheit.

Ersatz der Pferde durch Pferdestärken

Gemeinhin gilt das Jahr 1886 als die Geburtsstunde des Automobils, da waren Gottlieb Daimler und Karl Benz noch Konkurrenten. Während der Badener Benz am 29. Januar 1886 ein Patent auf sein dreirädriges Gefährt erhielt, tüftelte der Schwabe Daimler lieber an der Verbesserung des Ottomotors, den er in umfunktionierte Kutschen einbaute. Seinem Partner und Chefkonstrukteur Wilhelm Maybach, der zu feinen Konstruktionen neigte, missfiel der Ersatz der Pferde durch Pferdestärken und er wünschte sich eine elegantere Kombination von Antrieb und Fahrzeug. Und obwohl die Meinungen der beiden hier entschieden auseinandergingen, erhielt Maybach vom starrköpfigen Chef die Erlaubnis zum Bau eines Daimler Wagens. 


Daimler Stahlradwagen: Das Fahrzeug mit dem ersten V2-Motor der Welt wird im Jahr 1889 auf der Pariser Weltaustellung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Copyright / Fotograf: Mercedes-Benz Classic

Unterstützung der Strickmaschinenfabrik NSU

Maybach benötigte dazu - ganz im zeitgemässen Sinne - einen Zulieferer, denn selbst waren er und Daimler nicht in der Lage, solch einen Wagen zu bauen. Den fand er im Herbst 1888 nahe seiner Geburtsstadt Heilbronn in der gut 50 km entfernten Neckarsulmer Strickmaschinenfabrik NSU, Abteilung Fahrräder. Ludwig Zeidler, seines Zeichens technischer Leiter des Unternehmens, zeichnete am 11. November 1888 das Chassis des ersten vierrädrigen Benzin-Motorwagens der Welt, das ausschliesslich für den motorisierten Verkehr entworfen war. 

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Maybachs konstruktives Geschick

Bei dem zirkulierte das Kühlwasser im Rahmen, die Vorderräder hingen in kugelgelagerten Fahrradgabeln. Ein Steuerhebel mit Stangen sorgte für den Richtungswechsel. Hinten war eine Starrachse vorgesehen, auf die durch den neu konstruierten Zweizylinder-V-Motor mit 565 cm bei einer Verdichtung von 1 : 2,52 über eine offene Konuskupplung und ein Viergang-Zahnradwechselgetriebe direkt 1,65 PS bei 920 U/min übertragen wurden. 


Weltweit der erste V2-Motor: Der Zweizylinder von Daimler feiert 1889 seine Premiere im Stahlradwagen.
Copyright / Fotograf: Mercedes-Benz Classic

Maybach bewies bei dem knapp 300 kg schweren Gefährt sein konstruktives Geschick. Das Getriebe gilt als der Vorläufer aller modernen Getriebe überhaupt, mit dem die Neukonstruktion eine Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h erreichte. Auf schnurgeraden Alleen lagen auch schon mal über 20 km/h drin. 

Premiere an der Weltausstellung

Bereits im Frühjahr 1889 werden die ersten beiden Chassis den Neckar herauf nach Bad Canstatt zur Erprobung geliefert. Für die Vorstellung der vielversprechenden Konstruktion bot sich in diesem Jahr ein herausragendes Ereignis an. Die Weltausstellung unter dem neu errichteten Eiffelturm mit ihren zahlreichen Pavillons in Paris.

Wegbereiter des Automobils in Frankreich

Nur die für ihre Pfeffermühlen und Fahrräder bekannte Firma Peugeot witterte im ersten richtigen Automobil ein Geschäft. Am 12. Dezember 1889 bestellte sie bei Panhard & Levassor, den Vertretern Daimlers in Frankreich zwei Fahrgestelle und zwei Motoren und vermarktete das Ganze etwas später als Peugeot Typ 2. Das Modell gilt als Wegbereiter des Automobils in Frankreich und als Initialzündung der französischen Automobilindustrie. Aus Neckarsulm lieferte man weitere 20 Fahrgestelle an Daimler, darunter eben zwei für Peugeot. 4’000 Mark kostete ein Fahrzeug inklusive Werkzeug, Lampen und Polsterung. Ab 1890 belieferte NSU die Franzosen direkt mit 13 wohl modifizierten Fahrgestellen und weil der Prophet im eigenen Land nichts gilt, begann so der Siegeszug des Automobils jenseits des Rheins, an der NSU einen nicht unerheblichen Anteil hatte.


Emile Levassor (vorne) und René Panhard auf dem ersten nach Frankreich gelieferten Daimler Stahlradwagen, der auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1890 präsentiert wurde.
Copyright / Fotograf: Mercedes-Benz Classic

Mit Dank an Mercedes-Benz Classic und Audi Tradition

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von kl******
21.10.2015 (11:20)
Antworten
Die Fa.Peugeot hat mit Sicherheit nicht erst am 12 Dezember 1989 bei Panhard zwei Fahrgestelle u.zwei Motoren bestellt MfG P.Kleinbeckes
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
21.10.2015 (12:03)
vollkommen richtig, das müsste natürlich 1889 heissen. Danke für den Hinweis!
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