Eine neue Form des Badge-Engineerings?
Wir erinnern uns, in den Fünfzigerjahren entdeckten die Briten den Wert des “Badge-Engineerings”. Um vielen Marken eine breitere Angebots-Palette zu ermöglichen, wurde derselbe Fahrzeuggrundtyp jeweils leicht angepasst und mit einem anderen Markennamen versehen. Das gab’s etwa beim Mini, der als Austin oder Morris herauskam, oder beim Austin 1100, den man sogar als Morris, MG, Riley oder Vanden Plas kaufen konnte.
Auch die verschiedenen VAG-Marken schwimmen seit einigen Jahren auf derselben Welle, wenn auch die Unterschiede zwischen einem Volkswagen, einem Seat oder Skoda etwas grösser sind.
Zudem gab’s natürlich auch privates Badge-Engineering im Kleinen. Da wurde etwa ein VW Golf LS auf einen GTI hochgerüstet, in dem man vorne das entsprechende GTI-Schildchen montierte. Oder ein Mercedes-Benz 200 D wurde dank Typenzeichen-Tausch zum 400 E.
Dieses Konzept funktionierte natürlich auch in die andere Richtung, wenn aus einem Mercedes-Benz 500 E ein 200 E wurde, weil dessen Besitzer nicht angeben wollte oder es aus Geschäftssicht sinnvoller war, tiefzustapeln.
Und nun will ja Paris höhere Parkgebühren für Autos über 1,6 Tonnen einführen. Wie die Leute, welche die ordnungsgerechte Bezahlung der richtigen Gebühr überprüfen wollen, am (vielleicht nicht in Frankreich zugelassenen) Auto ablesen sollen, ob es über oder unter 1,6 Tonnen schwer sei, bleibt allerdings (vorerst) deren Geheimnis. Auf jeden Fall könnte es sich angesichts der exorbitant hohen Parkgebühren (wieder) lohnen, aus einem Mercedes-Benz C400 einen C200 zu machen oder das Schild gleich wegzulassen, was ja sogar ab Werk als kostenlose Option möglich ist. Im Zweifelsfall wäre dann der Wagen “leichter”. Und vielleicht verwandelt man auch gleich einen Skoda Superb 4x4 per Schildchentausch in einen Skoda Fabia?
Zugegeben, Oldtimer- und Youngtimerfahrer trifft diese französische Neuerung weniger, da sie ja sowieso in Paris nicht willkommen sind, zumindest teilweise nicht. Ansonsten aber dürfte es kaum eines dieser Autos auf 1,6 Tonnen schaffen, denn schliesslich waren die Fahrzeuge früher deutlich leichter …


























