Zurück in die Kiste – mein Porsche «Supertune»
Wie haben Sie es so mit Ferienmitbringseln, mit Souvenirs? Ich staune immer wieder über all den Krempel, den es an den üblichen Touristenorten zu kaufen gibt. Ich bin mit Souvenirläden quasi aufgewachsen, in einer Touristenhochburg wie Luzern gibt es davon reichlich. Sie künden quasi die in der Nähe liegenden bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie die hölzerne Kapellbrücke oder das Löwendenkmal an. Besucht habe ich diese aber höchstens mal auf der Suche nach einem Taschenmesser für Freunde im Ausland.
Meine Souvenirs sehen, wie man hier sieht, meist anders aus. Klar gibt es durchaus einige hübsche Postkarten aus dem Pays d'Enhaut, genauer aus Château d'Oex, vielleicht auch andere Dinge. Mich interessieren diese jedoch selten. Meine Mitbringsel haben vorzugsweisse etwas mit Autos zu tun oder es sind Autos: Miniaturen oder Modelle. Diese findet man gelegentlich unerwartet an Orten, wo man nicht damit rechnen würde. Vor einigen Jahren war dies in einer Papeterie des besagten Ortes der Fall. Von einem Gestell herab leuchtete die Aufschrift Supertune und mehr noch, das Logo des französischen Spielwarenherstellers Joustra. Noch in den frühen 1980er-Jahren fabrizierte Joustra grossartige Kunststoffmodelle, erst kürzlich durfte ich von Kollege Paul Krüger einen ziemlich grossen Matra Rancho (ist er in etwa 1/12 verkleinert?) von Joustra entgegen nehmen. Joustra ist der Zusammenzug von Jouet und Strasbourg, damit ist auch klar, woher sie stammen. Ob Joustra aktuell noch produziert wird, ist unklar. Der Besitzer Heller, bekannt durch seine Modellbau-Kits und mittlerweile in Deutschland angesiedelt, lässt auf seiner Website nirgends verlautbaren, ob und wie Joustra noch präsent ist. Eine ensprechende Suche dort bringt keine Resultate.
Mein Supertune war mir zunächst ebenso ein Rätsel, dass ich ihn mir aber kaufen würde, das war sicher. Alles, was ein gewisses Alter hat und noch in Europa statt China hergestellt wurde oder wird, hat mein Interesse. Das Auto, ein Porsche 928, ist ein elektronisches Spiel, bei dem es darum geht, Fehler zu finden und zu beheben. Dazu sind unter der Motorhaube verschienene Knöpfe zu finden, welche die Batterie oder die Zündkerzen darstellen. Dazu liegen ein Schraubenzieher und ein Schraubenschlüssel mit dabei, die mit Kabeln im Motorraum mit dem Auto verbunden sind. Statt einer Heckklappe gibt es auf der Hutablage Leuchtdioden und drei Druckschalter.
Damit lassen sich drei verschiedene Programme wählen. Beim Wettlauf gegen die Zeit gilt es, aufgrund der sich verändernden Geräuschentwicklung deren Ursache zu finden. Ein Druck auf eine Kerze, die Batterie oder den Luftfilter unter der Haube führt zu einer «Reparatur», das Geräusch wird wieder normal. Ich vermute, der Joustra Porsche 928 Supertune ist in den 1980er-Jahren auf den Markt gekommen.
Nachdem ich also die Betriebsanleitung des vermutlich mindestens 30 Jahre lang in diesem Laden gelagerten Spielzeugs einigermassen begriffen hatte und mir entsprechede Batterien besorgt, konnte es losgehen. Ein Druck auf einen Knopf im Armaturenbrett startet den Motor, dann beginnt der Wagen zu brummen, plötzlich ändert sich der Ton, irgenwann geht er aus, Dioden leuchten und der Spieler drückt wie wild mit seinem Werkzeug auf den Knöpfen im Motorraum herum.
Dabei ging mir plötzlich ein Licht auf: Offenbar kennen all meine Autos – sobald sie von etwas komplexerer Natur sind – dieselben Probleme. Um aber mit Werkzeug im Motorraum herum zu hantieren, dafür brauche ich nun gewiss keinen «Supertune»! Diese Situation brauche ich auch nicht zu bespielen, sie ist Realität! Ich habe also die Batterien wieder fein säuberlich ausgebaut und weggelegt, da ich deren Auslaufen verhindern wollte, die Käbelchen wieder zusammengerollt und die Werkzeuge unter der Haube zum Verschwinden gebracht. Dann legte ich den Porsche zurück in den Styroporträger und in die Kiste und habe diese weggepackt. Nein, ich verkaufe den Porsche nicht, er ist ein hübsches Stück jüngerer Spiezeuggeschichte. Aber Reparaturprojekte habe ich schon genug, danke! Das Wort «Supertune» verbinde ich seither untrennbar mit Château d'Oex – ein Souvenir!

























