Weniger Heldensagen, bitte!
Hin und wieder muss man sich auch an die eigene Nase fassen. Das hat schon Michael Jackson erkannt. Denn eine nicht zu unterschätzende Ursache, aus der neue Altautoliebhaber nur zögerlich nachwachsen, sehe ich bei den gegenwärtigen Oldtimerbesitzern – längst nicht bei allen, aber bei einem doch recht häufig auftauchenden Archetyp. Nämlich der, der auf Oldtimertreffen im Gespräch mit oldtimerlosen Besuchern gerne zum Besten gibt, welche Probleme und Widrigkeiten er wieder bewältigt hat, und dadurch – ob absichtlich oder unabsichtlich sei einmal dahingestellt – viele potenzielle Neueinsteiger abschreckt. Klingt irgendwie mehr lästig als lustig, das Hobby. Wer will das schon?
Ich hatte sogar einmal einen Kollegen (nicht bei zwischengas), der in einem Kaufratgeber für Einsteiger (!) allen Ernstes geschrieben hat, regelmässige Pannen würden den Charme eines Oldtimers ausmachen. Ganz offensichtlich ist ihm noch nie in einer Winternacht bei strömendem Regen auf der Autobahn die Lichtmaschine abgeraucht. Und da wundert man sich noch, dass sich niemand mehr ein altes Auto zulegen will? Oder anders ausgedrückt: Wie viele Hundebesitzer sind wohl der Meinung, dass die Besuche beim Tierarzt das Schönste an einem Haustier sind? "Hurra! Nach Monaten des Spazierens, Spielens und Spasshabens hat das Biest endlich wieder einen Nierenstein!"
Vielleicht sollte man das Beherrschen alter Technik nicht immer als eine Mischung aus Kunstfertigkeit und Glück darstellen oder das Fahren ohne Servohilfen nicht mit stolzgeschwellter Brust zum heroischen Kraftakt aufbauschen. Wer wirklich will, dass wieder mehr Leute Lust auf einen Oldtimer bekommen, sollte viel eher den Zugang erleichtern und die Kunde verbreiten: Alles halb so wild. Alte Technik ist eigentlich viel unkomplizierter und damit besser beherrschbar. Vor allem aber: Alte Technik ist zuverlässig, wenn sie in gutem Zustand ist und gehalten wird. Nur scheint gerade diese Tatsache – sei es zur Selbstdarstellung oder aus Ahnungslosigkeit – gerne ignoriert zu werden.
Wenn ich von Gleichaltrigen oder Jüngeren interessiert auf einen meiner 58- bis 71-jährigen Oldtimer angesprochen werde, höre ich deswegen immer wieder dieselben (leider auch von manchen Fachmedien) verbreiteten Klischees: teuer, unzuverlässig, schwer zu fahren und säuft wie ein Loch. Natürlich könnte ich dann sagen, wie ungeheuer stark, wohlhabend und abenteuerlustig ich bin und wie scheissegal mir die Umwelt ist – wäre aber alles glatt gelogen. Stattdessen bemühe ich mich lieber, diese irgendwo zwischen Heldentum und Masochismus angesiedelten Mythen zu zerschlagen. Vor anderen gut dazustehen ist ja schön. Ist nur doof, wenn man am Ende alleine dasteht.


























