Ach, wie gut, dass niemand weiss,...
...dass ich... ja, wie heisse ich denn jetzt eigentlich? So manches klassische Automobil würde wohl ins Grübeln kommen, angesichts der weitverbreiteten Irrtümer, die über seine Modellbezeichnung kursieren. Vor allem, wenn selbst der einstige Hersteller die falsche Benennung übernommen hat und sie nun konsequent in allen offiziellen Schriftstücken verwendet und verbreitet – frei nach dem Duden-Qualitätsanspruch: "Wenn's nur genug Leute falsch machen, ist es jetzt eben einfach richtig."
Prominentestes Beispiel für dieses Phänomen ist wohl der Audi Sport Quattro E2, der von der rallyebegeisterten, aber wenig rallyebelesenen Welt fast ausschliesslich S1 genannt wird. Nur ein Blick in die zeitgenössischen FIA-Homologationspapiere würde jedoch verraten, dass der Audi Sport Quattro S1 nicht jenes spoilerbewehrte Ungetüm war, das Mitte 1985 bei der Olympus-Rallye debütierte – sondern sein seit 1984 eingesetzter, fast völlig flügelloser und deshalb unberechenbarer Vorgänger.
Aber anstatt den Fehler im Sinne der eigenen Glaubwürdigkeit und einer korrekten Widergabe der Markenhistorie zu berichtigen, schuf man in Ingolstadt lieber die Hyperkorrektur des "Sport Quattro S1 E2". Warum Hyperkorrektur? Weil der E2 zwar eine Weiterentwicklung des Sport Quattro war – aber nicht auf dem S1 basierte, sondern auf 20 fabrikneuen Exemplaren aufgebaut wurde.
Ähnliches ist dem Porsche Carrera RS von 1973 widerfahren, der neuerdings werksseitig konsequent zum profanen 911 degradiert wird und als Ausgleich deswegen mit seinem Hubraum prahlen muss. Das Portfolio der Zuffenhausener ist besonders reich an diesen pseudo-fachmännischen Zahlen-Einschüben, siehe Carrera GTS (904) oder Turbo (wahlweise 911 oder 930). Selbst der 356 kam als Neuwagen ohne projektinterne Buchstaben-Ziffern-Kombination aus und war etwa ein schlichter Porsche 1600 Super.
Natürlich ist bewusste Falschbenennung etwas anderes als umgangssprachliche Vereinfachung. Dass der Mercedes-Benz 250 TD des Baumusters S 124 mit der zweiten Modellpflege zum zungenbrecherischen E 250 Diesel T wurde, ist den meisten Youngtimer-Freunden im Alltag zu umständlich. Mal ganz abgesehen davon, dass sich meist ohnehin keiner die Mühe macht, den Namen des Erfinders mit zu nennen. Dabei ist ein Mercedes strenggenommen etwas anderes als ein Mercedes-Benz. Vielleicht sollte das auch einmal jemand der selbsternannten "ältesten Automarke der Welt" mitteilen.
Vielleicht sollte aber auch ich fortan statt vom Omega einfach penetrant von meinem Opel Rolex schreiben – und warten, wann sie in Rüsselsheim ihren Fehler endlich bemerken.


























