Generationenwechsel
Es wird viel diskutiert, wie sich der Klassikermarkt verändert. Eine schöne Illustration des Wandels ist der Vergleich zwischen zwei Ferrari-Modellen, nämlich dem Ferrari 330 GTC und dem F40.
Auf Basis der Zwischengas-Auktionsdatenbank wurden die durchschnittlich erzielten Preise für beide Modelle verglichen und zwar über 10 Jahre (2016 bis 2025).
Die Analyse zeigt, dass sich die Bewertungen bei ähnlicher Ausgangsbasis komplett verschieden entwickelt haben. Während der 330 GT sich eher flach oder nach unten entwickelte, zeigte der F40 einen klaren Trend nach oben. Aus einem 1:1 entwickelte sich ein 6:1, d.h. der F40 ist heute rund sechsmal soviel wert an Versteigerungen wie ein 330 GTC.
Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die beiden Coupés zu werfen, um die Unterschiede zu verstehen. Der Ferrari 330 GTC, gebaut zwischen 1966 und 1968, entstand in (meist nicht roten) 598 Exemplaren. Er repräsentierte den klassischen italienischen Granturismo-Sportwagen mit V12 Frontmotor und elegantem zurückhaltendem Design. Mit hinteren Einzelradaufhängungen und Scheibenbremsen war der Wagen auf der Höhe der Zeit und wurde gerne für lange Strecken eingesetzt.
Der Ferrari F40 ist dagegen ein für den Strasseneinsatz gezähmter Rennwagen. Eigentlich war die Stückzahl limitiert, doch weil die Kunden immer mehr kauften, wurden schliesslich zwischen 1987 und 1996 1311 (praktisch ausschliesslich rote) Exemplare des Mittelmotor-Zweisitzers mit Doppelturbo-V8-Motor hergestellt. Der F40 war ein Auto für eine kurze und dramatische Ausfahrt oder Selbstversuche auf der Rundstrecke.
Dass nun der Ferrari F40 den 330 GTC trotz seiner höheren Stückzahl wertmässig so abhängen kann, hängt auch mit den geänderten Ansprüchen der Klassikerkäufer zusammen. Langstrecken-Komfort und gesittete Manieren sind heute weniger wichtig, ein beindruckender Auftritt umso mehr. Gerade jüngere Auktionsbesucher beachten den klassischen GTC kaum mehr, während sie den F40 schon als Poster im Kinderzimmer oder als Burago-Modellauto auf dem Spielplatz hatten.
Für alle diejenigen, die sich immer einen klassischen Ferrari erträumt haben, bieten die geänderten Käuferpräferenzen auch neue Chancen. Waren die Zwölfzylinder-Frontmotor-Ferrari-Coupés der Sechziger- und frühen Siebzigerjahre über Jahrzehnte praktisch unerschwinglich, werden sie jetzt wieder günstiger und passen dann vielleicht irgendwann doch ins Budget …
P.S. Eine Auswertung über fast 30 andere beliebte und bekannte Klassiker gibt es dann im kommenden Zwischengas Jahresmagazin 2026.


























