Es war einmal … das Turboloch
Der Begriff tauchte, zumindest in der uns bekannten Literatur, eigentlich erst auf, als das Problem schon (fast) gelöst war. Das “Turboloch” beschreibt jene Verzögerung, die zwischen dem Herunterdrücken des Gaspedals und der Erzeugung nutzbarer Leistung des zwangsbeatmeten Motors entsteht. Weil der Turbolader ja erst mit zunehmendem Durchströmen der Abgase so richtig zu drehen beginnt und dann dem Motor wieder zusätzlich verdichtete Luft zuführen kann, reagiert der Turbomotor verzögert auf die Gasannahme. Und erst in den Achtzigerjahren las man über das "Turboloch".
Bei den frühen Turbos, insbesondere den Rennwagen, war dieses besonders ausgeprägt und umso grösser der Turbolader war im Verhältnis zum Hubraum, umso stärker war der Effekt. Verstärkt wurde der Effekt bei frühen Turbomotoren noch durch die abgesenkte Verdichtung, die die Leistung noch zusätzlich reduzierte, solange der Turbolader nicht auf hohem Niveau mitarbeitete.
Anfänglich sprach man übrigens eher vom “verzögerten Ansprechen beim Gasgeben” und Gert Hack notierte nach seinem ersten Test in der ams 11/1975 , dass man dieses Problem beim 930 eigentlich recht gut gelöst hatte. Spätere Testfahrer sahen dies dann allerdings nicht mehr so und heute gilt ein früher 930 als klassischer Turbo mit “Loch”. Auch andere Autos mit Estgenerations-Turbomotoren, etwa der BMW 2002 turbo oder der Mitsubishi Lancer wiesen deutliche Verzögerungen auf Gaspedalbewegungen auf. Umso schäumender war dann der Vortwärtsgang, wenn der Turbolader dann richtig Fahrt angenommen hatte.
Porsche verbesserte das Ansprechverhalten durch immer neue technische Kniffe bei jeder Turbo-Generation, bis kaum mehr etwas von der alten Kritik übrig war. Auch Saab hatte die Verzögerungen in mehreren Optimierungsschritten immer weiter verkleinert und moderne Vier- und Sechszylinderturbos lassen sich im Ansprechverhalten durchaus mit Saugern vergleichen. Über das “Turboloch” jedenfalls braucht heute niemand mehr zu sprechen, ausser er ist Nostalgiker und kann, wie ich, dieser Verzögerung in der Leistungsentfaltung etwas abgewinnen.
Als ich letzten Sommer auf Einladung von Porsche wieder einmal ein spätes 930 Turbo Cabriolet fahren durfte, da begeisterte mich der “Bums” ab 3000 Umdrehungen jedenfalls über alle Massen und ich genoss die verzögerte, aber umso kräftigere Leistungsentwicklung.

























